Polyamorie und Outing – Wieso ist das wichtig?

CC 4.0 , by Polyplom

Dies ist ein Beitrag aus unserer Rubrik kleinergast, in der wir alle Gastartikel veröffentlichen. Dieses Mal kommt er von Inna.

Inna ist fast 26 Jahre alt und wohnt derzeit in Berlin. Theoretisch ist sie Studentin und versucht sich als Philosophin, scheitert mal mehr, mal weniger an hochschul-akademischem-Gelaber und zieht sich ungern 10-minütige Monologe ihrer Kommiliton*innen rein. Sie liebt Trailer, Würstchen, Quallen und ihren queer-feministischen Lesekreis. Mit viel Leidenschaft gibt sie Workshops zum Thema Eifersucht und erkundet in der restlichen Zeit ihr Jüdischsein und bloggt über Polyamorie aufhttps://polyplom.wordpress.com

Vor knapp 13 Jahren, als ich angefangen hatte, meine eigene Sexualität und somit einen Teil meiner Identität zu erforschen, outete ich mich zum ersten Mal in meinem Leben vor Freundinnen als Queer (besser gesagt damals noch als lesbisch). Sich vor Menschen zu outen, die einen schon lange kennen und davon ausgehen, dass du eine unausgesprochene Heterosexualität lebst, kann unter Umständen schwierig sein. Damals waren einige irritiert, andere schienen desinteressiert und wiederum andere wollten mich eine Zeit lang nicht mehr umarmen – es kursierte die Angst, dass ich mich plötzlich in alle weiblich gesehen Menschen auf dem Planeten verlieben könnte.

Nach dem ersten Outing wurde es von Mal zu Mal einfacher und durch die zunehmende Sichtbarkeit in der Gesellschaft, stellt ein offen queeres Leben zumindest aus rechtlicher Perspektive in Deutschland mittlerweile weniger ein Hindernis da, obgleich es immer noch sehr viel Homofeindlichkeit und Abwertung von Queers in der Gesellschaft gibt. Mir hat niemand jemals die Frage gestellt „Bist du sicher, dass du lesbisch sein willst?“ und selbst wenn diese Menschen Queer-sein sogar fälschlicherweise noch als „Krankheit“ sahen, erkannten sie zumindest an, dass Sexualität keine Frage der Wahl ist. So fühlten die meisten Menschen, denen ich begegnete, ihre eigene Sexualität durch ein Coming Out von Freund*innen oder Bekannten nicht in Frage gestellt.

Bei Beziehungsformen erfuhr ich das anders. Als polyamore Person, die zwei Beziehungen gleichzeitig führt, musste ich die Erfahrung machen, dass mir mein Outing häufiger in Frage gestellt wird als mir lieb ist.

Polyamorie setzt sich aus dem griechischen Wort polýs „viele, mehrere“ und dem lateinischen Wort amor „Liebe“ zusammen. Sexuelles Begehren spielt an dieser Stelle nicht unbedingt eine Rolle, es geht ausschließlich darum, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben. Das Konzept gibt es schon sehr lange, aber erst seit etwa 1960 vernetzen sich Menschen, tauschen sich über ihre Erfahrungen aus und unterstützen sich gegenseitig. Seit 1997 zum ersten Mal das Buch The Ethical Slut) rausgekommen ist, wird das Konzept Polyamorie immer bekannter – das Buch fällt vielen Menschen, die sich anfangen mit dem Thema auseinanderzusetzen, zuerst in die Hände.

Neuen Vorstellungen Platz machen

Durch mein Poly-Dasein fühlen sich viele Menschen in ihrer eigenen Art und Weise Beziehungen zu führen in Frage gestellt. Von Neugierde über Ablehnung und Unverständnis bis hin zu pathetischen Plädoyers auf monogame Beziehungen ist mir schon alles begegnet. In 13 Jahren Outing ist es keine Neuheit für mich, dass Menschen mit Ablehnung oder Neugierde reagieren. Davon abgesehen bin ich eine cis-frau mit jüdischer Migrationsgeschichte, es ist also auch keine Neuheit für mich, mit Antisemitismus und/oder Sexismus konfrontiert zu sein. Was neu dazu gekommen ist, ist die Rechtfertigung. Ich musste mich noch nie dafür rechtfertigen, in wen ich mich verliebe oder mit wem ich wie eine Beziehung führen möchte.

Seit kurzem schon.

Den meisten Menschen fällt es schwer, nachzuvollziehen, wie ich mehrere Menschen gleichzeitig lieben kann. Dabei gibt es in unserem Alltag bereits so viele lebhafte Beispiele dafür, wie das problemlos möglich ist. Am besten gefällt mir der Vergleich mit Kindern. Wenn ihr euch vorstellt ein Kind zu haben und später ein zweites oder drittes, liebt ihr letztere weniger, weil sie später auf die Welt gekommen sind? There you go Und wie steht es mit Freund*innen? Viele von uns kennen sicherlich das Gefühl, dass es mehrere Menschen in unserem Leben gibt, die uns wichtig sind und die wir gleichzeitig lieben. Wieso fällt es uns dann so schwer, andere Formen von Beziehungen als nicht-exklusiv zu verstehen?

Es hat lange gedauert, bis ich selbst von bestimmten Vorstellungen, wie Beziehungen sein müssen oder wie sich Menschen in Beziehungen zueinander verhalten müssen, losgelassen habe. Ich habe lange gebraucht, um mich selbst zu überzeugen, dass es vollkommen in Ordnung und nicht falsch ist, dass ich mich zu so vielen unterschiedlichen Menschen hingezogen fühlen kann, unabhängig davon, in welchen Beziehungen ich mich befinde. Lange habe ich mich dafür geschämt und das Problem in meiner damaligen Beziehung gesucht, bis meine Partnerin den ersten Schritt gewagt und mir von ihren Sehnsüchten nach anderen Menschen erzählt hat. Das hat mich ganz schön getroffen. Schließlich war ich diejenige, die versucht hat, all diese Gedanken und Bedürfnisse, mit der größten Hartnäckigkeit zu verdrängen und zu überwinden. Ich habe auch viel getrauert und trauere manchmal immer noch um Fantasien und Vorstellungen, die neuen Fantasien und Vorstellungen Platz machen musste. Ich musste mich von einigen Gedanken trennen, weil ich sie nicht mehr wollte.

Es ist schwer, 26 Jahre Sozialisation zu überwinden.

Während ich die meiste Zeit meines Lebens damit konfrontiert war, dass Eifersucht ein Zeichen von Zuneigung, Zuneigung zu Menschen außerhalb von einer romantischen Zweierbeziehung Betrug, und die Suche nach der einen Seelenverwandtschaft das größte Ziel im Leben ist, bin ich jetzt damit beschäftigt all diese Gedanken loszulassen und loszuwerden.  Mir hat es geholfen role models zu finden und von funktionierenden Polybeziehungen zu lesen und zu hören. Der Blog morethantwo.com war einer der ersten über die ich gestolpert bin und vieles davon hat mich nachhaltig beeinflusst. Das Buch “Love In Abundance: A Counselor’s Advice On Open Relationships” von Kathy Labriola kann ich auch nur sehr empfehlen und besonders die Seite lifeontheswingset.com. Ich bemühe mich zwar stets um die Suche nach deutschsprachigen Seiten, aber leider gibts es immer noch sehr viel mehr englischsprachiges Material.

“Das könnte ich ja nicht”

Ich denke, dass an geschlossenen Zweierbeziehungen nichts verkehrt ist. Mein Eindruck ist nur, dass wenn es um Begierde und Sehnsüchtige, im Bezug auf alle anderen Menschen außerhalb einer Zweierbeziehung geht, Ehrlichkeit nicht besonders geschätzt wird. Ehrlichkeit kann weh tun und sie kann besonders hart sein, wenn man weiß, dass die andere(n) Person(en) sich schwer damit tun werden, aber sie ist auch der Grundpfeiler jeglicher Beziehungen. Geschlossene Beziehungen können genau so gut sein, wie polyamore Beziehungen, es geht nicht um das Konzept. Vielmehr geht es um die Menschen, die das Konzept ausfüllen und die Beziehungen gestalten, die sie leben wollen. Jetzt möchte ich zwei Beziehungen, mit zwei wundervollen Menschen führen, aber ich kann nicht mit Gewissheit sagen, dass ich für den Rest meines Lebens genau das möchte. Mein Bedürfnisse stehen in einem ständigen Prozess der Veränderung und solange ich die Offenheit spüre, diese zu äußern, ist es mir vollkommen egal, um welche Form von Beziehung es sich handelt.  

Jedes Mal wenn ich mich als Poly oute, outete sich mit mir der Prozess der Veränderungen, den ich durchlaufe. Ich bin leider keine Expertin was geöffnete Beziehungen angeht, und doch werde ich häufig als Vertreterin eines ganzen Konzepts gesehen, dabei bin ich selbst noch dabei mich zu finden. Es gab wenig bis keine Vorbilder in meinem Umfeld, wenn es darum ging, funktionierende polyamore Beziehungen zu finden, die mir von ihren Erfahrungen berichten konnten. Sich selbst zu erfinden und alles neu zu definieren war deswegen der schwerste Teil. Wenn ich Menschen von meiner Konstellation erzähle, liegt der Fokus des Gesprächs meistens auf deren Neugierde und Befangenheit, meistens eingeleitet mit dem Satz „Das könnte ich ja nicht“.

Es ist fast ein bisschen so, als ob mir jemand einen Spiegel vorhalten würde und ich meinen eigenen Prozess der Veränderung, erneut von vorne bis hinten durchspielen würde. Ich rede gerne mit Menschen darüber, was es bedeutet, mehrere Beziehungen gleichzeitig zu führen und ich bin gerne da, um mit ihnen gemeinsam ihre Vorstellungen von Beziehungen unter die Lupe zu nehmen und kritisch zu hinterfragen, was davon sie wirklich gut finden. Gleichzeitig fühle ich mich unter Druck gesetzt, dass ich zum Vorzeigebild einer funktionierenden polyamoren Beziehung auserkoren werde. 

Viele Probleme und Konflikte sind die gleichen
wie in monogamen Beziehungen

Wenn ich also als Individuum in meinen Beziehungen „scheitere“, dann scheitert mit mir ein Stück weit die Vorbildfunktion und ein positiv besetztes Bild von Polyamorie. Das gesamte Konzept wird an eine einzige Beziehung geknüpft und wenn die Beziehung zu Ende geht, dann geht mit ihr auch die Polyamorie, weil es keinen anderen Grund geben kann, dass eine Beziehung zu Ende geht. Alle negativen Entwicklungen werden mit dem Beziehungskonzept in Verbindung gebracht und nicht mit den Individuen, die dahinter stehen. Das ist problematisch.

Klar, es kann Dinge geben, die in Polybeziehungen besonders ausgeprägt sind, wie etwa das ehrliche Kommunizieren von Bedürfnissen, weil Begierden offen gelegt sind, nicht verheimlicht werden müssen und nicht als Betrug oder Verrat abgestempelt werden. Aber viele Probleme und Konflikte sind genau die gleichen, die Menschen in monogamen Beziehungen durchleben. Da geht es genauso um Ehrlichkeit, Zeit füreinander haben, Eifersucht und unterschiedliche Bedürfnisse. Beispielsweise bin ich ein Mensch, der selten alleine schlafen möchte. Meine Beziehungspersonen hingegen brauchen häufiger Zeit für sich und Zeit alleine in ihrem Bett.

Ob Beziehungen zwischen Menschen halten oder nicht, hängt von den Menschen ab, die die Beziehungen ausfüllen, nicht von der Beziehungsform.

Gerade deswegen ist ein Outing als polyamore Person auch so wichtig: Menschen fühlen sich schnell von meiner Art und Weise Beziehungen zu führen angegriffen, weil sie häufig glauben, dass mein Outing eine Art Manifest oder Kritik an monogamen Beziehungen ist. Dabei ist es mir vollkommen egal, was Menschen für Beziehungen führen, solange sie zufrieden und ehrlich zu sich selbst sind. Durch das Gefühl sich angegriffen zu fühlen wird so ein Nachdenken angeregt, weil es offensichtlich ein Thema ist, dass Menschen auf irgendeine Art beschäftigt. Es kann dazu beitragen, dass eigene Bedürfnisse ehrlich und kritisch hinterfragt werden und offene Beziehungen kein Tabu Thema in Beziehungen mehr sind. Letztlich glaube ich, dass jedes Outing wichtig ist, weil es die unhinterfragte Norm von Zweierbeziehungen in Wanken bringt und so eine größere Sichtbarkeit für Liebes- und Beziehungsformen aller Form herstellt.

 

 

 

  • Madame Graphisme

    Oh ja, das große „das könnte ich ja nicht“ … das hört man so oft!
    Schlimmer finde ich aber, dass ein völliges Outing fast gar nicht möglich ist. Zur Weihnachtsfeier in der Firma den/die Partnerin mitbringen ist gewünscht aber … mehrere? Undenkbar.
    Im Familien- und Freundeskreis lief es bei uns wunderbar. Aber in „der Öffentlichkeit“ sehe ich keine Möglichkeit, das zu leben, ohne das komplette Umfeld völlig zu konsternieren. :(

  • Daniel Rehbein

    Ich fand das als Teenager schon total unlogisch, daß Menschen voneinander sexuelle Exklusivität einfordern. Alle anderen Freizeitaktivitäten darf man mit beliebig vielen und immer wieder unterschiedlichen Menschen unternehmen, aber ausgrechnet Sex nicht? Das konnte mir auch niemand erklären, warum das so sein sollte.

    Es war damals die politische Zeit in den 80ern (ich bin 1969 geboren, im Jahr 1988 habe ich mein Abitur gemacht): Der kalte Krieg, Nato-Doppelbeschluß, Persching-II-Stationierung, Ostermärsche. Mein Vater brachte regelmäßig die Zeitschriften Stern und Spiegel nach Hause. Da habe ich die Berichte gelesen über die Frauenbewegung, über die Probleme schwuler Lehrer, über die Akzeptanz von Sadomaso-Praktiken, über die Affaire um den Bundeswehrgeneral Günter Kießling, über Bisexuelle, die gleichzeitig mit einem Mann und einer Frau zusammenleben wollen. Aber um mich herum wurde überall nur Heterosexualität und Monogamie gelebt. Auch meine Klassenkameraden fanden sich plötzlich in Zweierbeziehungen zusammen, was ich nicht so recht verstanden habe.

    Das ist natürlich für das Sammeln erster Erfahrungen nicht gerade förderlich, wenn man ohnehin der unsportliche schüchterne Junge ist, der im Sportunterricht als letzter in die Mannschaften gewählt wird, und der lieber in seinem Mathematikbuch schökert, daß man überhaupt nicht logisch nachvollziehen kann, wie die anderen Menschen mit den Themen Sex und Beziehungen umgehen.

    Und nachher an der Uni, das war dann Anfang der 90er, war das auch ganz komisch: Die Frauen dort hielten sich überwiegend für frauenbewegt, hatten aber total erzkonservative Ansichten, was sexuelle Lust, sexuelle Praktiken, Beziehungen oder Kontaktanbahnung angeht. Das frauenbewegte dieser Kommilitoninnen bestand darin, ständig mit platten Sprüchen über die Spezies Mann zu schimpfen. Aber zum Glück kam ich mit der Lesben- und Schwulengruppe in Kontakt und erlebte dort, daß es auch ganz anders laufen kann: Daß Menschen offene Beziehungen haben, parallele Beziehungen haben, daß sie offen Pornographie konsumieren, ohne daß sich davon irgendjemand belästigt fühlt. Das war die Zeit der vom BVH vertretenen Lebensformenpolitik, bundespolitisch durchgesetzt hat sich nachher leider der SVD mit der Homo-Ehe [*1].

    An der Uni kam ich dann schließlich mit einer Frau zusammen, die auch noch etwas mit anderen Typen hatte. Das war toll! Und da wusste ich: Jawoll, es funktioniert! Was ich mir schon als Teenager vorgestellt hatte, weil es einfach logisch ist, das funktioniert tatsächlich. Wenn es klare Absprachen gibt, und ich weiß, woran ich bin, dann habe ich keine Eifersucht. Das war Anfang bis Mitte der 90er, den Begriff der Polyamorie kannte man damals in Deutschland noch nicht, aber ich hatte das für mich als funktionierendes Modell erlebt.

    Mittlerweile war ich auch schon mal verheiratet, wobei ich mit meiner Frau vereinbart hatte, daß wir eine offene Ehe führen, aktuell bin ich wieder Single und kenne verschiedene Frauen, die immer wieder einzelne Nächte und Wochenenden bei mir verbringen oder mit mir zusammen in den Urlaub fahren.

    Aber ich erlebe auch immer wieder, daß ich zu „bekehren“ versucht werde. ich bin auch schon mit Frauen zusammengekommen, die mich trotz aller vorigen Absprachen dann doch für sich alleine haben wollten. Da wurde mir auch schon mal Sexsucht diagnostiziert, begleitet durch die Aussage, daß ich gar keine Krankheitseinsicht habe und man mir deshalb gegen meinen Willen „helfen“ müsse, zum Beispiel durch Unterbindung meiner verschiedenen Kontakte. Und leider sehe ich auch in öffentlichen Medien, z.B. in Presseartikeln, immer wieder, wie die erzkonservativen Geschlechterrollen propagiert wird, und wie die Monogamie als die einzige überhaupt denkbare Beziehungsform vorausgesetzt wird [*2].

    Ich sehe durchaus Polyamorie als die logische Beziehungsform, insofern ist das bei mir doch das im letzten Absatz dieses Blogposts angesprochene Manifest, wenn ich darüber spreche. Die Monogamie sehe ich als einen Spezialfall der Polyamorie. Denn Polyamorie bedeutet ja nicht, daß man zwingend mehrere Partner haben muß, sondern daß man dafür prinzipiell dafür offen ist. Es ist keine Handlungsanweisung, sondern eines Geisteshaltung. Natürlich darf ein polyamorös fühlender Mensch sich mit einem einzelnen Partner begnügen. Oder mathematisch ausgedrückt: Aussagen, die für alle positiven ganzen Zahlen gelten, gelten selbstverständlich auch für die Zahl Eins. Der Spezialfall n=1 ist enthalten, wenn eine Aussage für alle n gilt.

    [*1] Über die Schwulenverbände BVH und SVD habe ich letzten Monat hier kommentiert:
    http://uebermedien.de/11329/#comment-16056

    [*2] Über die erzkonservativen Geschlechterrollen in Pressepublikationen erzähle ich hier etwas:
    https://www.youtube.com/watch?v=m2JooHg_mg4

  • A.

    Danke für diesen Beitrag <3 ich hoffe es folgen weitere, die sich diesem Thema widmen.
    Welche "Anlaufstellen" gibt es in Berlin?

  • Jana

    „es geht ausschließlich darum, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben“ – dem möchte ich widersprechen. Natürlich geht es um Gefühle zu mehreren Menschen. Aber ich finde das Wort ‚Liebe‘ sehr groß und all die Gefühle dazwischen gehen verloren. Vielleicht geht meine Denkweise auch schon mehr in Richtung Beziehungsanarchie, aber ich fühle mich durchaus als Poly und möchte daher auf dieses schwarz/weiss-Denken hinweisen. Es fühlt sich so an, als ob Poly-Beziehungen genauso wie Mono-Beziehungen ablaufen, nur eben mit zwei, drei oder mehr Partner_innen. Das ist aber falsch. Die meisten Menschen in der Poly-Szene, die ich kennengelernt habe, pflegen auch viele sexuelle Kontakte und verdammt viele Beziehungen zwischen Freundschaft und Liebe. Vielleicht sehe ich es zu eng, aber ich fühle mich durch diese Art der Beschreibung oft überlesen und vor allem zeigt es ein falsches Bild nach Außen. Als sei Sexualität etwas Böses, als gäbe es nichts zwischen Sex, Beziehung und Freundschaft.

    Ansonsten fand ich den Artikel toll und ich konnte mich in vielen Beschreibungen wiederfinden. Ich bin auch für mehr Öffentlichkeitsarbeit und mehr Sichtbarkeit, auch wenn es häufig mit viel Anstrengung verbunden ist, diese Art zu leben nach Außen zu transportieren.

    • Mountain_of_Conflict

      Aber steckt das nicht schon im Namen? Das andere würden Leute vielleicht eher unter „Offener Beziehung“ verstehen.

  • Quant

    „Es ist schwer, 26 Jahre Sozialisation zu überwinden.“
    Und noch schwerer nach 48 Jahren Sozialisation, 22 Jahren monogamer Beziehung und 2 Kindern…