Unglücklich glückliche Schwangerschaft

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Janina, 28 Jahre alt, kommt aus der Nähe von München und promoviert in Biologie in der pharmazeutischen Forschung. Seit 4 Monaten ist sie schwanger und hadert seitdem mit sich selbst, der Zukunft als kleine Familie und den Auswirkungen auf die berufliche Laufbahn. Sie liebt Reisen und Musik, beschäftigt sich viel mit Feminismus und schreibt zwischendurch Gedichte, Gedanken oder Geschehnisse in ihrem kleinen, verschlissenem Notizbüchlein nieder.

Es sind nun fast 4 Monate vergangen. Schwanger. Noch immer kann ich mich nicht daran gewöhnen. Nicht, weil man ja in der Schwangerschaft auf einer Achterbahn der Hormone fährt, mal Höhen und Tiefen hat. Die Achterbahnfahrt kenne ich nicht. Genauso, wie ich all die anderen negativen Begleiterscheinung einer Schwangerschaft nicht kenne. Übelkeit? Nicht an einem einzigen Tag. Krämpfe? Bisher ausgeblieben. Seltsame Gelüste? Beim Gedanken an Gurke mit Nutella wird mir höchstens schlecht, wie vermutlich den meisten Menschen. Fressattacken? Im Gegenteil. Verschärfter Geruchssinn? Der war vorher schon extrem gut, eine Steigerung nach oben durch eine Schwangerschaft kaum möglich. Schwanger? Ich? Fühlt sich nicht so an. Kein Gramm mehr, kein Bäuchlein, gar nichts. Und doch wächst da etwas in mir heran. Ein kleiner Alien. Nicht spürbar und doch da. Warum ich mich noch immer nicht daran gewöhnen kann? Es ist schwer zu erklären. Ich versuche es.

Es kommt immer anders als man denkt

Ich bin 28 Jahre alt und gerade dabei, meine Promotion abzuschließen. Die Entscheidung ein Kind zusammen mit meinem Mann zu bekommen, ist bewusst gefallen. Wir wollen ja beide ein Kind. Dachte ich. Der Zeitpunkt war doch prima. Doktorarbeit abgeben, Baby bekommen, ein halbes Jahr Elternzeit, dann bewerben und wieder arbeiten gehen. Mein Mann würde das zweite halbe Jahr betreuen, danach würde es in die Ganztags-Kita gehen. Soweit ein guter Plan. Obwohl mein bisheriger Plan eigentlich etwas anders aussah. Promotion abschließen, Job suchen, das erste Mal ordentliches eigenes Geld verdienen und endlich all die Reisen machen, nach denen ich mich so lange sehne. Backpacken durch Vietnam, Indonesien und Kambodscha. Roadtrip entlang der Westküste der USA. Amazonas-Tour in Brasilien und Safari in Afrika.

Dann: Kind. Und zwar genau eins. Das ist unkomplizierter als zwei.

Und jetzt? Kommt alles ganz anders. Auch noch durch eine bewusste Entscheidung. Die sehr schnell gefallen ist. Wie eine Kurzschlussreaktion – so kommt es mir zumindest heute vor. Waren wir uns doch im Juni letztes Jahr so sicher, dass wir noch warten wollen. Eben bis wir all diese Dinge erreicht hatten, die ursprünglich auf meiner Liste standen. Und auf einmal war ich im November bereits schwanger. Warum? Das weiß ich selbst nicht so genau. Einige Bekannte von uns haben kleine Kinder, vielleicht haben wir uns anstecken lassen. Dachten für einen Moment, jetzt wäre doch eigentlich ein guter Zeitpunkt. Der Gedanke jung Eltern zu werden war sehr schön, denn obwohl wir unsere Zukunft zunächst etwas anders geplant hatten, wollten wir doch irgendwie auch nicht mit Mitte 30 das erste Kind bekommen. Doch als ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, fühlte sich das nicht gut an. Eher so wie das Ende der Welt.

Ich will das nicht

Was hatte ich getan? Mein Mann freute sich riesig. Und ich hatte einfach nur einen dicken Panik-Kloß in meinem Hals. Freute mich zwar irgendwie doch. Weil man das ja “muss”, oder? Aber irgendwie eben auch nicht. Naja, sagen jetzt viele, man braucht eben Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Ein Kind verändert alles. Das darf Angst machen. Ja, natürlich darf es das. Und doch 4 Monate später sitze ich hier und meine Gedanken sind die gleichen wie nach dem positiven Schwangerschaftstest.

Ich weiß, ich werde das Kind lieben, sicher, oder? Aber ich freue mich noch immer nicht, schwanger zu sein. Um genau zu sein: ich finde finde es furchtbar. Ich weiß, nicht allen geht es in der Schwangerschaft so gut wie mir, das sollte ich zu schätzen wissen. Und das tue ich auch. Aber der Gedanke, dass ich bald nicht mehr selbst entscheiden kann, dass ich fremdbestimmt werde, Kontrolle und Freiheit verliere, dieser Gedanke erdrückt mich.

Dazu kommen die körperlichen Veränderungen. Ich mag mich. Genauso wie ich bin. Ich finde meinen Körper schön. Und zwar genauso wie er jetzt ist. Ich habe Angst, mich als Schwangere eben nicht mehr schön zu finden, nicht mehr zufrieden mit mir zu sein. Einen kugelrunden Bauch watschelnd vor mir her zu schieben, nicht mal meine eigenen Füße zu sehen, und die Gefahr, mich hinterher nicht mehr so zu mögen wie ich bin, ängstigt mich. Eine Scheiß-Angst ist das. Ich will das nicht. Will nicht diese Angst haben müssen. Doch nun ist es zu spät. Unumkehrbar, und ich versuche jetzt mit meinen Gefühlen klarzukommen. Mit der Tatsache, dass ich doch eigentlich gar kein Kind will. Nicht jetzt zumindest. In 5 Jahren, das wäre super. Alle freuen sich für dich, das ist was Schönes. Aber eben nur, wenn man sich selbst auch freut.

Ich hingegen empfinde die Freude der anderen einfach nur als belastend. Denn ich schiebe den Gedanken schwanger zu sein weit von mir. Will nicht darüber reden und nichts damit zu tun haben. Gleichzeitig habe ich mich über die Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt informiert. Ich will schließlich nur Gutes für das Baby. Ich weiß, was ich in der Schwangerschaft essen darf und was nicht. Selbstverständlich rauche und trinke ich nicht, mache Sport, den man als Schwangere eben so machen darf. Doch außer diesen rationalen Fakten möchte ich nichts wissen.

“Denn ich möchte niemandem
die Vorfreude auf das Baby nehmen”

Es ist unangenehm, wenn Menschen, die dir nahe stehen, sich mehr auf das Kind freuen als du es selbst tust. Ich fühle mich wie eine Schauspielerin, eine Heuchlerin. Jedes Mal, wenn mein Mann verzückt auf das Ultraschall Bild beim Frauenarzt schaut und freudig ruft, er könne noch immer kaum glauben Vater zu werden. Mein Lachen dabei ist gequält und ich habe Angst, dass man mich durchschaut. Ich vertraue meinem Mann, liebe ihn über alles. Und genau deswegen ist es schwierig ihm ehrlich meine Situation zu erklären. Denn ich will auch niemandem die Vorfreude auf das Baby nehmen. Besonders nicht meinem Mann. Ich möchte, dass er die Zeit der Schwangerschaft seines ersten Kindes als schön in Erinnerung behält und sich nicht die ganze Zeit mit der Frage quält, ob ich damit glücklich bin und was er hätte besser machen können. Das Problem ist ja in mir drin, er ist für mich da, das ist alles was er tun kann.

Am Ende bedeutet das aber, mit niemandem reden zu können. Ich habe es einmal versucht. Mit meiner Mutter. Erwartungsgemäß hat sie mich nicht verstanden. Dass ich mich noch nicht bereit für ein Kind fühle und keine Freude dafür aufbringen kann, das sollte ich doch besser für mich behalten, denn sonst stünde ich ja da wie eine Rabenmutter. Tja, soviel zu Verständnis. Und ich frage mich ernsthaft, ob es keine anderen Frauen gibt, denen es so geht wie mir? Nach diesem Gespräch beschäftigte mich die Rolle der Frau als Mutter in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft nur noch mehr.

Kind oder Karriere

Ich würde mich selbst als Feministin bezeichnen. Ich habe eine gute Ausbildung, für mich war immer klar, dass ich arbeiten gehen werde und dass Hausarbeit und das Aufziehen von Kindern gleichberechtigt zwischen mir und meinem Partner aufgeteilt werden. Glücklicherweise habe ich den passenden Partner dazu gefunden. Jemanden, der sich selbst als Mann auch als Feminist bezeichnen würde. Für viele Männer ist das ist heute noch immer keine Selbstverständlichkeit. Die meisten verstehen zwar heutzutage schon, dass Frauen nicht hinter den Herd gehören, was das aber als Konsequenz für sie selbst bedeutet – eben auch einen Karriereknick, weil man sich die Elternzeit im besten Fall gleichberechtigt aufteilt –  das haben nach meiner Ansicht die wenigsten dann verstanden.

Mir ist mein Beruf wichtig. Mein Mann und ich sind sehr gut ausgebildet, beide mit Promotion im Bereich Biologie/ Biotechnologie. Uns geht es gut und das weiß ich sehr zu schätzen, denn oft hat leider nicht jede_r diese Möglichkeiten. Und doch verstehen die wenigsten Menschen, wieso du als Frau nicht unbedingt dein Berufsleben für ein Kind an den Nagel hängen willst. Männer werden ja in der Regel nicht gefragt, warum sie nicht mindestens 3 Jahre zu Hause bei dem Kind bleiben, um dort tagtäglich bunte Spielklötze aufzubauen und nachmittags zum Latte Macchiatto den Kinderwagen auszuführen. Ich finde es toll und bewundernswert, wenn Mütter oder Väter voll für ihre Kleinen da sind, doch ich persönlich würde damit auf Dauer nicht gut zurecht kommen. Und wehe eben, wenn ich als Frau dann wieder Vollzeit arbeiten gehen möchte. Und das sogar schon ganz sicher vor der Geburt des Kindes weiß! Dann wird mir natürlich die Mündigkeit abgesprochen, mit Sätzen wie „Wart’s nur ab, du wirst gar nicht mehr arbeiten wollen“ oder Aussagen wie „Du arbeitest doch nur Vollzeit, um es allen zu zeigen, zu beweisen, dass es als Frau prima machbar ist!“ Surprise, surprise, es IST als Frau genauso prima machbar wie bei einem Mann.

Als ob du als Frau nicht das Bedürfnis haben dürftest, etwas anderes als Vollzeitmutter zu sein. Oder etwa schon mal einen werdenden Vater gefragt, ob er sich sicher ist, dass er gleich nach der Geburt wieder arbeiten möchte? Selten müssen sich Väter dafür rechtfertigen, direkt nach der Geburt wieder zu arbeiten zu wollen, dafür oft umso mehr, wenn sie zuhause bleiben möchten. Das ist eine verkehrte Welt, denn solange die Eltern ihr Kind lieben und es umsorgen, ist es doch völlig egal, ob Mutter oder Vater.

Leben und leben lassen

Alles was ich als Feministin möchte, ist, dass jede_r tun und lassen kann wie er oder sie möchte – egal ob Vollzeit arbeitende Eltern, Vollzeit-Elternsein Eltern oder irgendwo dazwischen –  ohne dafür vorwurfsvoll angegriffen zu werden. Ich arrangiere mich gerade noch mit dem Gedanken, überhaupt ein Kind zu bekommen und ich will schon gar nicht einsehen, dass damit ein Großteil meines Lebens vorbei und ich nur noch Mutter sein soll. Ich will Reisen – am liebsten mit Mann und Kind – und das nicht nur an den Strand von Rimini um dort wie Ölsardinen in der Sonne zu brutzeln oder im Ferienhäuschen an der Ostsee.

Die Welt ist viel zu groß dafür und ich bin viel zu neugierig. Ich will unabhängig sein, mein eigenes Geld verdienen und einen Beruf ausüben, für den ich lange ausgebildet worden bin – oft auch auf steinigen Wegen- und erst recht will ich finanziell von keinem Mann abhängig sein. Ich will das Kind bekommen und weiß gleichzeitig noch nicht mal sicher, ob ich Muttersein überhaupt will. Ich möchte einfach eine Mama sein, die mit ihrem Leben glücklich und zufrieden ist und die hofft, dass dadurch auch ihr Kind glücklich wird. In allererster Linie will ich diese Schwangerschaft überstehen, ohne mich selbst zu verlieren und hoffe, dass eben manch wahre Worte an den nervigen Sprüchen anderer dran sind: „Wart’s nur ab: wenn das Kind da ist, kommt es sowieso wie es kommen soll.”

  • van der Hoffmann

    Danke für diesen ehrlichen Artikel. Wir brauchen viel mehr (werdende) Mütter, die so ehrlich sind! Ich habe um die Geburt meines Kindes herum gelernt, dass es immer dann schwierig wird, wenn ich mich an irgendwelchen Erwartungen orientiere: Muss ich sofort von Liebe überwältigt werden? Sollte ich es jetzt nicht stundenlang verzückt anschauen? – Kann ich alles machen, aber ganz sicher nicht, wenn es nicht meinen Gefühlen entspricht. Das bringt dem Baby gar nichts. Und auch die Schwangerschaft muss nicht besonders schön sein, weder für den Partner, noch für einen selbst. Wenn dem so ist, dann hat man einfach Glück! Deshalb nicke ich jetzt stoisch und sage „jaja“ wenn mir Leute mit diesen Vorstellungen kommen – es sei denn, sie sind mir wichtig. Dann bin ich ehrlich. Mit überraschendem Erfolg, man ist überhaupt gar nicht damit allein, eine ganze Menge „kinderfreie“ Wünsche zu haben! Und wenn das geklärt ist, fällt einem 1. auf, wieviel man davon trotzdem noch verwirklichen kann, und 2. wie schön es ist, sich von diesen Schuldgefühlen zu entspannen – und dann das Kind richtig zu genießen. Oder auch nicht. Wie es eben ist.
    Nebenbei bemerkt habe ich festgestellt, dass die Generation unserer Eltern mit solchen Gesprächen oft überfordert ist. Da hörte ich dann oft „Wenn du es erstmal im Arm hast, ist alles vergessen…“ Vielleicht rühren wir mit Ängsten und Zweifeln da an etwas, was lieber nicht angerührt werden soll?

  • https://aufzehenspitzen.wordpress.com/ aufZehenspitzen

    danke auch von mir. zufällig bin ich gerade auf der suche nach schwangerschafts(gefühl)metaphern und das gefühl eines heranwachsenden aliens ist mir selbst auch sehr nah. ich glaube auch, dass es wichtig ist, die eigenen erfahrungen und gefühle in der schwangerschaft zu teilen. man kann versuchen, sich mit den vorherrschenden erzählungen zu arrangieren oder neue, wahrere erzählungen zu schaffen, die patraiarchale und biologistische einflüsterungen dekonstruieren. das gefühl zurückzuwollen kenne ich aus meiner zeit als schwangere sehr gut. ich dachte mir ehrlich, was ich mir dabei eigentlich gedacht habe. unumkehrbar wüchse da nun etwas in mir. verändere meinen körper und mein leben. übernehme die kontrolle und gleichzeitig fänden das alle um mich herum toll. das war ziemlich schwierig und ich habe mich nie davor und seitdem nie mehr wieder so von mir selbst entfremdet gefühlt.

  • Janina

    Vielen Dank für eure positiven Rückmeldungen! Für viele ist es leider unbegreiflich, dass man zwar schon ein Kind möchte, aber dass damit und auch in der Schwangerschaft nicht automatisch alles rosarot und wolkig ist. Es fühlt sich toll an zu wissen, dass man damit nicht alleine ist!

  • Sofakante

    Oh ich kenne das so gut.
    Ich hatte immer das Gefühl, dass da etwas fremdes in mir ist, ich hatte Angst.
    Jetzt kann ich sagen: teilweise waren die Ängste begründet (diese scheiss Erwartungen an allen ecken und enden, außerdem eine wochenbettdepression, die übrigens auch schon vor der Geburt eintreten kann), teilweise super unbegründet (bin ich noch ich, obwohl ich dann ein Kind habe?). Ich fühle mich manchmal immer noch, als hätte ich zwei Identitäten – die Mutter und die Frau. Wenn ich alleine unterwegs bin, bin ich einfach nur ich. Wenn ich mit Kind unterwegs bin, bin ich ich, allerdings mit Kind und entsprechender Verantwortung.
    Aber soziale Rollen haben wir alle irgendwie. Und alles zusammen bin ich.

  • Polly Gon

    Ich finde es gut und wichtig, dass Frauen ihre Zweifel äußern bzw öffentlich machen grade bei so idealisierten, mystifizierten Themen wie schwangerschaft und mutterschaft. Es ist vollkommen normal ängste und zweifel zu haben. Und es gibt da draußen genug gleichgesinnte, die darüber reden. Manchmal braucht es nur etwas länger bis man sie findet.

    Ich finde, feministin kann man auch ohne gute ausbildung undoder nicht gleichgeteilter care-arbeit. Einen feministischen mann macht meiner meinung nach auch nicht bloß aus, dass er keine hausfrau haben will. Sondern grade eben auch, dass er nicht in stereotype der überglücklichen, erfüllten schwangeren verfällt.

    Verstehe mich nicht falsch, aber du wirst dich verlieren. Wenn nicht durch die schwangerschaft, dann durch das elternsein. Aber das ist nichts schlimmes. Man muss sich auch immer ein bisschen verlieren, um sich weiterzuentwickeln. Teile von deinem alten selbst kommen zurück, andere teile willst du vielleicht gar nicht mehr zurück.

    Ich kann dir nur den rat geben, der mir geholfen hat. Lass los. Lass deine ängste und den wunsch nach Kontrolle los. Sie ändern nichts, machen nur mehr stress. (das gilt wohl noch mehr für das leben mit kind) steh zu deinen gedanken und gefühlen. Ich hab allen ganz ehrlich meine meinung, meine ängste, unsicherheiten etc vor den latz geknallt. Wenn es nicht da ls war, was sie sich vorgestellt haben, dann hab ich wenigstens ihr eingeschränkten rollenbilder aufgebrochen. Und ich habe mich mit jedem mal sicherer, bewusster und stärker gefühlt. Die erfahrung aus all den unsicherheiten und ängsten zu einem selbstbewussten (ja, ich dachte eigentlich, ich war vorher schon selbstbewusst, aber nicht so) menschen zu werden, dieder mit einer solchen ruhe sein eigenes ding machen kann, war toll.

    Rückblickend würde ich sagen, dass mich die schwangerschaft, geburt und das leben mit meinem kind, zu dem menschen gemacht hat, der ich bin. Nicht wegen irgendeiner komischen vorstellung vom erfüllenden muttersein etc. Sondern weil ich mich all meinen ängsten und unsicherheiten gestellt habe und erfahren habe wie stark und toll ich bin.

    Alles gute auf deiner reise!

  • http://kinderhaben.de Sophie (www.kinderhaben.de)

    Oh, was für ein Text, der ging mir irgendwie direkt ins Herz! Und ich will dir laut zurufen: Mach dich frei von allem! Frei von den Erwartungen anderer, von deinen eigenen, von Gedanken an Vor- oder Nachteile, Sorgen um die Zukunft, diesem ganzen Quatsch.

    Schau auch nicht darauf, wie andere Frauen vielleicht in ihrer Mutterrolle wahlweise aufgehen oder an ihr kaputt gehen. Finde stattdessen deinen eigenen Weg, auch wenn das pathetisch klingt. Du musst auch kein role model für andere sein oder es unbedingt schaffen, mit Kind Vollzeit zu arbeiten. Es gibt so viele Wege und das wichtigste ist, dass du mit deinem Mann gut zusammenarbeitest, ihr euch die neuen und alten Aufgaben gut aufteilt und euch möglichst auch Unterstützung bei Familie und Freunden sucht, weil ohne die geht’s nicht.

    Und das Wichtigste: Nach vier Monaten Schwangerschaft musst du noch nicht bereit für das Kind sein. Schwanger sein empfinden viele Frauen als Zumutung (hier, ich bin das beste Beispiel und bin gerade im 6. Monat mit dem 2. Kind). Eine Beziehung zu dem Baby im Bauch aufzubauen ist gerade in der 1. Schwangerschaft für viele schwer. Ich war beim 1. Kind 26 Jahre alt und habe es erst richtig begriffen, als das Baby in meinen Armen lag – und selbst da war alles noch ganz komisch und unwirklich. Das hier ist jetzt meins? Und was soll ich eigentlich damit? Haha, ich erinnere mich noch ganz gut. Und trotzdem war es magisch und alles war so klar: Das Baby gehört zu mir!

    Bleib offen für Veränderung, versuch mal im Hier und Jetzt zu leben, Zukunftssorgen auch einfach mal zu verdrängen. Es bleibt später genug Zeit, sich damit zu beschäftigen. Und mit einer Top-Ausbildung, Spaß am Beruf und einem tollen Partner steht dir auch mit Kind so viel offen! Reisen übrigens sicher auch. Mein Ding sind Fernreisen so gar nicht, aber ich kenne viele tolle Blogs, die sogar genau über das Thema Reisen mit (kleinen) Kindern berichten.

    Alles Gute!

  • Ruby

    Hi, erstmal Danke für deinen Mut deine Gefühle hier so offen zu präsentieren. nun meine Gedanken dazu: Diese Zweifel die du hast, liegen in deiner Gefühlswelt, die kann man auch haben wenn man keine Karriere hat oder sich ständig mit feministischen Themen beschäftigt.
    Und auch wenn es schwer ist, du solltest dich deinem Mann anvertrauen. Ich glaube, das du dich nicht so freuen kannst wie du dir vorgestellt hast und die Schwangerschaft nicht genießen kannst, macht dich traurig, denn du würdest diesen einschneidenden Prozess gern positiver erleben. (Das hatte ich auch, beim 2. Kind das auch im Gegensatz zum ersten geplant war. Deshalb konnte ich meine Gefühle nicht verstehen) Das darfst du ihm ruhig sagen. Auch das du seine Vorfreude nicht dämpfen wolltest. Aber vielleicht hat er auch Ängste, die er nicht zugeben wollte. Wenn ihr das gemeinsam schaffen wollt, dann lass ihn nicht außen vor.
    Und ja, du wirst zumindest das Gefühl haben das du dich selbst verlierst. Es verändert, wenn man von der Frau zur Mutter wird, nicht umsonst haben grade die erstgeborenen immer eine leicht besondere Stellung bei den Eltern, auch wenn man alle seine Kinder gleich viel liebt. Aber diese Veränderung bedeutet nicht, das du nicht mehr du selbst sein wirst, du wächst ganz einfach genauso wie das Kind das du zur Welt bringst. DAs ihr beide ein gutes Team seid und die Vorstellung wie es nach der Geburt weitergehen soll, teilt, ist eine super Voraussetzung, denn es wird schwer werden. Manchmal wirst du genervt sein von der Carearbeit, dann wieder bei deinem Beruf dein Kind vermissen und vielleicht ein schlechtes Gewissen haben. Das ist normal. Auch in deiner Elternzeit solltest du dir gelegentlich kleine Freiräume schaffen, wenn deine Mann oder die Großeltern sich um euren Nachwuchs kümmern, damit du Zeit für dich hast und tun kannst was du möchtest, schreiben oder was auch immer, damit das Gefühl des „sich-selbst-verlierens“ nicht so überwältigend wird. Achja und du wirst nach der Geburt vermutlich erst mal zwei Monate scheiße aussehen, find dich damit ab. Klingt hart aber nichts anderes hilft. ich war nach dem ersten schockiert was da alles an mir rumschwabbelte, im Gegensatz zu dir hatte ich aber auch 20 Kilo zugenommen. Da hilft nur Gelassenheit, selfcare und Optimismus. Vielleicht hast du ja auch Glück und bessere Gene als ich ;-) Es gibt übrigens wenn man möchte „workout mit Baby“ auf youtube, mir hat es geholfen das ich das Gefühl hatte was zu tun und mein Kind dabei noch bespaßen konnte. Aber du wirst das überstehen, und du wirst genau das werden was du dir wünschst: „Ich möchte einfach eine Mama sein, die mit ihrem Leben glücklich und zufrieden ist und die hofft, dass dadurch auch ihr Kind glücklich wird. “ Wie Polly auch schon schrieb, : Man muss sich auch immer ein bisschen verlieren, um sich weiterzuentwickeln. Teile von deinem alten selbst kommen zurück, andere teile willst du vielleicht gar nicht mehr zurück.“
    also hab ruhig deine Zweifel, aber halt sie nicht zu fest. Der Roadtrip und die Safari gehen auch mit dem Kind, das Backpacken muss dann halt ein bisschen warten bis es größer ist. du brauchst deine Träume nicht aufgeben, sondern du wirst von deinem Kind ispiriert sein und eine sehr inspirierende Mutter sein werden.
    So, ich hoffe das klingt nicht zu sehr nach Gardinenpredigt oder so, mit den Tipps wollte ich nur sagen das es oft ganz einfache Mittel gibt, um sich aus Mißstimmungen rauszuholen. Nur friss es nicht in dich hinein. Du hast das Glück, gute Voraussetzungen zu haben um dich selbst zu verwirklichen. Ich wünsch dir alles Gute.

  • Dr. J.

    Liebe Janina!
    Herzlichen Dank für Deine Ehrlichkeit! Fühle Dich verstanden und lass Dich ein wenig beruhigen.
    Es ist denke ich ganz normal, dass man im 4. Monat noch keine Verbindung zum Ungeborenen spürt. Lass Dich bloß nicht unter Druck setzen, insbesondere nicht vom Umfeld, sondern „sei einfach“ !
    Deine Nöte und Deine Ambivalenzen kann ich glaube ich aus mehreren Gründen nachvollziehen: Wir haben uns über 3 Jahre lang vergeblich Kinder gewünscht und medizinisch inkl IVF alles ausgereizt, vergeblich. Jetzt bin ich tatsächlich im 7. Monat schwanger. Am Anfang war es eine Horrorschwangerschaft mit wochenlangem furchtbarem Erbrechen und großer Verzweiflung bis hin zu dem Gedanken, ab wann man das Ganze beenden würde (!!!!!!) – (im Nachhinein unbegreiflich, aber so war halt der 3., 4. Monat..!)
    Auch durch weitere Komplikationen inkl Krankenhaus, Liegen etc. konnte ich eigentlich nichts von all dem wahrnehmen, was üblicherweise „Genießen der Schwangerschaft“ lautet. Ich muss jedoch sagen: Das hat mich von enorm viel gesellschaftlichem Druck befreit! Wieviel Kulisse da aufgebaut wird, wurde mir erst währenddessen klar und sage daher: Schwangerschaft darf auch einfach bescheuert sein. Das Ungeborene wird mit den Monaten von selbst immer mehr Charakter entwickeln (allein durch die ganzen Bewegungen) und es wird sich trotz allem in Dein Herz schleichen. Gib Dir einfach Zeit.
    Auch kann ich die Angst um den Körper gut verstehen: Im Sommer noch Marathon gemacht, mittlerweile gefühlte Kondition wie eine Oma. Erstmal erschreckend. Aber das wird alles wieder, keine Sorge!
    Bez. Feminismus: Glückwunsch zu Deinem klugen und progressiven Partner! Bei uns ist es ähnlich bzw. so: Ich weiß, dass mein Mann das bessere, einfühlsamere Elternteil werden wird, als ich, aber: Das ist doch okay!!! Nimmt er halt längere Elternzeit. Ich werde unserem Kind schon vermitteln können, dass ich es nicht minder liebe, nur weil ich ohne meine Arbeit unglücklich wäre. Auch ich habe schon meinen Wiedereinstieg in den Beruf geplant (Ärztin auf Intensivstation, auch nach 6 Mon. wieder Vollzeit), „obwohl“ wir uns so lange und sehnlich ein Kind gewünscht haben. Das ist kein Widerspruch.

    Was mir persönlich geholfen hat:
    – Mein Mann. Auch als für mich alles schwarz war, hat er die Fackel getragen. Es ist absolut in Ordnung, wenn Dein Partner aktuell „wie stellvertretend für Dich“ optimistisch ist!
    – zu wissen, dass es einfach auch die hormonelle Umstellung ist, die die Stimmung kaputtmacht
    – Das Ungeborene, sobald die Kindsbewegungen hinzukamen <3
    – mich allen gesellschaftlichen Erwartungen verweigern zu dürfen
    – das Buch von Nancy Bardacke "der achtsame Weg durch Schwangerschaft und Geburt" – das hat mir unheimlich geholfen! Wissenschaftlich fundiert, einfühlsam, ohne Druck aufzubauen. Eigentlich weniger fokussiert auf Schwangerschaft etc, nur eben anlässlich der Tatsache, Eltern zu werden – sondern mehr eine Einladung, wie man an sich selbst, seinen Ängsten und verurteilenden Gedanken wachsen und sich von ihnen freimachen und einen neuen Blick gewinnen kann und merkt, wie stark man eigentlich sein kann. Egal, ob das jetzt Schwangerschaft, Geburt, erste Babyzeit, Partnerschaft, Erziehung oder Alltag betrifft.

    Ich wünsche Dir alles Gute !! Das wird schon !!

    PS: Du darfst mir auch gerne persönlich schreiben, wenn Du möchtest.

  • monti

    Mir gings vor einem Jahr ähnlich (allerdings mit festem Job, die Firma allerdings dafür bekannt, dass Schwangere nicht unbedingt erwünscht sind – entweder rausgeekelt o.ä…es gibt da diverse Stories). Ich saß ne Stunde vor der Silvesterparty mit einem positiven Test da und dachte: neeee.. Meinem Freund hab ichs dann schnell und unspannend erzählt und naja da ich keinen Alkohol getrunken hab, wussten alle irgendwie Bescheid… meine Stimmung war dann eher mies.
    Ich fands dann zwar aufregend die Ultraschallaufnahmen zu sehen, allerdings wars eher so wie fernsehen..das das da in mir sein sollte war nicht so vorstellbar, selbst als sich da was bewegt hat. Das Gefühl blieb bis zum Schluss. Auch immer der Gedanke: puuuh, ich wollte doch nochmal außerhalb von Europa Urlaub machen und zwar dieses Jahr in den Flitterwochen… geheiratet wurde 3 Monate vor der Entbindung und das groß gefeiert. Glücklicherweise hatte auch ich absolut keine Beschwerden, sonst hätte die Feier ohne mich stattgefunden.
    Seit genau 6 Monaten ist der Kleine nun da und ich seine Welt. Jeden Abend geh ich noch gegen halb 7 mit ihm ins Bett, weil er nachts ständig trinken will. Ich bespaße ihn den ganzen Tag und kümmere mich um den Haushalt, ich versuche ihm all seine Bedürfnisse schnell zu erfüllen. Ich stille ihn noch voll und könnte somit noch gar nicht wieder arbeiten gehen. Momentan denke ich, dass ich dieses erste Jahr voll für ihn da sein möchte, da er ja auch nichts dafür kann, das seine Mama keine Vollblutmama ist. Mit einem Jahr wird er in die Kita gehen und ich wieder arbeiten (allerdings in Schutz der Elternzeit nicht voll, da wir keine Familie In der Nähe haben, die bei Krankheit o.ä. auf ihn aufpassen kann). Ich hatte fast wöchentlich Kontakt zu Kollegen und war mit ihm auch einige Male da (u.a. zu Schulungen). Ich kann mir nicht vorstellen noch länger zu Haus zu sein, auch wenn ich weiß das es sehr stressig werden wird und ich eigentlich auch finde das man mit einem Jahr noch ganz schön klein für Fremdbetreuung ist. Leider ist es bei uns auch so, das mein Mann deutlich mehr verdient und somit nur 2 Monate Elternzeit nimmt (beide haben wir einen Master-Abschluss) und der Rest an mir „hängen“ bleibt.
    Ich denke du wirst deinen Weg finden und ihr als Familie werdet damit glücklich. Ich drücke beide Daumen!!!

  • Auch_ich

    Ich bin sehr dankbar für diesen Bericht! Ich befinde mich in einer ähnlichen Situation – 28, Doktorandin und bewusst schwanger geworden. Du beschreibst Gefühlslagen, die ich haargenau nachempfinden kann! Obwohl ich schon ganz am Ende der Schwangerschaft bin… immernoch gibt es Zweifel und Unsicherheiten bei mir.
    Ich bin froh zu wissen, dass ich damit nicht alleine bin – denn bisher habe ich kaum Frauen getroffen, die solche Bedenken und Ängste offen aussprechen.
    Ich würde mich über einen Austausch mit dir / aber auch anderen zu dem Thema freuen!

  • Sybille

    Liebe Janina,

    mir ging es ziemlich ähnlich wie dir. Lange Zeit wollte ich gar keine Kinder und mit 28 wurde ich dann schwanger. Ich hatte sehr ambivalente Gefühle in mir während der Schwangerschaft. Am schlimmsten war mein Umfeld für mich, alle haben sich riesig gefreut und diese Freude hat mich erdrückt. Auch die Erwartungen an die Mutter nach der Geburt waren zum Teil eine ziemliche Last für mich. Ich bin nach einem halben Jahr wieder arbeiten gegangen und mein Mann hat fur ein halbes Jahr übernommen. Man muss sich als Mutter für alles rechtfertigen: Bleibt man drei Jahre zu Hause, ist es zu viel. Geht man früh wieder arbeiten, ist man zu karrieregeil, usw. usw. Männer haben es doch wesentlich leichter.

    Mittlerweile habe ich ein zweites Kind bekommen und ich liebe die zwei kleinen zuckersüßen Monster. Ich liebe aber auch meinen Job. Und ja, mein altes Leben fehlt mir auch. Dennoch würde ich im Nachhinein nichts rückgängig machen.

    Alles Gute für Dich!

  • SA

    Liebe Janina,
    Ich habe mich sehr angesprochen gefühlt von Ihrem Artikel. Ich bin über 30, promoviert, muss in den nächsten 2-3 Jahren eine Professorenstelle für mich einfädeln, und… wir versuchen seit Anfang des Jahres Nachwuchs zu zeugen. Ich bin sicher dass ich Kinder möchte, aber nicht sicher ob ich mir damit nicht das Leben ruiniere. Ich bin aber auch zum ersten Mal in meinem Leben an einem Punkt wo es möglich scheint und nicht völlig unmöglich alles zu vereinbaren. Könnte ich „Vater“ werden und müsste nicht Mutter sein, wäre alles wahnsinnig viel einfacher. Für meinen Partner, der schon einen fast erwachsenen Sohn hat, sind Kinder etwas absolut wundervolles, und das obwohl ihm der Kleine damals das Leben unverhofft gewaltig umgekrempelt hat. Reden Sie mit Ihrem Mann (es klingt als hätten Sie sehr gut gewählt). Dass mein Partner weiss, dass bei mir ab und an die Panik aufkommt wenn ich an eine Zukunft zu dritt denke hilft immens. „Wir kriegen das gemeinsam hin“ ist wahnsinnig wichtig. Ich glaube nicht, dass Sie ihm mit Ihren Sorgen die Freude verderben, im Gegenteil, sie können damit die Partnerschaft stärken, was glaube ich sehr wichtig ist, damit man sich nicht einsam und alleingelassen fühlt wenn es mit dem Kind dann mal zu viel wird.
    In unserem Fall, können und wollen wir uns beide beruflich keine langen Auszeiten leisten. Wir leben in den USA und mir werden die Unterschiede zu Deutschland zum Thema Kinderauszeiten und Betreuung sehr bewusst. In den USA gibt es quasi gar keine staatliche Hilfe, keine Elternzeit, kein Kindergeld. Jeder muss selbst sehen wie er sich organisiert. In unserem Fall (beide Eltern wollen so schnell wie möglich wieder arbeiten und Großeltern sind nur bedingt im Stande zu helfen) wird das vor allem sehr teuer. Auf der anderen Seite werden hier in den USA verschiedene Lebensmodelle nicht von anderen Leuten bewertet wie das in Deutschland der Fall ist. Jeder soll es sich so einrichten wie es am besten passt. Das ist sehr erfrischend (wenn man es sich leisten kann). In den USA ist es zum Beispiel kein allzu großes Problem hochschwanger zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen. Die Einstellung ist: wenn frau den Job haben will, dann arrangiert sie das schon irgendwie. Es wird kein großer Unterschied gemacht zwischen Vätern und Müttern. Kinder zu bekommen sollte in Deutschland so viel einfacher sein, mit all der sozialen Unterstützung, aber in den Köpfen ist immer noch ein sehr bestimmtes Mutterbild verankert, dass es so in anderen Kulturen (modern und historisch) nicht unbedingt gibt.

  • Vanessa

    Hey Janina,
    ich würde deinem Mann ehrlich über deine Gefühle und deinen Zustand berichten. Ich könnte mir vorstellen, dass es dann besser wird! Du musst gar nichts, auch nicht dich freuen (freust du dich nie nie nie?). Das Kind kommt eh und dann wird’s wie’s wird. :-) Aber irgendwas in dir scheint es auch zu wollen, denn abtreiben wolltest du offensichtlich auch nicht.
    Ich wünsche dir und euch viel Glück!
    Vanessa

  • Gast

    Sehr interessant solche Gedanken mal schwarz weiß gedruckt zu sehen. Mir ging es ähnlich als ich mit 27 schwanger wurde, ungeplant aber nicht unngewollt. Mein Mann und ich wollten auch Kinder haben, aber eben noch nicht unbedingt zu dem Zeitpunkt. Ich hatte gerade eine neue Promotionsstelle in der Schweiz angefangen und mein Mann lebte in München. Er freute sich riesig über den positiven Schwangershaftstest, ich habe nur geheult und Angst vor der Zukunft gehabt-schließlich war meine Ausbildung noch nicht abgeschlossen. Natürlich hatte ich dann auch die üblichen schwangerschaftssymtome wie Übelkeit und Müdigkeit und schimpfte den ganzen Tag darüber, denn sie hielten mich davon ab ab produktiv arbeiten zu können. Ich hab es aber hingenommen und mir einfach gedacht, es wird schon irgendwie, habe mich fast gar nicht mit mir und der Schwangerschaft auseinandergesetzt als Symptome nachließen. Dafür kam dann der Schock danach. Genau wovor du Angst hattest, das trat bei mir nach der Geburt ein. Ich hatte auch keine Freunde bei denen ich hätte vorfühlen können was es bedeutet ein Kind zu haben, 24h und 7 Tage die Woche davon abhängig zu sein und sein vorheriges Leben aufzugeben. Das hört sich jetzt schlimm an und ich will dir damit in keinem Fall mehr Angst machen. Im Gegenteil, ich glaube es ist sehr gut, sich vor der Geburt mit der Thematik auseinanderzusetzen und dann ist es sicherlich gar nicht so schlimm wie man es sich vorgestellt hat. Bei mir war es eben andersherum! Ich habe es gehasst den ganzen Tag mit dem Kind alleine zu Hause zu sein, mir ist die Decke auf den Kopf gefallen. Mit neun Monaten ist mein Sohn dann in die Kita gegangen und ich habe wieder angefangen zu arbeiten. Das hat sich angefühlt wie ein Stück Freiheit zurück zu bekommen. Mittlerweile ist er 2 Jahre alt und alles ist viel einfacher geworden, ich fühle mich wieder freier, er könnte auch mal zur Oma und wie weit verreisen (ich liebe Reisen!). Allerdings haben wir uns jetzt für ein zweites entschieden, denn wenn man einmal an den Verzicht gewöhnt ist, dann kriegt man ein zweites auch noch mit durch ;). Ich muss auch zugegen, dass ich mich, natürlich getreu der Andeutungen anderer Eltern) verändert habe. Mein Beruf und meine Selbstverwirklichung hat nicht mehr die höchste Prioriät und ich baue manchmal gerne Türme aus Klötzen , was ich vorher nie gedacht habe. Trotzdem bin ich froh nicht als Hausfrau am Herd zu stehen und das wird sicherlich auch nach dem Zweiten so bleiben :). In dem sinne, viel Glück euch !

  • Anna Niewianda

    Ich finde den Text erschütternd. Ich frage mich was viele junge Frauen dazu umtreibt so eine Angst oder gar so eine Panik zu empfinden, wenn man Mutter wird.

    Und das als Feministin? Mir ist aufgefallen, dass viele Pfeiler des Feminismus sich an partriachalischen Werten orientieren. Gehört denn das Muttersein nicht auch zur Identität des Feminismus? Ich weiß nicht, ich finde es immer wieder seltsam diese panischen Texte von jungen gut ausgebildeten Frauen zu lesen. Man lässt sich die Freude auf das eigene Kind duch irrationale Ängste nehmen und suhlt sich in Selbstmitleid.

    Und nun zur Autorin:
    Ich würde mich auch als Feministin bezeichnen, meine akademische Karriere war etwas holprig, aber ich habe alle Titel die mir wichtig sind und ich errreichen wollte. Es war allerdings nicht leicht. Ich habe vier Jahre für einen Master gebraucht, in diesen vier Jahren habe ich zwei Jahre Vollzeit gearbeitet und dann zwei Jahre Pause für meinen kleinen Sohn gemacht. Da ich im Ausland lebe, hat mein Mann in dieser Zeit natürlich die finanzielle Last gehabt. Alles hat geklappt, aber nach Plan liefen viele Sachen nicht.
    Die Schwangerschaft ist eine sehr sehr physische Geschichte, das wird oft verklärt bis zu dem Zeitpunkt wo man sich schlau macht und andere Mitschwangere kennenlernt. Aber es war trotzdem schön. Das Elefanten-Dasein im letzten Drittel kann man nicht vermeiden, man kann aber Glück haben. Ich habe mein ganzes Zugewicht und meine elefantischen Wasserfüße (hochschwanger im Hochsommer) schnell wirder verloren. Dafür musste aber meine Gallenblase vier Monate noch meinem Kaiserschnitt entfernt werden…das war allerdings genetisch bedingt und soll jetzt auch nicht weiter verunsichern.
    Plötzlich Mutter zu sein ist wirklich eine große Herausforderung und macht psychisch fertig. Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass es wichtig ist Hilfe anzunehmen und auch welche zu haben. Wenn die Familie aushelfen kann, dann nimm die Hilfe an. Ein Kind, kann eine Mutter alleine nur sehr schwer großziehen.
    Die ersten drei Monate nach der Geburt sind wirklich schrecklich. Anders kann ich es nicht sagen. Aber es wird danach sehr viel besser und zur Not kann man sich mal mit einem Therapeuten unterhalten. Ich habe gelernt, dass man sich nicht unter Druck setzten sollte. Babys sind sehr anhänglich und es kann sein, dass man stundenlang mit Stillen und Herumnuckeln verbringt. Das geht aber vorbei und später kann man wieder mehr Zeit für sich haben und Gedichte schreiben.

    Bei all den negativen Sachen, die immer über das Elternwerden geschrieben werden kann ich nur sagen, dass es schwierig ist die schönen Seiten zu quantifizieren. Denn vieles davon ist emotional und lässt sich schwer beschreiben. Die eigene Person entwickelt sich weiter. Wenn man Mutter wird, verändert sich der Charakter oder besser gesagt, es kommen neue Facetten zum Charakter hinzu. Kinder lieben absolut unverbindlich. Das Kind wird auf die Welt kommen, keine deiner Selbstzweifel sehen und es wird dich über alles lieben. Das Baby wird dich so sehr lieben, dass es immer bei dir sein will, was es dich zu Beginn psychisch fertig machen wird, aber man kommt irgendwann damit zurecht :D Emotional gesehen ist Mutter – oder Elternwerden sehr schön. Und manchmal will man nur weg. Das ist normal, Selbstzweifel hat jeder und jede Mutter empfindet das so, auch wenn viele vielleicht immer noch nicht darüber sprechen. Ich kann es aber nicht so gut durch Worte beschreiben, weil man es selbst irgendwie erlebt haben muss. Ich fühle mich besser, gereifter im Charakter und sehe es als wunderbaren Zugewinn für meine persönliche Identität. Mein Sohn ist allerliebst, also meistens :D

    Entspann dich, der Rest fügt sich schon. Das Leben verläuft nicht immer nach Plan aber es geht weiter und Kinderkriegen ist nicht das Ende der Welt und auch nicht das Ende des vorhandenen Lebens. Am Anfang wird es so wirken, aber es geht vorbei und man muss auch ein bisschen darum kämpfen das man das neue und das alte Leben miteinander vermengen kann.
    Klar ändern sich Dinge und Prioritäten und man benötigt Hilfe, eine gute stabile Beziehung um Dinge zu meistern. Aber das Leben ist nicht vorbei. Im Gegenteil, mir gefällt mein Leben so viel besser.
    Wir reisen, manchmal reise ich auch für ein paar Tage alleine, ich habe einen sehr erfüllenden Job, meinem Sohn geht es gut und er hat eine gute Betreuung (ich arbeite Vollzeit). Das geht auch nur mit Hilfe und mit einem Mann, der kein partriachalisches Verständnis hat.

    Versuch dich zu entspannen, alles wird gut! (nach den ersten drei Monaten ;))

  • Mina

    Über diese Zweifel und Gefühle zu schreiben oder zu sprechen ist wichtig. Die meisten gehen einfach davon aus, dass eine Schwangerschaft das non-plus-ultra in einer Partnerschaft und im Leben einer Frau ist. Dass man wie bei jeder anderen Entscheidung im Leben aber eben auch hier Zweifel und Ängste haben darf, wird von vielen nicht akzeptiert. Meine Gedanken waren immer sehr ambivalent. ich wollte unbedingt ein Kind, habe es mir mein ganzes Leben lang schon gewünscht und dachte immer, ich werde eine dieser Übermütter, im positiven Sinne, mit 3, 4 oder auch 5 Kindern. Denn es gibt doch nichts Schöneres auf der Welt, als Kinder zu bekommen, oder? Erst als ich schwanger war, wurde mir schlagartig bewusst, dass sich nun alles ändern würde, und das vielleicht nicht nur zum Positiven. Ich habe mit der Entscheidung, schanger zu werden, sehr gehadert. Und nein, nach der Geburt bzw. jetzt 5 Jahre später, sehe ich es nicht komplett anders. Ich liebe mein Kind wahnsinnig, es ist wirklich eine bedingungslose Liebe für die ich sehr dankbar bin. ich habe zum Glück auch ein wirklich unkompliziertes Kind, was es mir leichter macht. Dennoch habe ich immer noch manchmal Zweifel an der Entscheidung. Nicht an meinem Kind, das möchte ich nie wieder missen, aber an der Entscheidung, dass man unbedingt ein Kind „braucht“ um ein erfülltes und tolles Leben zu führen. Einen Vertrag kann man kündigen, ein Haus verkaufen, man kann sich scheiden lassen….Alle Entscheidungen, die man trifft, kann man rückgängig machen. Aber Dein Kind bleibt Dein Kind, für immer. Diese Tatsache kann einen schier verrückt machen. Wichtig ist, dass man für sich selber einen Weg findet, den man zu 100% vertritt. Mein Kind ist seit Beginn an regelmäßig ein paar Tage am Stück bei den Großeltern. Wir Eltern, und vor allem ich, können dann noch mal nur wir selbst sein, Akkus aufladen, frei von Rollenzwängen sein, sich wieder als Paar fühlen. Und nach den paar Tagen, freue ich mich wieder riesig auf mein Kind und habe wieder volle Energie, weil ich eine zeitlang einfach eben nicht die Verantwortung schultern musste. Für uns funktioniert das perfekt, auch wenn wir von unserem Umfeld dafür teilweise angefeindet werden. Mittlerweile habe ich aber verstanden, dass nur man selber weiß, wie man glücklich ist. Da hilft nur ausprobieren und den eigenen Weg finden. Und Menschen suchen, mit denen man sich über genau diese Ängste und Zweifel und Lebensentwürfe austauschen kann.

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  • Luz Marina Mahecha

    Ich wünsche dir, dass du dich immer findest, wenn du dich mal verlieren solltest <3

  • Luz Marina Mahecha

    Und, was ich ganz wichtig finde und mir und anderen gerne sage: kein Gefühl, was man hat, ist falsch.
    Ich wünsche der Autorin alles Gute :)

  • Miriam

    Ach, das war genau das, was ich heute lesen musste. Danke! ❤
    Ich bin in einer sehr anderen Situation als du (auch Feministin, aber der Vorstellung zumindest Halbtagsmama zu sein nicht abgeneigt, außerdem bisher ohne das abgeschlossene Studium…). Und auch ich hadere seit dem positiven Test vor ein paar Wochen. Ich habe mir das so sehr gewünscht und plötzlich merke ich, dass das Leben nie wieder das selbe sein wird. Natürlich wusste ich das, so naiv bin ich ja auch wieder nicht. Aber plötzlich wird aus der Möglichkeit ein Definitiv. Und das macht Angst.
    Irgendwie ist die Erwartung, dass die Entscheidung für ein Kind das Leben ausschließlich positiv verändert so groß. Aber da sind so viele Dinge, die ich vermissen werde. Das nur zu zweit sein, das nur für mich verantwortlich sein, die Zeit, den richtigen Platz für mich in der Welt zu finden…
    Wie auch immer… Vielen Dank für deinen Text. Mit der fehlende Freude und der Panik nicht alleine zu sein, nicht merkwürdig und falsch zu sein, beruhigt ungemein!