#kleinerwinter – Unser Jahr 2017 in einem Song

Foto , by Ray Hennessy

2017 geht zu Ende und damit auch ein weiteres Jahr kleinerdrei. Unseren #kleinerwinter starten wir allerdings nicht, ohne euch an einem ganz besonderen musikalischen Jahresrückblick teilhaben zu lassen. „Einmal eine Tüte gemischte Gefühle bitte!“ Wir verabschieden uns in unsere Winterpause mit jeweils einem Song, der für uns das vergangene Jahr repräsentiert: ein Song, der uns diente, um 2017 gar zu entfliehen, der einen zaghaften Blick in die Zukunft wagt oder einen seufzenden Blick zurück oder einfach all of the above.

Wenn ihr möchtet, teilt sehr gerne euer Lied mit uns, das für euch dieses Jahr auf den musikalischen Punkt bringt. Überhaupt wollen wir an dieser Stelle noch mal festhalten, wie dankbar wir für jede_n einzelne_n von euch sind (<3) und freuen uns sehr darauf, wenn ihr uns auch 2018 weiter lest, zuhört und schreibt! Unser Posteingang bleibt selbstverständlich auch in der Zwischenzeit geöffnet und solltet ihr Feedback und Anregungen haben oder Gastbeiträge einreichen wollen, dann meldet euch wie immer gerne bei uns.

Habt eine gute Zeit – egal wie diese aussehen mag, wir wünschen sie euch von Herzen. Und sollte sie euch nicht möglich sein, dann hilft euch vielleicht auch der ein oder andere Song aus der folgenden Liste…

See you on the other side <3
Alles Liebe,
Eure kleinerdreis

Anne

Mein Song für dieses Jahr ist kein neuer, sondern ein wiederentdeckter und zugleich doch so viel mehr.

Er steht für ein Jahr, in dem grundlegende Menschenrechte weiter zu irgendwelchen übertriebenen Modetrends umgedeutet werden sollen, um sie noch stärker auszuhöhlen und die Kämpfe dahinter unsichtbar machen zu können. Er steht für die traurige Erkenntnis, das die Räume, in denen wir uns nicht verteidigen müssen, immer weniger und kleiner werden. Aber auch dafür, dass wir die Räume, die wir haben und in denen wir einfach sein dürfen, umso lust- und liebevoller schützen und zelebrieren sollten. Er steht für den Backlash-Blues und -Schmerz sowie die -Müdigkeit. Aber auch für das Durchatmen, Tränen wegwischen, den Mut und schließlich das Weitermachen angesichts aller Umstände – und trotz ihrer.

Wiederentdeckt habe ich ihn an einem Abend im April in New York, der – es lässt sich nicht weniger pathetisch sagen, #sorrynotsorry – zu purer Magie wurde und an dem mich eine Handvoll Drag-Künstler_innen rettete. Allen voran die unglaubliche Sasha Velour (von der ich damals keine Ahnung hatte, dass sie sogar das aktuelle „Drag Race“ gewinnen würde), die nicht nur das eh schon geliebte „Love Song For A Vampire“ wieder aus-, sondern sich damit für immer in mein Herz grub.

Annie Lennox – Love Song For A Vampire
(performed by Sasha Velour)

Hinweis: Die Videoaufnahme enthält Stroboskoplicht.


Jule

Es gibt zwei Arten von Menschen: Die, die sich ständig im Kampf um Inbox Zero befinden. Und die, die ihre Mails eher nach dem Haufenprinzip ablegen.

Ich gehöre zu letzterer Sorte. Die Sedimente von alten Nachrichten in meinem Postfach haben den Vorteil, dass ich mir beliebig ins Gedächtnis rufen kann, wie ich noch vor zwei, drei oder vier Jahren zu einem Thema stand. Dieses Jahr habe ich in meinem Mailarchiv gewühlt, was ich so zur Bundestagswahl 2012 zu sagen hatte, zu Freund_innen und Familie. Verglichen mit dem Ergebnis in diesem Jahr kommt mir meine Mail von damals vor wie aus einem anderen Leben. Wie wenig Sorgen wir hatten.

Wie ahnungslos ich war, dass ich 2017 dankbar sein würde für jeden Prozentpunkt weniger für Rechtsradikale. 2017 war für mich das Jahr, in dem die Erinnerung an das Leben vor dem Brexit, vor der Trump-Wahl und vor dem AfD-Erstarken immer blasser wird. Grau ist the new black. Ich erwarte politisch nur noch das Schlimmste, um zumindest manchmal positiv überrascht zu werden. Wie passt das jetzt zu „Liability“ von Lorde? Sie singt davon, wie es ist, nach einem großen Verlust nur sich selbst zum Trost zu haben. Diese Idee klingt am Jahresende 2017 in mir nach.

Lorde – Liability


Kati

I was good on my own, that’s the way it was.

Spotify behauptet, dass „Needed Me“ von Rihanna der Song ist, den ich dieses Jahr am öftesten gehört habe, und ich halte das für sehr gut möglich. Anfang des Jahres habe ich irgendwie beschlossen, dass ich eine andere Persönlichkeit haben möchte. Kälter, distanzierter, das personifizierte Shrug-Emoji halt. Meine Persönlichkeit passt halt nicht; ich wollte sie bitte gerne umtauschen. Geht das auch ohne Kassenzettel? Es ging nicht, aber ich konnte zumindest ein bisschen daran rumschrauben, also holte ich mir musikalische Unterstützung von der Most Unbothered Person Alive: Rihanna.

Ihr letztes Album, Anti, lief monatelang rauf und runter, während ich mich in einem neuen Lebensabschnitt und einem neuen Umfeld zurechtfand. „Needed Me“ half mir dabei, mit Dingen™ abzuschließen, indem es erst einmal einen ganzen Schwung Gefühle auslöste, bevor ich ein mir bisher unbekanntes Level an Unbotheredness erreichte. „Didn’t they tell you that I was a savage?“

Rihanna – Needed Me


Lucie

Etwas – zum Beispiel ein Jahr – mit einem Song zu beschreiben fällt mir immer sehr schwer, denn ich halte meinen Musikgeschmack für eher merkwürdig (ich meine das durchaus positiv!) und nicht sehr ausgefeilt. 2017 hatte für mich persönlich ein paar tolle Erfolgserlebnisse und gute Entwicklungen parat, während ich gleichzeitig permanent dagegen ankämpfen musste, mich nicht vom globalen Gesamtzustand an den Rand des Explodierens/Verzweifelns treiben zu lassen.

In diesen Momenten brauche ich Musik die mich vorantreibt und mit der ich mich leicht fühle, die macht, dass ich mich aufrappele und weiterhin versuche, es besser zu machen (alles). Musik, die mich zum tanzen bringt (selbst wenn es nur im Kopf ist). Das darf dann auch gerne das musikalische Äquivalent eines Hollywood-Blockbusters sein.

Imagine Dragons – Thunder


Levi

Dieses Jahr war für mich eines von Umbrüchen: eine alte Beziehung zerbrach, eine neue begann. Ein Umzug, vielleicht ein Fortzug. Das Hinterfragen, ob man dort, wo man ist, eigentlich hingehört. Oder ob es Zeit ist, woanders hinzugehen, um Neues zu wagen. Dann zerbrach die Gesundheit plötzlich und soll im neuen Jahr wieder zu sich finden. Wir können Umbrüche meist nicht kontrollieren. Aber den Blick darauf.

 

Sandy Denny – Who Knows Where The Time Goes


Dr. Vulva

Das passende Gefühl zum Lied ist Wut. Es gab so viel zum wütend sein in diesem Jahr. Wenn man mit Depression zu kämpfen hat, ist Wut aber manchmal auch ein Fortschritt.

Ich will nicht verzweifeln, sondern schreien und streiten. Und mit lieben Menschen eine laute Party feiern. Das ist in solchen Zeiten dringend nötig.

 

A giant dog – I’ll come crashing


Andrea

Mit Teil 8 der Serie über meine demenzkranke Mutter begann mein <3-Jahr. Sehr aktuell, während die Mutter meiner Frau an Krebs stirbt. Mein Sohn sagt, wir sollen heiraten – er will feiern. Die Kinder wachsen, ich bin jetzt Chefin, und Spiele mache ich auch noch. Fix you von Young@Heart beschreibt das Jahr perfekt.

 

Young@Heart – Fix You


Amina

Diese Welt ist voller Hass und dieses Jahr hatten wir mit einem Tiefschlag nach dem nächsten zu kämpfen. Sei es der Beginn des Jahres gewesen mit der Inauguration von Trump und den darauffolgenden „Muslim bans“ oder die Bundestagswahl in Deutschland. Aber dieser Song hat mir immer wieder Mut gemacht, selbst wenn er speziell amerikanische Eigenheiten aufgreift, sind die Textzeilen stark und er hat mich in der aktuellen politischen Situation bestärkt, weiterzumachen.

In diesem Sinne: Immigrants, We Get The Job Done!“

 

The Hamilton Mixtape – Immigrants (We Get The Job Done)


  • Rob Patsche

    Fix you.wunderschön.danke❤️