Lieber Freund, der Donald Trump als US-Präsident gewählt hat

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Dieser Text erscheint aus aktuellem Anlass auf Deutsch und auf Englisch.

Lieber Freund, der Donald Trump als US-Präsident gewählt hat,

Ich sitze hier, erschöpft und traurig in einem Hotelzimmer auf meiner Seite des Ozeans zwischen uns und ich frage mich, wie es dir heute geht.

Freust du dich, dass dein Kandidat gewonnen hat? Bist du glücklich? Hast du dir am Morgen nach der Wahl einen Kaffee gemacht und gedacht „Gut gemacht, Amerika“? Glaubst du, dass deine Wahl dein Land wirklich wieder großartig macht, so wie es der Kandidat, den du gewählt hast, euch versprochen hat? Und was soll das überhaupt heißen, „wieder großartig“? Für nicht wenige Menschen in deinem Land war es das nämlich niemals. Amerikanische Ureinwohner, die von weißen Siedlern ihres Landes beraubt wurden, kolonialisiert und in Reservate gezwängt. War das die Zeit, in der Amerika „großartig“ war? Oder war es, als Schwarze ausgebeutet wurden, Nachfahren von Sklaven, die von Weißen nach Amerika gezwängt wurden, um mit ihrer Arbeitskraft und ihrem Leben Wohlstand für Weiße und nur für Weiße zu erschaffen? Wann war Amerika für Nicht-Weiße Menschen jemals großartig? Damals, als Weiße Schwarze wie Vieh behandelten, später wie Bürger zweiter Klasse, mit denen sie nicht einmal einen Wasserhahn teilen wollten, geschweige denn eine Sitzbank im Bus? War es, als Weiße sich weigerten, ihre Kinder auf die gleichen Schulen wie Schwarze zu schicken oder wegzogen, wenn Schwarze ein Haus in der Nachbarschaft kauften? War dein Land großartig, als unbewaffnete schwarze Männer und Frauen durch Polizeigewalt getötet wurden, weil ihr einziges Verbrechen war, nicht weiß zu sein und zur falschen Zeit am falschen Ort? Bist du nach der Wahl aufgewacht und hast geglaubt, dass deine Entscheidung die Wunden, die dieses Land trägt, heilen wird?

Ich kann dir sagen, wie mein Morgen nach der Wahl anfing. Ich wachte eine Stunde vor meinem Wecker auf und starrte zögernd auf mein Telefon. Den Abend zuvor war ich ins Bett gegangen ohne Ergebnisse abzuwarten. Beim Einschlafen hatte ich Angst gehabt, in einer neuen, schlechteren Welt aufzuwachen. Ich blieb liegen und schloss die Augen, um mir eine weitere Stunde einreden zu können, dass alles ok wäre, wenn ich mein Telefon einschalten und die Ergebnisse sehen würde.

Aber da lag ich falsch.

Mein Magen drehte sich um, als ich die ersten SMS sah. Freunde, die live die Auszählung verfolgt hatten, hatten mir Nachrichten geschickt. Ich scrollte nach unten und schaute mir die letzten Nachrichten an, weil ich wusste, dass diese am wichtigsten sein würden. „Ich verstehe das nicht“, stand in einer. Und in einer anderen von meinem Freund, der wusste, dass ich die Wahl mit Angst erwartet hatte: „Es tut mir wahnsinnig leid. Ich wünschte, ich könnte dich in den Arm nehmen“. Ich schloss die Augen und kämpfte mit den Tränen. Ich fühlte mich betäubt. Aber ich fühlte noch etwas anderes, und das irritierte mich. Ich fühlte mich verraten.

Ich versuchte, dieses Gefühl nachzuvollziehen. Als ich ein paar Stunden nach dem Aufwachen bei einem Geschäftstermin einen US-Amerikaner traf, sagte ich ihm: „Das Ergebnis fühlt sich wie Verrat an“. Der Mann sah mich an, dann ließ er den Kopf hängen. Er sagte „Ja, das Wort bringt es auf den Punkt“.

Warum Verrat? Warum nicht Wut, Trauer, Angst?

Für mich ist die Antwort heute klar.

Der Job der Mehrheit ist es, die Rechte der Minderheit
zu schützen, nicht, sie ihnen wegzunehmen

Es ist eine Sache zu erfahren, dass viele Leute diesen Typen gewählt haben. Leute, die dem Mann Zugang zu Nuklearwaffen gegeben haben, der glaubt, es sei ein Zeichen von Schwäche, Atomkriege zu verhindern. Ein Mann, der Null Erfahrung hat, politische Arbeit zu leisten. Ein Mann, der Null Engagement für irgendein anderes Anliegen als den eigenen Wohlstand gezeigt hat. Ein Mann, der die grundlegendsten Prinzipien der Demokratie lächerlich macht oder ignoriert. Ein Mann, der nicht versteht, dass es die Aufgabe der Mehrheit ist, die Rechte der Minderheit zu schützen und nicht, sie ihr zu nehmen.

Das alles ist schlimm genug. Aber was mich wirklich fertig macht, ist, dass Menschen wie du diese Wahl getroffen haben. Menschen wie du haben einen Typen gewählt, der auf einer Wahlkampfveranstaltung einen Mann mit Behinderung nachäffte und lächerlich machte. Menschen wie du haben einen Mann gewählt, dessen einzige Reaktion auf Kritik übelste, persönliche Beleidigungen und Bedrohung seines Gegenübers sind. Ein erwachsener Mann, der ungehobelt verhält, weil er Frauen beleidigt, lächerlich macht, sie nur nach ihren Körpern beurteilt, klein macht und behandelt wie Idiotinnen. Besonders die Frauen, die es wagen, ihn für seine Aussagen zu kritisieren. Menschen wie du haben einen Mann gewählt, der Frauen sexualisierte Gewalt angetan hat. Ein Mann, der auf einem Tonband zu hören ist, wie er damit prahlt, Frauen sexualisierte Gewalt anzutun.

Du hast diesen Mann zum Präsident gemacht.

Du hast entschieden, dass solches Verhalten angemessen für den Typen ist, der dein Land regiert.

Deine Stimme steht für: „Es ist ok, Frauen so zu behandeln und ein mächtiges Amt zu bekleiden“.

Und genau das, mein alter Freund, fühlt sich wie Verrat an.

Denn es gab eine Zeit, da hätte ich dir solche Aussagen nicht zugetraut.

Damals, als du mir sagtest, dass du Typen, die deine Schwester oder Mutter belästigen, gerne mal deine Faust „hautnah“ vorstellen würdest.

Damals, als du so sauer warst wie ich, nachdem ich dir erzählt hatte, was mir bei der Einreise am US-Zoll passiert war. Ich war vor Jahren mit meinem damaligen Freund eingereist. Weil er einen US-Pass hatte und ich nicht, mussten wir in verschiedenen Schlangen anstehen. Als ich an der Reihe war und erklärte hatte, wo die Person war, mit der ich einreiste, sah mich der Grenzbeamte an wie eine Verbrecherin. „Hast dir einen US-Bürger geangelt, um eine Greencard zu bekommen, oder?“ Ich war so perplex, dass ich nicht antworten konnte.

Als ich dir diese Geschichte erzählte, hatte ich das Gefühl, du würdest begreifen, wie es mir ergangen war. Wie es sich anfühlt, als Frau beschissen behandelt zu werden, weil du eine Frau bist. Und du dabei sogar noch Humor zeigen sollst, weil deine Wut den Typen gegenüber provozieren kann. Weil Nicht-Lächeln bedeutet, Ärger zu bekommen und deine Energie dafür aufwenden zu müssen, mit diesem Ärger umzugehen. Weil du, wenn du dich wehrst, Ärger bekommen kannst. Mindestens verbal, in manchen Fällen auch körperlich.

Vor ein paar Wochen habe ich einen Artikel darüber geschrieben, wie es ist, ab und zu in Paris zu arbeiten. Darin erwähnte ich am Rand zwei Vorfälle, bei denen Männer mich in der Öffentlichkeit belästigt hatten. Ein Vorfall fühlte sich so bedrohlich an, dass ich Angst hatte, der Typ würde mich körperlich angreifen.

Nachdem ich den Artikel veröffentlicht hatte, mailte mir der Chef des Magazins. Er sagte, er fände den Artikel interessant, aber wie geschockt er gewesen sei, dass ich den Alltagssexismus und die Vorfälle mit den Männern nur so nebensächlich in meinen Artikel gepackt hatte.

Sexismus mag Alltag sein, aber er ist nicht normal

In dem Moment wurde mir klar, wie normal diese Situationen für mich geworden sind. Wie normal es für mich geworden ist, dumme Sprüche von Typen in der Öffentlichkeit zu bekommen, angemacht zu werden, taxiert zu werden, angestarrt zu werden und „gelobt“ für Körperteile, die diese Woche auf der Speisekarte des männlichen, heterosexuellen Vergnügens stehen.

Manchmal wird mir klar, dass dies nicht Normalität ist. So einen Moment hatte ich vor ein paar Wochen, als ich durch einen Bahnhof lief und mein Blick auf ein Plakat in einem Kiosk fiel. Darauf abgebildet war die Werbung für ein neues Magazin. Es richtet sich an Leute, die glauben, dass Deutschland und die Welt vor dem Abgrund stehen, solange es folgende Dinge gibt: Islam, Feminismus, Europäische Union, Gender Studies, Einwanderung. Der Macher des Magazins verbreitet seine Sicht auf diese Themen schon länger. Was er zum Thema sexueller Belästigung denkt, musste ich nicht in seinem Magazin lesen. Ich erfuhr es vor einigen Jahren am einigen Leib, als er mich sexuell belästigte. Damals war ich in meinen Zwanzigern. Ich erzählte es niemanden, weil ich Angst hatte, dass mir niemand glauben würde. Dass meine berufliche Zukunft ruiniert werden würde, wenn sein Wort gegen meins stünde, weil er in meinem Berufsfeld so viele Verbindungen hatte.

Nach dem es passiert war, packte ich die Erinnerung daran in eine Schublade, die ich verschloss. In dem Moment, in dem ich das Poster im Kiosk sah, sprang sie wieder auf. Die Belästigung war öffentlich und dauerte glücklicherweise nur ein paar Momente. Damals hatte ich mit aufgerissenen Augen im Raum nach jemanden gesucht, der mitbekam, was passierte. Jemand, der mir helfen konnte. Mein Blick traf den einer jungen Frau, die jünger war als ich. Sie sah mich geschockt an. Wir standen beide einfach nur da, wie eingefroren und hofften, dass es aufhören würde.

Bitte halte dir vor Augen: Ich bin Deutsche, ich habe keine Behinderung, ich bin cis und ich bin weiß. All diese Dinge sorgen dafür, dass ich Privilegien habe, z.B. das Privileg, nicht auf Schritt und Tritt Fragen über meine Religionszugehörigkeit oder meine Herkunft beantworten zu müssen. Ich gehe als „normal“ durch, als nicht bedrohlich. Wenn jemand wie ich nach so einem Vorfall Angst hat, den Mund aufzumachen, kannst du dir vorstellen, wie es sein muss, wenn du nicht als „normal“ durchgehst? Wenn du ein Kopftuch trägst, wenn du transgender bist, wenn deine Großeltern nicht in Deutschland geboren wurden. Oder in den USA, in deinem Fall.

Das Märchen von Pest und Cholera

Angst und Hilflosigkeit waren damals wie heute die Gefühle, die mich beherrschten. Aber heute ist es schlimmer als damals. Weil deine Stimme für Trump eine politische Erklärung war, dass es ok ist, Frauen wie Dreck zu behandeln und damit davon zu kommen. Dass es ok ist, Frauen nach Lust und Laune und ohne ihr Einverständnis zu begrapschen, sie wie Tiere zu behandeln und trotzdem Präsident zu werden. Dass es ok ist, Frauen nicht wie gleichwertige Menschen zu behandeln und trotzdem Präsident zu werden.

Natürlich ist es auch verstörend zu sehen, dass dieser politische Wille auch von meist weißen Frauen selbst zum Ausdruck gebracht wurde, die deinen Kandidaten gewählt haben. Auch das ist Verrat. Aber was mich noch mehr schmerzt, ist, dass Leute wie du mitgemacht haben. Ein Mann, dem ich vertraut habe. Ein Mann, von dem ich dachte, er sei besser, als der Typ, den er letzten Endes gewählt hat.

Was ich nicht mehr hören kann, ist, dass dies die Wahl zwischen Pest und Cholera gewesen sei. Wenn du das wirklich denkst, sind unsere Weltanschauungen so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Ja, Hillary Clinton hat Schwächen. Ja, sie hat Fehler gemacht. Aber nein, ihre E-Mails waren nicht strafrechtlich relevant. Aber warum solltest du mir glauben, wenn du wahrscheinlich nicht mal dem FBI glaubst, das genau diese Aussage kurz vor der Wahl wiederholt hat.

Hillary hat Jahrzehnte ihres Lebens damit verbracht, sich auf dieses Amt vorzubereiten. Sie hat die Arbeit erledigt, die dafür notwendig ist. Sie war Senatorin, Außenministerin, verhandelte Friedensabkommen und lernte was es bedeutet, ein Land nicht gegen die Wand zu fahren. Sie tauchte nicht einfach mit Bräunungscreme im Gesicht und einer Karriere als Reality Show-Moderator auf der politischen Bühne auf, schrie beliebige Parolen und griff ihre Gegner an.

Sie führte ihre Kampagne nicht wie eine Reality Show, eine Beleidigung nach der anderen ausspuckend, weil nur das die Dominanz im 24-Stunden-Nachrichtenfernsehen sichert, der skrupellosen Maschinerie, die mit Journalismus so viel zu tun hat wie Cola mit einer Diät. In diesem Höllenwahljahr blieb Clinton ruhig, biss die Zähne zusammen und machte weiter. Wenn sie in Debatten angegriffen wurde, wurde sie nicht beleidigend. Wenn sie beleidigt wurde, reagierte sie nicht, indem sie auf der Bühne hinter ihrem Gegner her schlich wie ein Auftragsmörder. Sie handelte vernünftig. Sie stellte politische Programme vor, die komplexer sind als politische Gegner ins Gefängnis zu stecken und Länder in die Steinzeit zu bomben. Sie machte sich stark für Diversität und gleiche Rechte für alle Bürger deines Landes. Aber das reichte nicht, um diese Wahl zu gewinnen. Schlimmer noch: Es kostete sie diese Wahl. Weil deine Stimme es so wollte.

Ich bin überzeugt davon, dass du eine schlechte Wahl getroffen hast. Ich bin überzeugt, dass deine Wahl die Welt zu einem schlechteren Ort macht und zu Gewalt führt. Ich bin überzeugt, dass du dem Hass zum Sieg verholfen hast und der Angst. Der Angst vor den Herausforderungen einer globalisierten Welt und der Ungewissheit, welchen Platz dein Land in dieser Welt hat. Der Angst davor, deine weißen Privilegien in deinem Land zu verlieren. Was mich am traurigsten macht, ist, dass mir diese Wahl zeigt, wer du wirklich bist. Denn das, wofür du gestimmt hast, ist aus deinen Überzeugungen geboren.

Die Brücke zwischen uns

Es gab mal eine Zeit, da konnten wir uns über unsere unterschiedlichen Überzeugungen unterhalten. Waffengesetze, zum Beispiel. Wir hatten unterschiedliche Meinungen, aber wir sahen die Perspektive des Anderen. Wir versuchten, eine Brücke zu bauen. Das ist für mich die Essenz wirkungsvollen politischen Handelns. Einander nicht anzubrüllen und zu bedrohen. Einen Mittelweg zu finden. Einen Weg zu finden, der nicht im Krieg endet. Nicht Faustrecht mit Demokratie zu verwechseln. Es gab eine Zeit, da hattest du die Fähigkeit, diese Brücken zu bauen. Gestern hast du sie angezündet.

Ich wünschte, es gäbe etwas Positives am Ende dieses Briefes zu sagen. Ich fühle mich verbittert, aber das ist genau das Klischee, dass dein Kandidat genüsslich ausschlachten würde. Der Mann, den du zum Präsident gemacht hast, würde sicher viele Beleidigungen für mich finden. Ich hoffe, ich werde es nie rausfinden.

Mein Freund, ich hoffe, du schläfst heute Abend gut. Wenn du aufwachst, wird für mich nichts besser sein. Es werden keine Wunden geheilt sein, kein Trauma beendet. Das einzige, was heller sein wird, wird das Licht sein, in dem ich deine Wahl und dich sehe, weil sie nicht nur dich, sondern die gesamte Welt um dich herum betrifft. Das traurige daran ist, dass dieses Licht von dem Feuer kommt, mit dem du durch deine Wahl die Brücke zwischen uns angezündet hast.

Ich wünsche dir Alles Gute.

Juliane

Dear friend who voted for Donald Trump as US president,

I´m sitting here, exhausted and sad in a hotel room on the other end of the ocean between us and I wonder how you felt when you woke up this morning.

Were you excited that your candidate won? Happy? Did you make yourself a coffee, sat back and thought: “Well done, America”?  Were you happy because you chose the path for your country that puts it on the way to…what? Greatness? Did you think about what that word means for you and what the slogan your candidate used as his main political statement in his campaign – to make America great again – means for others? Especially the “again” part? Native Americans who got robbed, killed, forced into reservations in America’s past, the one that was so “great”. Black people, descendants of former slaves, who were exploited by white people to build wealth for white Americans and white Americans only – when do you think was the time America was so great for this group in your country, historically speaking? That time white people treated them and their descendants like cattle, later like second class citizens, lynching them and doing anything not to have desegregated schools or neighborhoods? Or that time police violence against Blacks put a spiral of violence in action that led to more deaths, more lives wasted in an undeclared war. Did you wake up thinking you made a decision to heal these wounds?

My morning started with waking up, staring at my phone and hesitating to get it out of flight mode. I had gone to bed without knowing any results of the election, dreading and fearing that I would wake up in a different world than the world I had gone to sleep in the night before. I turned around once more, giving myself one more hour of make-believe that the world would be and could be ok, even after I´d connect my phone to the internet and see the election results.

I was wrong.

My stomach dropped when I saw the first incoming messages. Friends, watching the polling during the night and updating me. I only looked at their last messages. I knew they were the only ones I needed to see what had happened. “I don’t understand this”, said one. And another one, coming from my boyfriend who knew how anxious I had felt about this election: “I´m so sorry. I wish I could be there to hug you”. I closed my eyes and began to fight back the tears when I read it. I felt numb. But I also felt something that irritated me. I felt betrayed.

I´ve tried to make sense out of it. I said, “This result feels like a betrayal” to a guy from the US during small talk at a business meeting I had later that morning. He looked at me, fighting tears, hanging his head and said: “Yes, this is exactly how it feels for me too.” So why betrayal? Why not just disillusion? Sadness?

For me, it’s clear.

It’s one thing to know that a lot of people voted for this guy. Enough people to give him power and access to the nuclear codes of your country. It’s one thing to realize that people trust a guy to run a country which has zero experience in political work, has shown zero engagement for any other cause than his wealth and has zero interest in or understanding of basic democratic principles – that it’s the job of the majority to protect minorities rights, not take them away, for instance.

It’s another thing to realize it was people like you who made that choice. People like you who voted for the guy who mocked and ridiculed a person with a disability during one of his rallies. A guy whose only way of coping with people disagreeing with him is bullying them and threatening them. A grown-up man behaving like a frat boy, calling women names, ridiculing them, shaming them for their bodies, trying to belittle them on any occasion he is criticized by them. A man who assaulted women. A man who can be heard on tape bragging about assaulting women.

You chose that man to be your president.

You chose that behavior to be fitting for a guy running your country.

Your choice said “I think it’s ok to do this to women and hold a powerful office.”

And this, my old friend, feels like a betrayal.

Because once you told me, you’d give any guy harassing your sister the “wall to head”-treatment.

Because once you told me to write down the name of the guy at customs who had asked me if I had “bagged myself a US citizen” when my then-boyfriend, a guy with a US-passport, and I had entered the US and had to queue in different places at the airport. The guy at customs had looked at me like a piece of trash. Like I was a criminal.

Once I could tell you how it feels to be in these situations. How if feels to smile through the shit you get as a woman because you’re a woman and you need to not only smile, but also appease male egos. To minimize the noise and the fights. And sometimes to literally not get harmed.

I recently wrote a short article about traveling to Paris in which I mentioned two incidents of street harassment, one of them being so uncomfortable I feared for my safety at the time. After I published the article, the CEO of the magazine I had written the article for called me. He said he found the article interesting, although he didn’t agree with everything. And then he said he was shocked about the harassment and especially how casually I had put it in the article (it was not the topic of it).

That was the moment that I realized how normal these situations had and have gotten for me. How I got used to being catcalled, belittled, gazed at and evaluated by the size of my breasts or my butt or whatever body part is on the menu of heterosexual male enjoyment of the week.

Sometimes I snap out of that feeling that this is just how normal life has to feel. I had one moment like this a couple of weeks ago. I walked through a train station when a billboard in a newspaper stand caught my eye. It showed the advertisement for a new German magazine, done by and focused on right wingers. The magazine founder regularly slams migration, Islam, feminism, and gender theory. I haven’t read anything he wrote about everyday sexism or sexual assault against women. I didn’t have to. He assaulted me when I was in my 20s. At the time, I never said anything about it publicly, fearing nobody would believe me or my reputation would be dragged into the gutter by the guy who had way more connections than I did.

I had put the memory of that event away in a drawer in my mind, deeply locked. It sprung open when I saw the picture and the name. What also came back was that in the moment of the incident, which happened publicly and luckily only lasted a few seconds, my eyes widened in shock and I looked around, searching for somebody seeing this, somebody being able to help me. I locked eyes with a young woman, younger than me. I will not forget how she looked at me. She was as shocked, just like me. And we both just stood there, frozen, helpless.

Remember: I am German, able-bodied, cis, white. If checking these weird little “identity” boxes the guy you voted for seems to find so important and normal didn´t keep me from getting assaulted, can you imagine how life is for women or transpeople NOT fitting in there?

Agony and helplessness are the feelings I have today as well. But it’s even worse. Today was a political declaration that it is ok to treat women horribly and get away with it. To grab them by any part of their body, like animals and still be president. To dehumanize them and still be president.

It’s disturbing on a whole other level to realize that this declaration of political will was also made by women. But what hurts me most is that people like you joined them. Men I thought I could trust. Men who I thought would be better than that.

And please don’t tell me this was a choice of lesser evils. If you really feel this way, our ways of defining evil are extremely different. Yes, Hillary Clinton might have her weaknesses, she might even have made mistakes in her life. But no, her emails don’t make her a criminal. But you wouldn’t even believe the FBI when it states that fact publicly.

She devoted decades of her life and her career to prepare for this job. She did the work that was necessary. She didn’t just show up in a spray tan, shouting and bullying her opponent. She didn’t run a campaign like a reality show, feeding the journalism disaster zone and irresponsible money-making machine that is 24h-news-television. In this hellish year of election, she kept her calm. She ground her teeth, but she kept going. When she was attacked in the debates, she didn’t counter with bullying. When she was called names, she didn’t creep behind her opponent aggressively the next time it was his time to answer questions. She did what a decent person what do. She stood up for diversity and equal rights. It wasn’t enough to win this election. Worse than that: It even cost her the election. Because that was the choice you made yesterday.

I’m convinced it was a very bad one. I’m convinced it was a choice bringing the world to a worse place, creating violence down the road. I’m convinced you did let hate speak, as well as your white privilege and the fear to lose it. But what bothers me most is that it’s a choice that makes me question if I ever saw you for what you really are. Because a man’s choice is what comes from that man’s conviction.

There was a time when we could have a conversation about a topic we disagree on  – gun control for instance – and we would not share the other person’s opinion, but we would see their perspective. And then we would try to build a bridge over that gap. That for me is the essence of productive, meaningful political action. Not to shout at each other, but to find a way in the middle. At least one that does not end in a war. You proved to me a long time ago you have the capacity to build bridges like this. Yesterday, you burned them down.

I wish there is something hopeful or positive I could write to end this. I feel bitter and I feel it’s such a cliché to feel bitter as a woman in her thirties. Your new president would certainly find colorful names for me.

I hope I never find out.

My friend, I hope you sleep well when you go to bed tonight. When you wake up, nothing will be better for me. No wounds will be healed. No trauma will be undone. The only thing brighter will be the light in which I see you and the choices you’ve made, affecting you and the world around you. The bad thing is, that’s the light coming from the bridge between us that was set on fire with this election.

My best

Juliane

  • Nils Smith

    Liebe Juliane, danke für den schönen Text. Ich habe Donald Trump nicht gewählt. Wenn aber, stellvertretend gesprochen, alle Brücken, die „uns“ verbanden, für mich in den Untergang führen, warum sollte ich Mr Trump keine Chance geben? Das ist doch Demokratie, oder? Politiker werden von Wählern viel zu oft am Reden gemessen und nicht am Handeln. Wie wäre es umgekehrt? Darüber denke ich nach. Meine Familie hat lange SPD gewählt, dann hat diese „Partei der kleinen Leute“ Hartz IV eingeführt und hundertausende Menschen sind sozial abgestürzt. Ihr gewohntes Leben, Ihre Sicherheiten, alles weg. Wem hat das genutzt, diesen Menschen sicher nicht oder siehst Du das anders? Vielleicht dem Arbeitsmarkt, vielleicht der Wirtschaft, aber den Menschen, diesen Wählergruppen, Ihren Kindern nicht. Lidl statt Lebensperspektiven, Stigmatisierung statt Stabilisierung. Viele haben das nicht vergessen. Die Bundestagswahl kommt…