JUST NOvember

CC BY-SA 2.0 , by Nicole von Horst

November ist der schrecklichste Monat der Welt. November ist mein Mordor der Monate. Ein dunkles Loch, das alle Energie aussaugt. Zu kalt. Zu feucht. Vor allem dunkel. Viel zu dunkel.

Ich liebe Herbst und bin ganz bei Lucie, wenn sie von Sweater Weather, Kürbiskuchen und goldenem Laub schwärmt. Ich weiß, dass November offiziell zu Herbst zählt, aber hier gilt das nicht. November, das ist Noch-Nicht-glänzender-Dezember und Nicht-mehr-glühender-Oktober. November ist nicht nur nicht Herbst für mich, November ist Nichtmonat, ohne Funktion, ohne Vergnügen.

Als Kind war mir November egal, so wie alles von Januar bis Mai. Juni war gut (Geburtstagsgeschenke), Dezember war gut (Weihnachtsgeschenke). Der Rest war okay, aber unspektakulär.

Dann ging ich für ein Jahr nach Schweden und mein Verhältnis zu den Jahreszeiten verschob sich. November in Stockholm war superschlimm. Jeden Morgen bei Dunkelheit in den Bus Richtung Schule, jeden Nachmittag bei Dunkelheit zurück. Ich wurde müder und müder, ließ meine Hausaufgaben schleifen, blieb morgens im Bett und wusste nicht richtig warum.

Das ging, von einer leuchtenden Weihnachtspause abgesehen, den ganzen Januar und Februar und März so weiter, bis endlich endlich der Frühling hervorlugte. Ich weiß noch, wie ich mit der Tunnelbana Richtung Innenstadt fuhr, da ein Sonnenstrahl ins Fenster fiel und ich in jeder Kurve meinen Sitzplatz änderte, nur um genau im Licht zu sitzen. Wie ausgehungert. Seitdem ist mir Frühling nicht mehr egal, seitdem bin ich sogar ein bisschen verliebt in Frühling. Und stehe November sehr skeptisch gegenüber.

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In der Uni wurde das nur ärger. November ist traditionell der Monat, in dem ich alles fallen lassen und unter Decken vergraben im Bett bleiben will. Wie gesagt, ich liebe Herbst, liebe nicht mehr schwitzen zu müssen, sich zwiebelig anziehen zu können, ich liebe sein Licht, in knallgelbem Gingkoregen stehen, Eichelkäppchen und Kastanien sammeln, Laubkronen aus Platanblättern basteln. Doch mit dem November macht ein Schalter Klick, und ich habe keine Energie mehr für diese Dinge. Und keine Lust mehr darauf.

Aber das soll sich jetzt ändern.

YESvember

Ich will diesen Monat ohne Funktion oder Vergnügen umdeuten, ich will aus ihm einen Treat-Yoself-Monat machen und mir richtig hart gönnen. Und deswegen mache ich mir jetzt einen Plan, eine Liste mit ganz vielen Sachen, die mir den November schöner machen sollen:

Karaoke. Aus voller Kehle “Let it go” singen oder über die Reime in “Without me” stolpern ist kathartisch, ich glaube an die heilenden Kräfte von Karaoke Therapy. Jetzt habe ich sogar eine Karaokebar mit kleinen Kabinen in meiner Stadt gefunden und muss dafür nicht nach Berlin fahren.

Hamilton. Vor kurzem habe ich, hundert Jahre zu spät, das Musical endlich zum ersten Mal gehört, war mindblown und muss jedesmal dabei weinen. Mein Ziel für November ist, so viel vom Text auswendig lernen wie möglich. Ganz besonders die besonders schnell gerappten Stellen. If Washington isn’t gon’ listen / To disciplined dissidents, this is the difference: / This kid is out!” #dropsthemic

Essen. Weil Müdigkeit und miese Laune bei mir auch viel damit zu tun haben, was ich esse, besonders, wenn ich zu müde zum essen bin, will ich den Aufwand für gutes Essen so gering wie möglich halten und Sachen essen, die mich nicht noch müder machen. Deshalb bestelle ich mir das erste Mal Gemüse- oder Obstkisten nachhause. Und werde eimerweise Mandarinen essen. They’re the best.

Baden. Nicht nur sagen, dass ich es mache, und dann doch keine Zeit, blabla. Ich will alle Badebomben aufbrauchen, und nicht denken, ach, die sind viel zu schade, um sie zu benutzen.

Licht. Lichterketten aufhängen und anmachen. Kerzen anzünden. Schöne Lampen kaufen. Aus der Dunkelheit draußen Gemütlichkeit drinnnen machen.

Meinen Bruder und seine Freundin besuchen und da vorm Kamin rumhängen.

Vorfreude. Wenn ich Mitte November die Weihnachtszeit plane, hab ich nicht nur Zeit und weniger Stress im Dezember, ich sehe auch, dass der November ein Ende hat und kann mich auf all die feinen Sachen freuen, die ich im Advent so abfeier. Der ja im November beginnt, hurra!

Ausflüge. Ins Museum gehen. Oder ins Kino. Oder ins Theater? Ich habe noch keine konkrete Idee, aber hab mir in einer Septmberwoche drei Theaterdingsis gegönnt und das war so nice. Oder ich fahre kurz nach Paris, uuuh!

Dinovember. Die Spielzeugdinos rausholen und jeden Tag das Kind überraschen. Mal gucken, ob es dieses Jahr weniger aufgebracht darüber ist.

DIY. Ich will meine Nähmaschine benutzen, um Weihnachtsgardinen zu nähen, Wolle Spinnen, irgendwas stricken, die Abende damit verbringen, etwas mit den Händen zu machen, das warm und schön ist und nicht super duper anstrenged.

NaNoWriMo. Der National Novel Writing Month ist eine Möglichkeit, sich im November vom November abzulenken, aber er ist mir nie geglückt, er ist zu zeitintensiv, zu krass für mich. Aber täglich irgendetwas schreiben, 20 Minuten lang, das ist im November eine gute Idee, um konzentriert zu bleiben.

Der Zaubertrick

Okay, die Liste klingt gerade so, als hätte ich sonst nichts zu tun, aber ich will weder Uni-noch Lohnarbeitssachen da reinschreiben oder andere Sachen, die ich tun muss. Die stehen bereits in ihrer eigenen Liste. Ich brauche also eine Strategie, wie beides zusammenzubekommen ist, das Schöne und das Notwendige.

Mein Trick für große schwere Aufgaben geht so:
Es aufschreiben, in Listen. (Check!)
Es als einzelne, ausführbare kleine Aufgaben in ein übersichtliches Monatskalenderblatt schreiben, damit es direkt ausführbar ist. (Muss ich noch machen.)
Und es erzählen oder ins Internet schreiben, damit ich Zeugen habe. (Check.)

Dann wird das schon (nicht so schlimm).

Findet ihr November auch so garstig?
Habt ihr noch Ideen für schöne Dinge die auf dieser Liste fehlen?
Was gönnt ihr euch gerne?