Ein aufgeräumtes Leben führen

Foto , CC0 , by Stokpic

[Inhaltshinweis: Erwähnung von Depression, Angst- und Esstörungen]

Dies ist ein Beitrag aus unserer Rubrik kleinergast, in der wir alle Gastartikel veröffentlichen. Dieses Mal kommt er von Justine. Der Text ist die deutsche Version ihres englischen Posts (den ihr hier nachlesen könnt) und den wir mit ihrer Erlaubnis veröffentlichen. Die Übersetzung kommt von kleinerdrei.

Justine ist Creative Director bei Travis CI, Botschafterin für Tacos Dorados und Veganerin. Sie lebt mit Freund und Hund in den USA.

Blog von Justine @ctrlaltjustine

Letzte Nacht habe ich darüber getwittert, wie ich meine psychischen Erkrankungen bewältige, indem ich mein Leben mit Hilfe von Apps und Aufgabenplanung organisiere. Dieser Text ist eine Art Anleitung wie ich das mache. In der Hoffnung, dass die ein oder andere meiner Methoden auch für andere hilfreich sein können.

Einige meiner psychischen Probleme rühren daher “hochfunktional” zu sein, gleichzeitig leide ich aber auch an Depression und Angststörungen. Für Menschen die mich nicht kennen, kann es schwer sein zu beurteilen ob es mir gerade schlecht geht, weil sich einige der typischen Symptome bei mir gar nicht zeigen. Ich bin außerdem Bulimikerin und befinde mich in der Genesung. Darum soll es aber in diesem Text auch gar nicht wirklich gehen, denn ich versuche alles um mein Essverhalten eben gerade nicht zu tracken. Trotzdem sollte erwähnt werden, dass ich von Natur eine Person bin die gerne alles unter Kontrolle hat. Die Bulimie spielte da eine Rolle und ich denke, dass auch die detaillierte Art mein Leben zu organisieren dazu gehört. Anders als meine Essstörung, hat das Durchplanen meines Alltags jedoch sehr viele Vor- und wenige Nachteile, weswegen ich dieses Verhalten für harmlos halte.

Ich bin von Natur aus ein “Overachiever” und wurschtele mich durch schwere Phasen, indem ich meinen Kummer hinter Humor verstecke, Anderen helfe oder eben einfach… versuche die Dinge irgendwie hinzubekommen. Mir war nicht klar, dass ich so funktioniere, bis ich letztes Jahr während einer schwierigen Phase versucht habe Hilfe von einer Psychiaterin zu bekommen. Über einen Monat wartete ich auf ein Beratungsgespräch, nur um dann gesagt zu bekommen, ich hätte doch eigentlich alles gut im Griff und sie würde sich eher um depressive und angstgestörte Hausfrauen kümmern, nicht um Leute wie mich. Der Begriff, mit dem sie mich in der einstündigen Beratung beschrieb, war “hochfunktionale und erfolgreiche Geschäftsfrau”. Ihre Ablehnung machte mich wütend. Ich kam also im Alltag einfach zu gut klar, um ihre Hilfe zu verdienen?

Nur weil ich keine Symptome habe wie etwa morgens nicht aus dem Bett zu kommen oder weil ich im Umgang mit Anderen erst mal wirke, als bekäme ich das gut hin, heißt das nicht, dass ich nicht mit meinen psychischen Erkrankungen kämpfe.

Mittlerweile hasse ich den Begriff “hochfunktional”. Er unterstellt, dass es dir – obwohl es ein Problem gibt – ja gut gehen muss, solange du eben noch deine Alltagsaufgaben erledigt bekommst. Er verharmlost die damit zusammenhängenden Probleme und anderen Symptome, die ich habe. Organisiert zu sein und den Überblick zu behalten, ist für mich eine Bewältigungsstrategie. Indem ich mich selbst besser kennengelernt und besser verstanden habe, was gut für mich funktioniert, habe ich im Laufe der Jahre ein System entwickelt, das für mich (im Großen und Ganzen) funktioniert.

Die Grundlagen: Tägliche Aufgaben und Gewohnheiten

Wie vielen anderen Menschen mit Depressionen fällt es mir oft sehr schwer, Routinen aufrecht zu erhalten die für andere einfach Teil ihres normalen Alltags sind. Dass ich von zuhause arbeite, erschwert dieses Problem noch. Es ist enorm schwer für mich, mich daran zu erinnern oder dazu zu bringen, dass ich Dinge tun muss wie Zähne putzen, duschen oder frische Klamotten anzuziehen.

Mein Kopf springt immer schnell von einer zur nächsten Sache. Mich auf etwas banales zu konzentrieren wie daran zu denken mal zu duschen, steht bei mir einfach nicht oben auf der mentalen Liste – noch nicht mal am Wochenende. Warum sollte ich Zeit damit verschwenden, das Make Up von gestern abzuwaschen, wenn ich in der gleichen Zeit dieses Nebenprojekt planen könnte, von dem ich schon lange träume, aber für dass ich bisher keine Zeit hatte? Natürlich gibt es eine ganze Liste von guten Gründen, angefangen damit, dass Hygiene wichtig ist, um deinen Körper gesund zu halten, bis hin zu “Vier Tage ohne Duschen machen dich nur noch depressiver”. Ich brauche schließlich nicht noch mehr Gründe, um mich selbst schlimm zu finden und sauber sein fühlt sich ja auch einfach gut an!

Um solche Alltagsaktivitäten zu organisieren, benutze ich die iOS-App “Streaks” [Anm.: Streak im Sinne von “Strähne”, “Serie”]. Mit “Streaks” kann man für bis zu 12 Aufgaben einen Zeitplan oder Rhythmus festlegen. Seit der Installation habe ich “Streaks” schon für ganz unterschiedliche Aufgaben genutzt: von persönlichen Zielen wie am Tag ein Kapitel zu lesen, bis hin zu Haushaltsdingen à la wie oft ich die Häufchen meines Hundes im Garten wegmache (sehr aufregend, ich weiß!). “Streaks” wesentliche Motivationsmethode ist es, User_innen zu ermutigen, die Serie an erfüllten Aufgaben [den Streak] nicht zu unterbrechen.

Ich habe festgestellt, dass ich mit Apps die Gamification-Elemente haben (vor allem mit Streaks) sehr gut umgehen kann. “Streaks” ist dabei auch nicht die einzige App dieser Art die ich benutze. Ich nutze “Duolingo” zum Spanisch Lernen mit Unterbrechungen seit 4 Jahren (aktueller Streak 334 Tage) sowie “Timehop” (mein aktueller Streak liegt bei Tag 378). Über die negativen Seiten von “Timehop” könnte ich allein einen kompletten Text schreiben, aber dort halte ich den bislang längsten Streak durch.

Es hilft mir, dass ich positiv auf Streak-basierte Apps reagiere, da es laut Studien gut 21 Tage dauert, bis etwas zur Gewohnheit geworden ist. Ich denke gar nicht mehr darüber nach, dass ich Spanisch auf Duolingo lernen muss oder auf Timehop checke, was ich vor 4 Jahren gemacht habe. Ich mache es einfach. Es ist eine Gewohnheit.

Aber wie mit allen Gewohnheiten und Zielen ist es wichtig, realistisch und in einem überschaubaren Rahmen zu bleiben. Ich habe über die Jahre gelernt, dass zu viele Ziele an einem Tag bedeuten, dass sie nicht zu schaffen sind. Dinge rutschen durch und das ist dann entmutigend. Daher habe ich die Dinge, die ich mit “Streaks” tracke, auf das Wesentliche reduziert. Momentan nutze ich die App, um mich daran zu erinnern: mein Gesicht zu waschen (täglich), meine Zähne zu putzen (täglich), zu duschen (mehrmals die Woche), meine Pflanzen einzusprühen (jeden MO, DI, DO, FR und SA) und zu gießen (jeden MI und SO).

Screenshot der App "Streaks"

Eine Weile lang hatte ich eine schlechte Phase (wie ihr im Bild oben sehen könnt), in der ich die App einfach komplett ignoriert habe, nachdem ich ein paar Tage aus dem Rhythmus gekommen war – aber ich bin wieder dran, versuche etwas positiver eingestellt zu sein, gönne mir ein paar Ausrutscher und fange klein an und hoffe so wieder an einen Punkt zu gelangen, an dem ich weitere tägliche Ziele hinzufügen kann, wie zum Beispiel Sport zu treiben.

Das Wichtige: Tägliche Medikamente

Sich daran zu erinnern, jeden Tag zur gleichen Zeit Medikamente einzunehmen, ist etwas, was jede_r anders organisiert. Für Menschen wie mich, die die Pille zur Regulierung ihrer Periode nehmen, ist es für deren Wirkung wichtig, diese immer zur gleichen Zeit zu nehmen. Manche benutzen Apps wie “Clue”, manche stellen sich einfach einen Wecker. Es gibt unglaublich lustige Benachrichtigungen die sich Leute einstellen, um sich daran zu erinnern die Pille zu nehmen.

Ich gehöre auch zur Alarm-Gruppe und nutze dafür einfach die bei iOS vorinstallierte “Reminders”-App. Ich nutze die App statt einfach einen Wecker einzustellen, weil ich die Pille in unterschiedlichen Zeitzonen nehmen muss, je nachdem wo ich gerade bin. 19 Uhr in den USA ist ja nicht 19 Uhr in Europa. “Reminders” passt sich an die Zeitzone an in der man gerade ist und ich muss nichts selbst ausrechnen!

Screenshot der App "Reminders"

Früher habe ich diese App noch für mehr Dinge benutzt, als nur um an die Pille zu denken. Als ich in Deutschland lebte hat mich die App daran erinnert, mich mehrmals am Tag per Textnachricht bei meinen Eltern zu melden. Letztes Jahr habe ich damit rumexperimentiert meinen Zeitplan für die Arbeit zu Hause mehr an einen Tag im Büro anzupassen. Ich hatte Erinnerungsbenachrichtigungen eingestellt für “08:15 – für den Tag fertig machen”, “09:00 – Arbeit anfangen” und “17:00 – Feierabend”. Am Ende konnte ich das leider nicht aufrecht erhalten, aber für den Zeitraum als ich mich sehr strikt daran gehalten habe, hat es gut funktioniert.

Die Mega-Liste: eine Liste für Alles
und Alles auf seine Liste

Listen sind etwas, das Menschen entweder lieben oder hassen. Ich bin eine Listen-Liebhaberin, und ich würde sogar so weit gehen zu sagen, eine EvangeListin (ich werde mich für diesen Witz nicht entschuldigen!). Davon abgesehen, es gibt für Listen den richtigen Zeitpunkt und Einsatzort und während ich einige der bisher erwähnten Dinge mit Listen organisieren könnte, gibt es Gründe warum ich dies nicht tue. Ich finde Listen vor allem für zwei wesentliche Dinge hilfreich: wiederkehrende Haushalts- und finanzielle Pflichten mit Stichtagen und um Sachen aufzuschreiben, an die ich mich in der Zukunft erinnern will.

Wir sind in unserem Leben alle ziemlich ausgelastet. Sich zu organisieren und an Dinge zu erinnern ist etwas, was ich meistens nicht ohne ein bisschen Listenhilfe hinkriege. Meine Listen gehen allerdings etwas über den nächsten Einkauf hinaus – ich mache Listen für so ziemlich alles.

Listen auf Papier habe ich schon immer genutzt. Dass ich begann elektronische Listen auszuprobieren, fing damit an als ich mit meinem Partner zusammengezogen bin. Wir haben gleich zu Beginn einen Weg entwickelt, wie wir mit gemeinsamen Ausgaben umgehen. Dazu haben wir ein gemeinsames Konto eröffnet und haben uns auf regelmäßige Einzahlungen geeinigt, die unserem jeweiligen Einkommen angemessen sind. Darauf basierend gibt es eine Liste mit wiederkehrenden Erinnerungen für Dinge wie “Miete zahlen”, “$xxx in gemeinsames Konto einzahlen” und “Telefonrechnung bezahlen”. Jede Aufgabe wird einer_einem von uns zugewiesen, so dass es keine Missverständnisse gibt, wer für was verantwortlich und wann es fällig ist. Für die unter euch die mit Partner_in in einem gemeinsamen Haushalt leben: Ich kann euch auf jeden Fall ein gemeinsames Bankkonto empfehlen sowie zusammen einen Plan fürs Budget und feste Beiträge auszuarbeiten. Die Tage des “Du schuldest mir noch $20 für die Stromrechnung” sind damit vorbei, Leute!

Wir erstellen diesen Plan mit Hilfe einer App namens “Todoist”. Über viele Jahre haben wir zuerst “Wunderlist” benutzt, sind dann aber zu “Todoist” gewechselt da “Wunderlist” sein Produkt kaum noch weiterentwickelt und keine “Archiv”-Funktion hat. “Todoist” hat außerdem die schlaueren Fälligkeitsdaten (z.B. “erster Sonntag des Monats”).

Da ich daheim arbeite und das Haus nicht regelmäßig verlasse, muss mein Zuhause diverse Zwecke erfüllen und wird auch viel genutzt. Als ich anfing, von zuhause aus zu arbeiten, dachte ich ich könnte jederzeit alles erledigen. Treppe fegen? Mach ich jetzt gleich! Im Bad müsste mal durchgewischt werden? Mach ich jetzt gleich! Irgendwann habe ich realisiert, dass ich so meine Arbeitszeit aufbrauche und damit erst später am Tag oder gar am Wochenende meine Lohnarbeit erledige – zwei Dinge die ich zu vermeiden suche, um einem Burnout vorzubeugen. Mir wurde klar, dass ich einen Zeitplan brauche. Auch um zu verhindern, dass ich den Großteil der Hausarbeit allein erledige. Mein Partner ist ein ziemlich ordentlicher Mensch, aber ich erledige Haushaltspflichten meist als allererstes, einfach weil sie mich mehr stören. Ich wollte mir dabei außerdem selbst Grenzen setzen. Ein ganzes Haus zu schmeißen, ist schon für uns beide schwierig, aber das dann auch noch alleine und zusätzlich zu meiner Lohnarbeit zu versuchen, kann nur in Überforderung enden.

Um den Haushalt zu organisieren haben wir – ihr habt richtig geraten, eine Liste! Auf dieser geteilten Liste ist jede Aufgabe einer_einem von uns zugewiesen und je nach Notwendigkeit und Häufigkeit festgelegt. Die meisten sind am Sonntag fällig, was uns eine strenge Deadline vorm Beginn der Arbeitswoche gibt und verhindert, dass wir den Haushalt zu Zeiten machen, in denen wir eigentlich arbeiten sollten. Die meisten unserer Haushaltspflichten sind wiederkehrende Dinge wie “Spüle säubern” oder “Boden wischen”. Andere wie etwa “Spülschwamm wechseln” müssen nur einmal im Monat erledigt werden (hier ist z.B. “Todoist” besser als “Wunderlist” – weil ich nicht an einem Arbeitstag daran erinnert werden möchte, setzte ich all das einfach auf den 1. Sonntag im Monat).

Die Haushalts-Liste verändert sich mit der Zeit. Manches wandert in eine andere App (wie z.B. Pflanzen gießen) und neue Sachen kommen je nach Notwendigkeit hinzu. Persönliche Aufgaben haben ihre eigene Liste, etwa “Studienkredit abbezahlen” oder “Roscoe seine Herzwurm-Pille geben” [Anm.: Roscoe ist der Hund der Autorin].

Das Listenmachen hört dabei aber nicht auf – jedenfalls nicht für mich. Ich habe Probleme, mich an wichtige Dinge zu erinnern, von weniger wichtigen ganz zu schweigen.

Es hilft mir mit meinen Angstzuständen klarzukommen, wenn ich Sachen aufschreiben kann und nicht das Gefühl haben muss, ich hätte irgendetwas vergessen. Selbst wenn ich es niemals brauchen werde, dann habe ich es wenigstens irgendwo festgehalten.

Ich habe zum Beispiel eine Liste namens “Couch Life”, auf der ich alle Fernsehshows, Miniserien oder Filme festhalte, bei denen ich dachte “Oh! Das muss ich mal angucken!”. Ich habe auch eine Liste mit Karaoke-Songs, die ich gerne mal singen würde, weil mir in Karaokebars trotz des gigantischen Liederbuchs vor mir nie einfällt, was ich außer “Love Shack” singen könnte (das kann ich im übrigen sehr gut und habe auch keine Scheu das zuzugeben). Es scheint albern, diese Dinge aufzuschreiben, aber es hilft wirklich.

Das große Ganze: Skalierte Zeitplanung

Kalender sind eine gängige Methode zur Lebensorganisation, also werde ich ihnen nicht viel Zeit widmen. Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, wisst ihr inzwischen, dass ich so ziemlich alles auf eine To-Do-Liste setze. Es wird euch also auch nicht überraschen, dass ich meine Kalender gewissenhaft pflege.

Persönliche und Arbeitskalender haben die meisten von uns. Wie viele Kalender-orientierte Menschen trage auch ich dort alles ein, vom Planungstreffen bis zum Frisörtermin (gerne auch mit den passenden Emojis). Ich verwalte verschiedene, zum Teil abonnierte Kalender in meiner Apple-Calendar-App. Das Schöne daran ist, dass ich dadurch einen Blick für das große Ganze bekomme und merke, wo ich mir zu viel aufgeladen habe (da ich den Tag über noch mehr Sachen als nur Lohnarbeit unterbringen muss). Aber ich kann mich auch auf das Wesentliche konzentrieren, indem ich sie einfach abschalte oder bestimmte Kalender “verstecke”.

Hätte ich immer alle Kalender aktiviert, würde ich vermutlich einfach aufgeben – denn so sieht es zum Beispiel für September aus.

Screenshot der Calendar App in iOS in der fast alle Tage mit Terminen voll sind

Daher aktiviere ich normalerweise einfach bestimmte Kalender nur, wenn ich etwas checken muss und habe somit eine etwas sinnvollere Ansicht.

Screenshot der Calendar App in iOS mit weniger Terminen

Was wirklich sehr nützlich ist, ist der geteilte Kalender mit meinem Partner. Er ist Programmierer und arbeitet wie ich von zu Hause und muss auch genauso viel reisen wie ich. Wir benutzen “TripIt” um uns gegenseitig über Reisepläne zu informieren, darin sind allerdings keine unbestätigten Reise oder Veranstaltungen vor Ort enthalten. Um sicherzugehen, dass sich Pläne nicht überschneiden und um einen Überblick zu behalten, wann z.B. Freund_innen zu Besuch kommen, haben wir den geteilten Kalender. Der ist für uns so unerlässlich wie unser Haushaltsbudget und ist – anders als der Kalender den man sonst vielleicht am Kühlschrank hängen hat – auch auf allen Geräten verfügbar. Was wir dabei allerdings feststellen mussten ist, dass uns trotzdem immer noch ein bisschen der Gesamtüberblick fehlt. Man ist auf die Monatsübersicht beschränkt und das ganze Jahr wird nicht so gut dargestellt. Für die Jahresplanung fehlt uns da noch eine gute Lösung.

Der Kampf: Real Talk zu Zeitplänen,
Aufgaben und Gewohnheiten

Im Großen und Ganzen habe ich ein aufgeräumtes Zuhause und organisiertes Leben, was vielleicht nicht besonders aufregend klingt, aber mir auf jeden Fall hilft, um eine Menge Stress und Ängste zu reduzieren, die sonst meine Depressionen und Essstörungen triggern würden. Ich habe sehr viel Zeit investiert, um den besten Umgang mit diesen Dingen für mich herauszufinden – es ist nicht perfekt, aber es funktioniert einigermaßen.

Ich sage “funktioniert einigermaßen”, weil die Wirklichkeit so aussieht, dass ich natürlich immer noch psychische Erkrankungen habe und damit gute wie schlechte Tage. Ich habe verdammt noch mal gute und schlechte Monate! Nur weil der Plan perfekt aufgesetzt ist, heißt das noch lange nicht, dass die Dinge auch alle erledigt werden. Es gibt Wochenenden an denen ich zu erschöpft für Haushaltspflichten bin oder Streaks, die ich unterbreche, weil mir die Dinge an dem Tag einfach nicht wichtig oder machbar erscheinen. Was ich aus Momenten in denen nichts klappt mitgenommen habe: entweder es gibt einen Fehler im System, oder ich muss einfach nachsichtig mit mir sein und mir zugestehen, dass nicht immer alles erledigt werden kann. Ich versuche dann zu akzeptieren, dass Sachen nicht geschafft wurden, schaue nach vorne und versuche es einfach weiter. Tritt das Problem immer wieder auf, ist das meist ein Zeichen, dass das System an dieser Stelle aus dem ein oder anderen Grund nicht funktioniert.

Realistische Ziele zu setzen fällt mir immer noch sehr schwer, und der einzige Weg das abschätzen zu lernen, ist es auszuprobieren. Sich anzugucken, wo Fehler passiert sind, gibt Aufschluss darüber was schief lief und warum. War das Ganze von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil du dir zu viel vorgenommen hattest? Bist du bei deinen angepeilten Zielen geblieben oder wurdest abgelenkt und hast deine Energie in etwas anderes gesteckt? Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass dieser Text das ist was ich heute tun sollte. Er stand nicht auf der Liste für den heutigen Tag – und trotzdem sind wir jetzt an diesem Punkt. Das ist normal. Das passiert.

Was gestern wichtig erschien, ist es heute vielleicht schon nicht mehr. Plane für so etwas Zeit ein und sei darauf vorbereitet, dass sich Dinge ändern können.

Man muss sich selbst ziemlich gut kennenlernen, um ein Organisationsschema zu entwickeln das funktioniert. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich eine Morgen-Person bin. Mein höchstes Energie- und Kreativitätslevel – und noch wichtiger, die Zeit in der ich Dinge auch durchziehe – habe ich vor 14 Uhr. Trotz aller Pläne habe ich aber noch keinen Weg gefunden, dies in meinem Arbeitsleben umzusetzen. Ich sammle immer noch die besten Methoden, um meinen Alltag unter Berücksichtigung meiner Energie- und Produktivitätslevel zu organisieren. Wahrscheinlich werde ich versuchen, alle wichtigen und dringenden Aufgaben auf den Morgen zu legen und passive To Dos eher auf den Nachmittag.

Manche Leute fragen sich vielleicht, warum ich mein Leben mit Hilfe so vieler Apps organisiere. Die Antwort ist recht einfach. Über die Jahre habe ich festgestellt, dass es zwei Arten von Aufgaben in meinem Leben gibt: solche, die ich versuche zu Gewohnheiten zu machen und solche die einfach nur erfasst und erledigt werden müssen.

Ich habe hier Wege beschrieben, die für mich funktionieren. Ich würde mich sehr freuen zu hören, wie ihr das so macht!

Meine Erkenntnisse hier aufzuschreiben erinnert mich an einen Spruch den wir auf der Arbeit zueinander sagen, eigentlich eine “The Office (US)”-Referenz: “Somehow I manage.” [Anm.: Wortspiel nur schwer ins Deutsche zu übertragen, grob übersetzt „Irgendwie kriege ich’s schon geregelt.“]. Dieser Text ist eine umfassende Beschreibung, wie ich fast alles in meinem Leben organisiere.

Was aussieht wie Micromanagement verschafft mir in Wahrheit einen klaren Kopf, so dass ich mich auf Dinge konzentrieren kann, die mir persönlich wichtig sind, anstatt mich dauernd fragen zu müssen, wann ich das letzte Mal geduscht habe oder wann diese eine Rechnung bezahlt werden muss.

  • FF

    Ja, leider ist das Ziel von psychologischer und psychiatrischer Behandlung hier, dass ein Mensch funktioniert. Wenn du das tust, ist alles prima. Und andersherum, wenn es dir am besten geht, wenn du nach gesellschaftlichen Maßstäben nicht funktionierst, hast du ein Problem (auch wenn du das nicht so empfindest).
    Ich komme mit Listen gar nicht klar, weil es mich unglaublich stresst, immer wieder daran erinnert zu werden, was ich alles schaffen müsste/nicht geschafft habe. Mir hat es so gut getan, mich nicht mehr zum funktionieren zu zwingen. Und mir zum Beispiel zu verbieten aufzuräumen, wenn ich keine Lust dazu habe. Das hat mir sehr gut getan und auch viel Energie freigesetzt für Dinge, die mir wichtig waren, für die ich aber wegen Alltagsstress keine neue hatte. (Und man hat manchmal dann tatsächlich Lust auf die doofen Dinge und das macht dann irgendwie ganz gute Laune…)

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  • Blanka Hohn

    Vielen,lieben Dank für diesen tollen Artikel, den ich gerade beim langsam wachwerden,kaffeetrinken und auf mein handy oder in die luft gucken gelesen habe. Zeit für solche „unproduktiven“ momente muss ich mir auch nehmen z.b. zum aufeachen und an den tag gewöhnen oder runterkommen und schlafen können. Ich habe auch erfahrungen mit psychischen problemen und bin eine listenliebhaberin! Allerdings meist in papierform oder im kalender, gern liebevoll gestaltet aber nich so dass es immer so sein muss sonst stresst es mich ja wieder wenn ich einen unkreativen tag hab und alles hässlich finde…ihr versteht vllt. Großen respekt dir auf jeden fall dein leben und zuhause arbeiten so gut organisiert zu bekommen. Eigene strukturen aufzubauen und zu halten finde ich oft sehr herausfordernd und bewundernswert. Ich bin z.b. grad sehr froh einen job auf halber stelle gefunden zu haben, den ich sehr gerne mache und der mich auch inspiriert. Zwar stresst der mich auch oft aber die so vorstrukturierte zeit hilft mir auch oft in der restlichen zeit kreativ zu sein und an meinen projekten zu arbeiten. Das ist einfach zur zeit so und ich habe es akzeptiert. In zeiten in denen ich hanz selbstorganisiert war hab ich mich z.t. so sehr unter druck gesetzt endlich „das zu machen was ich will“ usw…,dass ich zeitweise zu gehemmt war um mein zimmer zu verlassen…times are changing…bevor dieser kommentar jetzt länger wird als der artikrl hier nur noch eine kurze anmerkung zum funktionieren. Ich habe sehr mit dir gefühlt bei der beschreibung deines psychiater*innen termins. Ich kenne die angst zu gut zu funktionieren und ja keine „wirklichen probleme“ zu haben. Und sowas von einer psychiater*in gesagt zu bekommen finde ich fahrlässig! In meiner erfahrung sind es oft die momente in denen ich nach außen oder für andere „funktioniere“ in denen es mir so schlecht geht…von außen oder über das was eune person macht oder nicht macht kann mensch also nicht immer auf das innenleben schließen…daher mein fazit ernst gemeinte nachfragen wie es mensch geht zuhören und über die momente sprechen die am meisten weh tun funktionierend ebenso wie nicht funktionierend!danke für deinen beitrag dazu<3