Beim Sex ist Kupfer Gold wert!

Foto , CC BY-SA 3.0 , by GyneFix Deutschland

Seit etwa einem Jahr nutze ich die Kupferkette, eine alternative Verhütungsmethode zur Pille. Nachdem ich darüber einige Tweets absetzte, wurde ich zahlreich per DM gefragt, wie die Kupferkette wirkt. Viele kennen diese Methode der Verhütung überhaupt nicht und ich hoffe, dass ich dies mit meinem Erfahrungsbericht verändern kann. Sprecht unbedingt (!) mit eurem*/ eurer* Gynäkolog*in darüber, ich kann nur einen Einblick geben und bin keine Ärztin. Ich habe mich außer der Beratung bei meinem Gynäkologen vor allem bei Pro Familia, der Herstellerseite Gynefix  und der Seite von familienplanung.de über die Kupferkette informiert und nach Erfahrungsberichten gesucht, was jedoch kein Gespräch mit einem*/einer* Gynäkolog*in ersetzt.

Ich möchte euch hier einen Einblick über meinen persönlichen Weg zur Kupferkette geben, von meiner persönlichen Recherche, bis zu meinem Arztgespräch, der Einsetzung der Kupferkette in den Körper und der Zeit danach.

Zuerst ist mir wichtig zu erklären, wie diese überhaupt verhütend wirkt: Die Kupferkette setzt Kupferionen frei, die eine doppelte Auswirkung haben. Einerseits schränken sie die Bewegungsfähigkeit der Spermien ein, andererseits wird die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterwand verhindert.

Was mir Doktor Sommer nie erzählte

Ich gestehe: Ich dachte lange großkotzig, was Verhütung angeht, sehr gut Bescheid zu wissen. Seit ich elf bin, habe ich einen vernünftigen Internetanschluss, seit ich lesen kann, habe ich sämtliche “Dr.-Sommer”- Seiten in der Bravo inhaliert (und weiß somit, dass auch “Petting” zu Schwangerschaft führen kann), ich hatte Sexualkunde in der Schule, tauschte mich immer mit guten Freund*innen über Verhütung aus und gehe seit ich 15 bin zum Gynäkologen.

Dennoch hinterfragte ich lange Zeit nicht, die Pille zu nehmen – unter anderem aus gesundheitlichen Gründen. Aber es erschien mir auch lange so, als müsse ich gar nicht über eine Alternative nachdenken, denn in Deutschland ist sie der Standard, wenn es um Verhütung geht. In einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2011 sagte mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland, dass sie die Pille als Verhütungsmittel nutzen. Entsprechend dieser Mehrheitsverhältnisse gilt die Pille oft als alternativlos – ob auf den “Dr.-Sommer”-Seiten in der Bravo, in Gesprächen mit Freund*innen – selbst Gynäkolog*innen informieren manchmal spärlich über Alternativen der Verhütung neben der Pille.

Heute glaube ich: so individuell wie Menschen sind, so individuell sollten sie auch über Verhütung beraten werden. Passiert dies nicht, müssen zu viele Menschen – meist Frauen – unter den Nebenwirkungen hormoneller Verhütung leiden.

Ich möchte die Pille nicht verteufeln, ich selbst habe sie acht Jahre lang genutzt. Ich nahm sie vor allem auch deswegen, weil sich dadurch die Wahrscheinlichkeit erneut eine Overialzyste zu bekommen, verringerte (die Pille verhindert den Eisprung, was Betroffenen dieser gesundheitlichen Einschränkung hilft).

Außerdem war mir die Pille ein zuverlässiges Verhütungsmittel und einfach in der Anwendung. Doch sie beeinflusste auch meine Stimmung und mein Körperempfinden. So lange, dass ich sehr genau auf meinen Körper hören musste um zu begreifen, dass ich während der Pillenpause oft aktiver war als in Pilleneinnahmezeiten, mit einer größeren Libido und weniger niedergeschlagen als an Tagen, an denen ich die Pille nahm. Und das trotz der Abbruchsblutung, für welche die Einnahmepause sorgt und die in ihrer medizinischen Notwendigkeit gelinde gesagt umstritten ist.

Oft steht (leicht übersehbar) unter den möglichen Nebenwirkungen hormoneller Verhütungsmittel: Depression. Für Menschen, die zu depressiven Episoden neigen, also durchaus ein Grund sich auch mal zu alternativen Verhütungsmitteln zu informieren.

Der 1. Schritt: Die Recherche

Letztes Jahr beschloss ich, etwas an meiner Art der Verhütung zu ändern. Nach Internetrecherche sowie umfangreicher Beratung durch eine Freundin und meinen Gynäkologen beschloss ich, mir die Kupferkette (Gynefix) einsetzen zu lassen. Sie kommt – anders als die herkömmliche Kupferspirale, die es nur in einer Einheitsgröße gibt und bei vielen nicht passt oder auch verrutscht – auch gut für Menschen in Frage, die kein Kind geboren haben, da sie klein und flexibel ist und außerdem kein starres Gerüst besitzt.

Es gibt sie in kleinerer (Gynefix 200)  sowie in der größeren Ausführung (Gynefix 330). In der Wirksamkeit und Sicherheit unterscheiden sich diese nicht. Sie hat einen Pearl-Index von 0,1 – 0,3 und ist damit das sicherste IUP. IUP ist die Abkürzung für Intrauterinpessar. Das steht für Spirale, auch wenn die Kupferkette keine klassische Spirale ist.

Wie schon oben angedeutet, funktioniert die Kupferkette folgendermaßen: Sie setzt nach dem Einsetzen in den Körper Kupferionen frei, die eine doppelte Auswirkung haben, um zu verhindern, dass Spermien die Eizelle befruchten. Einerseits schränken die Kupferionen die Bewegungsfähigkeit von Spermien ein, andererseits wird die Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutterwand verhindert. Durch ihre doppelte Wirkungsweise gehört die Kupferkette zu den sichersten Verhütungsmitteln überhaupt. Seit 1999 ist sie auf dem deutschen Markt zu haben, seit rund 30 Jahren ist sie laut Hersteller auf der Welt “in Betrieb”. Trotz ihrer hohen Verhütungssicherheit konnte sie sich hier in Deutschland noch nicht so durchsetzen. Das liegt mitunter auch daran, dass es vergleichsweise wenig Ärzt*innen gibt, welche die Kupferkette einsetzen können und dass ist vielleicht einer der größten Nachteile dieser Verhütungsvariante.

Um die hohe Wirksamkeit der Kupferkette zu gewährleisten, bedarf es einer sicheren Anwendung im Einsetzprozess und einer Fortbildung der Gynäkolog*innen in diesem Bereich –  mit diesem “Ärztefinder” könnt ihr herausbekommen, wo es qualifizierte Praxen in eurer Nähe gibt . Glücklicherweise stand mein Gynäkologe bereits auf einer dieser Listen.

Mein Arzt gab mir zuerst eine Infobroschüre und klärte mich über den Einsetzungsprozess und die Wirkungsweise der Kupferkette auf. Diese wird zuerst in die Gebärmutter eingelegt. Vorher bekommt eins ein Medikament, welches den Muttermund erweitert. Mein Arzt empfahl mir zusätzlich eine Ibuprofen (600) zu nehmen und einen Einsetzungstermin zu wählen, in dem ich meine Menstruation habe, da der Muttermund zu diesem Zeitpunkt sowieso weiter geöffnet sei als zu anderen Zyklusphasen. Die Kette selbst besteht aus vier oder sechs kleinen Kupferzylindern, die zwei oder drei Zentimeter groß sind (je nachdem ob eins sich für die größere oder kleinere Variante entschieden hat).

Diese Zylinder werden wie auf einer Perlenkette an einem Faden aus Nylon aufgezogen. Der Faden wird ca. einen Zentimeter tief in der Gebärmutter verankert, weshalb vorher abgemessen werden muss, ob die Gebärmutterwand mindestens einen Zentimeter dick ist.

Egal wie groß die Kette ist, die eingesetzt wird, der Hersteller der Kette sagt, dass sie fünf Jahre lang wirkt. Einige Gynäkolog*innen sprechen auch davon, dass diese Variante der Verhütung sogar zehn Jahre halten könne. Mein Arzt empfahl mir, nach der Kontrolluntersuchung, die eine Woche nach Einsetzen der Kette stattfinden würde, drei Jahre später die Wirksamkeit der Kette nachprüfen zu lassen.

Unabhängig davon plante und plane ich sowieso alle sechs Monate zur Regeluntersuchung bei meinem Gynäkologen zu gehen, bei dem auch der Sitz der Kette überprüft werden kann. Bei Abstoßungsreaktionen, die sehr selten vorkommen, z.B. wenn die Person eine Kupferallergie hat, riet mir mein Arzt, sofort in die Praxis zu kommen.

In jedem Fall ist die Kupferkette ein Langzeitverhütungsmittel. Die Kosten muss mensch selbst tragen und die sind mit 220-400 Euro leider ziemlich hoch. Jedoch rechnet es sich in meinem Fall, da, auf längeren Zeitraum bezogen, die Pille genauso teuer gewesen wäre.

Wer  unter 20 Jahren ist, sollte sich von seinem Arzt oder seiner Ärztin beraten lassen, denn die Kupferkette wird teilweise oder sogar ganz von der Kasse gezahlt. Wer außerdem gutartige Wucherungen in der Muskelschicht der Gebärmutter hat, sogenannte Myome, kann zwar nicht mit der Spirale verhüten, aber meist kommt eine Kupferkette stattdessen schon in Frage.

Mein Arzt warnt jedoch auch zurecht: Natürlich schützt die Kupferkette nicht vor Geschlechtskrankheiten. Die Monatsblutung könne sich außerdem verstärken, das Entzündungsrisiko leicht ansteigen.

Dennoch steht am Ende meiner Recherche die Erkenntnis: Ich bin überzeugt von dieser Verhütungsmethode. Mein Arzt ist auf die Einsetzung der Kupferkette spezialisiert, die Sicherheit der Kupferkette ist sehr hoch und ich hab für die nächsten Jahre keinen Babywunsch. Also mache ich einen Termin für den Zeitpunkt meiner nächsten Menstruation.

Schritt 2: Einsetzen der Kupferkette: OH SHIT, tut das weh!

Nach der Einnahme des Medikaments für die Muttermundöffnung muss ich vier Stunden warten, danach geht es zu meinem Gynäkologen. Mir geht es trotz oder gerade wegen des Schmerzmittelnebels des Ibuprofens ziemlich gut und ich bin nicht aufgeregt. Die Freude darüber, nicht mehr jeden Tag in Panik verfallen zu müssen, ob ich die Pille nun wirklich genommen habe oder ihre Wirkungsweise beeinträchtigt wurde (z.B. durch Durchfall, Hitze oder Antibiotika), überwiegt. Außerdem hoffe ich auch auf eine Veränderung meines Körpergefühls und meines Stimmungsbildes. Aber erstmal muss mein Arzt die Kupferkette einsetzen.

Mein Arzt ist verdächtig still während er die Kupferkette verankert. Als ich später nachfrage, erfahre ich, warum. Mein Gebärmutterhals ist um einiges enger als gewöhnlich, daher erfordert es für ihn mehr Konzentration den Vorgang so schnell wie auch gründlich abzuwickeln, denn leider ist dadurch auch der Schmerz außergewöhnlich hoch. Ich muss ganz schön die Zähne zusammenbeißen um nicht zu schreien. Ich möchte möglich transparent berichten, weise jedoch darauf hin, dass dies nur in meinem Fall so war und einige Bekannte überhaupt keine Schmerzen hatten.

Nach knapp zwei Minuten ist es endlich vorbei. Ich bin ziemlich froh, dass diese Prozedur nur alle paar Jahre fällig ist, denn es war für mich der größte negative Aspekt dieser Verhütungsmethode.

Was wäre gewesen, wenn ich den Schmerz nicht ausgehalten hätte? Mein Gynäkologe meint, dass in so einem Fall auch eine Einsetzung unter Vollnarkose möglich sei. Die hat jedoch ihre ganz eigenen Risiken. Jetzt ist es aber erstmal vorbei und ich soll in einer Woche zur Kontrolluntersuchung kommen. Bei der sitzt die Kette, dort wo sie sitzen soll. Ich kann den Faden, wenn ich will, auch selbst erfühlen- da ich Verhütungsfragen sehr ernst nehme, kommt mir diese Form der Kontrolle sehr entgegen.

Schritt 3: Der persönliche Erfahrungsbericht
nach einem Jahr Kupferkette

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Kupferkette. Sie ist perfekt für einen Verhütungskontrolletti, der es möglichst bequem in der Handhabung haben möchte, also ist sie perfekt für mich. Sie wirkt langzeitig, beeinflusst meinen natürlichen Hormonhaushalt nicht, ist sehr sicher und bis auf ein einziges Mal, als sich die Kette verbog, stört sie nicht beim Sex. Das Malheur war nicht weiter schlimm, ich habe die Kette beim Gynäkologen wieder in Richtung Muttermund biegen lassen. Bezüglich der Verhütungssicherheit wirkte und wirkt die Kupferkette vollkommen sicher über den gesamten Zeitraum. Mein Stimmungsbild hat sich merklich verbessert, meine Libido ist gestiegen und ich fühle mich aktiver und fitter.

Die Kupferkette ist kein Zaubermittel, natürlich kann es auch mit ihr depressive Episoden, hormonelle Schwankungen oder Tage geben, an denen ich keine Lust auf alles habe. Aber mir geht es besser. Und ich bin entspannter. Für mich hat sich sowohl die Investition, als auch der Schmerz beim Einsetzen gelohnt.

Ein Fazit: Mir ist bewusst, dass die Kupferkette nicht für alle das geeignete Verhütungsmittel ist. Aber falls ihr, wie ich damals, nach einer Alternative für die Pille oder auch generell auf der Suche nach einem langfristigen Verhütungsmittel seid: Guckt euch die Kupferkette an. Sie war und ist für mich reines Gold wert.

  • Wölkchen

    Hallo.

    Wie schön, dass du so gute Erfahrungen mit der Kupferkette machst, Tara. Ich wünsche dir, dass es so bleibt.

    Ich hatte wohl einfach Pech, zu dem (kleinen?) Prozentsatz von Leuten zu zählen, deren Organismus sehr sensibel auf einen solchen Fremdkörper reagiert. Mit der Zeit bekam ich immer längere Schmierblutungen vor und nach den Tagen. Richtig schlimm war aber die Blutungsstärke meiner Periode selbst: Ich habe mich währenddessen z.B. kaum mehr getraut, Sport zu machen. Ich bekam Eisenmangelanämie und musste Tabletten dagegen nehmen. Nach fünf Jahren wurde die Gynefix wie geplant gezogen. Jetzt bin ich wieder ok, aber ich habe sehr unter Nebenwirkungen gelitten, die mir damals als „vernachlässigbar“ verkauft wurden.
    Daher freue ich mich umso mehr für die, bei denen es klappt und die ein sorgenfreies (Liebes-)leben genießen können.
    Beste Grüße.

  • Juulii

    ich kann der Autorin nur zustimmen, es ist super, sich nicht jeden Tag Gedanken machen zu müssen, ob und wann man schon die Pille genommen hat. Ich habe jetzt seit drei Jahren eine Spirale und das Einsetzen war definitiv mit den schlimmsten Schmerzen verbunden, die ich je erlebt habe (okay, ich hab noch kein Kind bekommen…). Auch wenn ich ziemlich schwere Blutungen habe und auch Eisenergänzungsmittel nehme, ist das für mich in jedem Fall angenehmer als die ständigen Gedanken (und damit verbundenen Zweifel) über die Verhütung.

  • Laura

    Liebe Tara, ich freue mich dass du in diesem Artikel diese – in meinen Augen – tolle Alternative zur hormoneller Verhütung beschreibst. Ich hatte selbst einige Zeit die Kupferkette, habe sie allerdings nach weniger als einem Jahr verloren – das kann nämlich auch passieren und kommt wohl auch gar nicht so selten vor, wie mir der Frauenarzt erzählte, weswegen es auch so eine Art Garantie gibt: Meist setzt dir der Arzt kostenlos eine neue ein, wenn du sie innerhalb eines Jahres verlierst.
    Das Ärgerliche nur: so schmerzhaft das Einsetzen ist, so unbemerkt ist die Gynefix flöten gegegangen – super gefährlich, weil man es nämlich einfach nicht merkt, dass man auf einmal nicht mehr verhütet.

    Dass die Kupferspirale damit die vermeintlich „bessere“ Version der Kupferspirale ist, wie sie gerne von Ärzten, im Internet und dem Hersteller beschrieben wird, stimmt also so nicht. Genauso wenig wie das Argument, dass für junge Frauen, die noch keine Kinder hatten, die Spirale nicht geeignet ist, auf alle zutrifft. Auch hier gibt es mittlerweile neue, kleinere Modelle.
    Auch mir wurde, nachdem ich dann auch die zweite Gynefix verloren hatte, eine Kupferspirale gesetzt, die für mich viel besser funktionierte als die Kupferkette.

    Wie gesagt, Körper sind anders, und du schreibst sehr richtig, dass jede Frau für sich die passende Verhütung finden muss. Aber auch bei der Gynefix gibt es erhebliche Nachteile – bzw der Spirale Vorteile, die es abzuwägen gilt.