Schmerz-Outsourcing – Zu selbstverletzendem Verhalten

Foto , CC BY 2.0 , by Neal Fowler

Dies ist ein Beitrag aus unserer Rubrik kleinergast, in der wir alle Gastartikel veröffentlichen. Die Autorin arbeitet gerade an ihrer Doktorarbeit im naturwissenschaftlichen Bereich. Sie möchte anonym bleiben.

[Triggerwarnung: Beschreibung von selbstverletzendem Verhalten, Erwähnung von Essstörungen.]

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel entstand lange vor und vollkommen unabhängig vom derzeit diskutierten Hashtag #RedenstattRitzen.

Anmerkung der Autorin: Dieser Text soll keine genaue Analyse oder Beschreibung von selbstverletzendem Verhalten als Symptom von psychischen Problemen sein. Ich bin keine Psychologin und habe nicht die Ausbildung und Erfahrung, das Ganze unter fachlichen Gesichtspunkten auseinanderzunehmen.

Dieser Text ist (m)ein Erfahrungsbericht. Wie die Sache bei mir angefangen hat, und wie sie bis heute weitergeht. Dinge, die ich in diesem Zusammenhang als störend oder hilfreich empfinde, sind daher als meine persönliche Meinung anzusehen.

Selbstverletzendes Verhalten (im Folgenden mit SVV abgekürzt) scheint für einige Leute einherzugehen mit schwarz-gekleideten Teenager_innen, die gerade eine schwierige Phase durchmachen und durch dieses Verhalten auf ihren Schmerz/ihre Probleme/die Pubertät aufmerksam machen wollen. Mir kam und kommt es so vor, als sei das eine weit verbreitete Auffassung von bzw. Verbindung zu SVV. RTL hat das auch mal vor ein paar Jahren in einem unsäglich dämlichen Beitrag verwurstet, wo es um Emos ging (und auch ich selber hab mir schon Kommentare in diese Richtung anhören müssen – dazu später mehr). Der Beitrag beschreibt da SVV als eine Eintrittskarte in die „Szene“, und es wird auch gesagt, dass dieser Hang zur Selbstverstümmelung oder Selbstverletzung von tiefen Beziehungsstörungen zeugt, und ein Schrei nach Aufmerksamkeit und Nähe ist. Teilweise stimmt das vielleicht auch, denn in der Regel verletzt du dich nicht selbst, weil es dir gerade total super geht und dir die Sonne aus dem Hintern scheint. Aber SVV ist nichts, was nur bei Mitgliedern einer bestimmten Szene oder nur während der Pubertät auftritt.

I hurt myself today…

Bei mir hat es angefangen, als es mir wirklich wirklich dreckig ging. Ich war 16, und aufgrund der Trennung meiner Eltern und anderer Faktoren zuhause ging es mir nicht gut. Hinzu kamen ein Schulwechsel und der Wechsel in eine andere Stufe. Ich war emotional gnadenlos überfordert von all den Dingen um mich herum und in mir drin und eines Abends habe ich einfach angefangen, mir die Unterarme aufzukratzen. Plötzlich war da ein Ventil für diesen Druck, der durch Weinen nicht wegging.

Ich habe am Anfang auch nie großartig versucht, es zu verstecken, sondern habe es Leuten teils sogar regelrecht gerne erklärt (“Wenn ich seelischen Stress habe, kommt das körperlich zum Ausdruck” – das war in etwa die Formulierung, die ich damals wählte). War das jetzt ein Schrei nach Aufmerksamkeit? Nach Zuneigung? Irgendwie nicht. Nachdem keine_r so wirklich nachvollziehen konnte, was ich da machte und auch niemand nach dem Warum fragte, fand ich es eher unangenehm, wenn die Menschen um mich herum es mitbekamen. Und es wurde dadurch auch nicht besser. Eine Freundin reagierte unglaublich bestürzt und erzählte mir, sie sei erstmal in Tränen ausgebrochen, als sie davon hörte. Not helping.

Also behielt ich das Ganze fortan für mich. Wenn es passierte und dann bemerkt wurde, reagierte ich mit blöden, fadenscheinigen Erklärungsversuchen („verbrannt“, „Allergie“, „trockene Haut im Winter, dann juckt die immer total“) und einem Pflaster, und gut war’s. Genauer nachgehakt hat dann niemand. Aber für mich war SVV immer noch ein gutes Mittel, mit Stress klarzukommen – auch nachdem ich von Zuhause ausgezogen war und mein erstes Studium begonnen hatte. Schwieriger wurde es, als ich meinen ersten Freund hatte – vor jemandem, der dir so nah steht, kannst du bzw. konnte ich das nicht verstecken, und er war gnadenlos überfordert. Ich auch. Der Versuch, eine Therapie zu beginnen, scheiterte, und ich machte weiter wie bisher. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich es meist auf kleine Stellen beschränkt, sehr oberflächlich, nie wirklich gefährlich. Meist nur mit meinen eigenen Nägeln, ganz selten mit einem kleinen, eher stumpfen Taschenmesser. Und eine Zeit lang habe ich SVV auch gar nicht gebraucht.

… to see if I still feel

Ein paar Jahre später hat sich mein Leben in vielen Punkten nochmal stark verändert – ein neues Studium und ein damit verbundener Umzug und die erste heftige Trennung in meinem Leben. Mein Leben hat mich zu diesem Zeitpunkt wieder sehr überfordert und ich blieb bei meinem erprobten Mittel mit dem Druck umzugehen. Irgendwann in dieser Phase habe ich das erste Mal Klingen gekauft, mit dem konkreten Vorsatz, sie zum Ritzen zu verwenden. Ich empfand das damals als einen krassen Schritt und habe mich ein Stück weit geschämt – in meinem Kopf habe ich mit diesem Kauf ein Klischee erfüllt und fand das ganz schön furchtbar. Geritzt habe ich trotz der Scham. Und das hält bis heute an – sowohl die Scham, als auch das Ritzen. Eine Weile war es wirklich sehr schlimm und ich habe auch mehrmals wirklich Angst gehabt, dass ich zu tief geschnitten habe und es einfach nicht mehr nach einer Weile von alleine aufhört zu bluten.

Da es mir weiterhin permanent mies ging, habe ich schließlich eine Therapie angefangen, die schon seit einigen Jahren andauert (mit Pausen dazwischen). Der Auslöser für die Therapie war nicht das SVV, aber das war bzw. ist ein großer Teil dessen, worum sich die Therapie dreht. Trotzdem, wie bereits erwähnt, habe ich mit dem Ritzen bis heute nicht ganz aufhören können. Es gibt nach wie vor Situationen, in denen ich mit selbstverletzendem Verhalten reagiere, und bis heute habe ich keine Möglichkeit gefunden (oder vielleicht auch finden wollen), um den Druck irgendwie anders loszuwerden. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann komplett davon loskommen werde. Ein Mensch bei der Beratungsstelle der Uni hat mal ganz überspitzt gefragt, warum ich SVV denn nicht eigentlich einfach auf Dauer als Mittel nutzen kann, um Stress zu lösen, statt an der Ursache zu arbeiten und mein Verhalten zu ändern. Ich fand seinen Kommentar damals ziemlich verwirrend, weil ich immer davon ausging, dass man SVV auf jeden Fall therapieren muss. Meine Therapeutin hat mir irgendwann viel später gesagt, dass es bei SVV (und auch bei anderen Symptomen von psychischen Erkrankungen) sehr schwierig ist, ganz davon loszukommen. Man kann sich das vielleicht ein wenig wie eine Sollbruchstelle oder ein sehr leichtgängiges Ventil vorstellen – wenn etwas kaputt geht/hochkocht, dann an dieser Stelle. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich auf Stress mit SVV reagiere, ist daher immer gegeben, weil es in meiner Erinnerung es als sehr effektive Methode gegen Stress abgespeichert ist. Und es ist ein Stück weit leichter, bei der bekannten Methode zu bleiben, statt an der Ursache zu arbeiten oder sich andere Lösungsstrategien anzueignen.

Ich hoffe trotzdem, dass es mir irgendwann im Leben mal so gut geht, dass ich einfach kein Ventil mehr brauche. Oder ein anderes finde. Bis dahin versuche ich aber einfach, die Auslöser für das Verhalten so gut es geht zu vermeiden oder Dinge zu tun, die bei mir SVV eher entgegenwirken.

„Oh Gott, warum machst Du denn sowas???“

Wenn es mir gut geht, dann gucke ich manchmal auf meine Arme und Beine und frage mich innerlich, wie bekloppt ich eigentlich bin. Wieso zum Henker schneide ich mich selber, bis es blutet? Obwohl ich weiß, dass es neue Narben und damit mögliche unangenehme Kommentare gibt? Und es dann immer schwerer fällt, schwimmen zu gehen oder Shorts zu tragen? Ich weiß aber gleichzeitig, dass es Situationen gibt, in denen das für mich teilweise die einzige Möglichkeit ist, durch den Tag zu kommen. Also noch mal: Wieso mache ich das?

Meistens passiert es in Situationen, in denen ich mich unglaublich verletzt fühle und verdammt alleine. Ich bin sehr perfektionistisch und oft kommt es dann dazu, wenn ich meiner Meinung nach etwas nicht erfüllt habe. Das kann sich entweder alles nur in meinem Kopf abspielen (also, dass ich in dem Moment ganz alleine denke, ich wäre nicht gut genug), oder Kommentare von außen sind der Auslöser – die Chefin, der Betreuer, die Schwester oder ein Bekannter sagen irgendwas, das mir vermittelt, dass ich es nicht drauf habe, anstrengend bin oder dergleichen.

Ich befinde mich dabei blöderweise oft auf der Arbeit. Zur Zeit arbeite ich an meiner Doktorarbeit, da verbringt man nicht gerade viel Zeit zuhause (jedenfalls nicht in meinem Fachgebiet). Wenn also nun z.B. meine Chefin etwas sagt, was mich tief trifft und in mir diese Art Selbsthass auslöst, dann muss ich in diesem Moment etwas finden, um damit umzugehen. Wäre ich alleine zuhause, könnte ich erst mal heulen und dann gucken, ob es besser geht. Auf der Arbeit will ich das nicht.

Kontrolle, wenn keine da ist

Weil es aber in diesen Momenten in mir drin so so so weh tut, kann ich auch nicht einfach lächeln und weiterarbeiten. Also suche ich nach einem Weg, den Schmerz zu verlagern – Outsourcing quasi. Damit sich mein Kopf und meine Seele nicht mehr damit beschäftigen müssen, gebe ich das Problem an meinen Körper weiter. Und sobald ich das tue und danach dann konstant einen physischen Schmerz empfinde, kann ich sehr konzentriert mit meiner Arbeit weitermachen. Ich habe dann durch das selbstverletzende Verhalten Kontrolle über zumindest eine Art von Schmerz und das gibt mir die nötige Sicherheit wieder, um mich der Welt draußen erst mal wieder zu stellen.

Ich denke, dass dieses Phänomen von Kontrolle Ähnlichkeiten zu anderen psychischen Störungen oder generell Verhaltensmustern aufweist. Man kann auch Magersucht oder exzessives Sporttreiben ein Stück weit damit vergleichen: Man hat die Kontrolle über bestimmte Aspekte, und kann damit ausgleichen, dass man sich in anderen Bereichen völlig hilflos fühlt. Kontrolle über irgendetwas im eigenen Leben zu haben, wenn sie an anderen Punkten komplett fehlt, gibt einfach eine Menge Sicherheit.

Was auf keinen Fall hilft…

Von der kurzen Phase zu Beginn mal abgesehen, fand und finde ich es ganz schrecklich, wenn Leute mich direkt auf meine Narben ansprechen und ich versuche, dem so gut wie möglich zu entgehen. Die Informationsseite Rote Linien schreibt in ihren Informationen zu der Sache mit der Aufmerksamkeit Folgendes: „SVV ist der sichtbare Ausdruck eines seelischen Notstandes und in der Regel kein Mittel, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.“ So ist SVV eher ein Symptom verschiedener möglicher Erkrankungen oder Erfahrungen. Genannt werden hier bei Rote Linien und in der Wikipedia u.a. Depressionen, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Missbrauch und Angststörungen.

Ich finde es sehr unangenehm, wenn mich jemand unvermittelt auf meine Narben anspricht. Am schlimmsten ist es, wenn die Leute entweder sehr bestürzt sind (wie meine eine Freundin früher), oder das ganze ins Lächerliche ziehen. Ein Kollege von mir, der sich eh durch wenig Feingefühl auszeichnet, hat mal auf meine Arme geguckt und gefragt, was ich denn da gemacht hätte. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich was und was ich gesagt habe, aber es kam dann irgendein Spruch zu Emo-Partys und wie man sich dann zum Ritzen verabredet und hahaha ist das alles lustig, diese Kiddies auf den Partys und überhaupt. Sowas hift schon mal auf gar keinen Fall. Es ist nie lustig. Egal ob bei Teenager_innen (Pubertät ist anstrengend, vor allem wen man mittendrin steckt, das wissen wir ja vermutlich alle) oder bei Erwachsenen.

Ich fühle mich dann immer furchtbar bloßgestellt und habe das Gefühl, da kann jemand direkt auf sehr unangenehme Weise in mein Herz gucken. Leider bin ich in der Situation einfach auf die Sache eingegangen, habe dumme Witze über „diese Emo-Partys“ gerissen und gelacht. Einfach weil ich auch nicht wusste, wie ich in dem Moment reagieren sollte. Es geht ja niemanden was an, aber eben das zu sagen, wird von den meisten bereits als Aussage empfunden. So hoffe ich immer, dass ich einfach erst gar nicht erst in die Situation komme. Oft springe ich dann auch sofort zu einem anderen Thema und versuche, so gut es geht davon abzulenken.

… und was helfen kann

Es gibt allerdings auch Menschen, die so reagieren, dass zumindest ich damit gut umgehen kann. Die bemerken das, setzen an zur Frage („Was hast Du denn da gemacht?“), und wenn ich dann abwinke und irgendwas murmele, haken sie einfach nicht weiter nach. Ohne bestürzt oder abschätzig zu gucken. Für mich persönlich ist das die angenehmste Variante – abgesehen von gar keinen Fragen.

Solltet ihr also mal jemandem begegnen, der_die eine Menge Narben mit sich herumträgt: vielleicht lieber nicht nachfragen. Seht ihr die Person öfter und kennt sie ein bisschen besser und sollte es dazu kommen, dass ihr dauernd neue Pflaster bemerkt, dann sagt höchstens das, was ihr zu einem Menschen sagt, dem es mies geht: „Alles okay? Kann ich dir was Gutes tun/dir irgendwie helfen?“. Das kann man fragen, ohne jemanden konkret auf irgendwas anzusprechen. Wie gesagt: SVV ist oft ein Symptom und nicht das Problem selbst. Ich persönlich jedenfalls könnte damit besser umgehen, als wenn jemand auf meine Narben zeigt und genau darüber mit mir reden will.

Was bei mir persönlich auch hilft bzw. in der Vergangenheit geholfen hat, waren Reden und Sport. Reden vor allem dann, wenn jemand einfach nur zuhört und nicht urteilt. Wenn jemand sagt „Mach das doch nicht…“ hat das eher zur Folge, dass ich es vor dieser Person umso mehr verstecken möchte. Auch Angebote wie „Ruf mich an, statt zu schneiden“ helfen nur bedingt – wenn ich in dem Moment einfach irgendwie Blut sehen muss, dann rufe ich niemanden an. Aber ich bin dankbar, wenn es dann Menschen gibt, die nicht nachfragen, sondern einfach da sind. Dasein kann in dem Zusammenhang für mich sehr verschieden aussehen. Manchmal möchte ich dann in den Arm genommen werden. Manchmal möchte ich einfach nur abgelenkt werden. Manchmal möchte ich auch tatsächlich über den Kram reden, der das SVV in dem Fall getriggert hat. Für mich ist dann nur wichtig, dass ich bestimmen kann, was mir in dem Moment hilft.

Und Sport ist wirklich einfach ein Mittel bei so ziemlich allem. Je mehr Sport ich mache, desto ausgeglichener bin ich in der Regel – vor allem durch Ausdauersport, draußen, alleine, ohne Möglichkeiten, frustriert zu sein durch zu viel Konkurrenzdenken. Dementsprechend kann ich besser mit dem Stress in meinem Leben umgehen und komme einfach nicht in die Situationen, in denen ich zu Klinge und Pflaster greife.

Die Phasen in meinem Leben, die ohne SVV ausgekommen sind, waren meist welche, in denen es mir generell gut ging. Was genau dieses “Gute” ausgemacht hat, kann ich zwar teilweise benennen, aber bisher schlecht aktiv beeinflussen. Daher fällt es mir auch schwer, an der Ursache hinter meinem SVV zu arbeiten. Ich kenne recht viele Trigger und kann durch ein paar Maßnahmen dafür sorgen, dass mein Stresspegel nicht durch die Decke schießt, aber meine Grundstimmung habe ich bisher nicht langfristig verändern können. Bei mir hat sehr schlechte Stimmung und damit SVV oft mit Frustration und Leistungsdenken zu tun, das Impostor Syndrome kenne ich nur zu gut. Je mehr für mich Dinge meinem Leben, in denen ich gut sein möchte, im Fluss sind, desto wohler fühle ich mich und desto seltener kommt es zu Ereignissen, die SVV triggern.

Rational betrachtet leiste ich ziemlich sicher genug und mache vermutlich nicht mehr Fehler, als andere Menschen, aber da an meiner Selbstwahrnehmung zu arbeiten, ist wohl eher ein Projekt für das ganze Leben.

Einfach da sein

Zum Abschluss möchte ich gerne auf diesen Comic verweisen, den ich im Zusammenhang von SVV einfach unglaublich toll finde. Er wurde mal in meine Timeline gespült und ich würde ihn wirklich gerne manchmal Leuten in die Hand drücken, wie eine Art Leitfaden oder so. Er war auch ein Stück weit Motivation für mich, das hier zu schreiben.

Ich bin schon vielen Menschen begegnet, die früher oder auch immer noch mit SVV zu tun haben. Vielleicht bin ich ein wenig sensibilisiert, aber mir fallen inzwischen Narben einfach sehr schnell auf. Und es zeigt mir, dass ich damit nicht alleine bin. Und ich hoffe in dem Moment einfach immer, dass die jeweilige Person eine Möglichkeit gefunden hat oder findet, damit umzugehen. Und vor allem nicht zu penetrant darauf angesprochen wird.

Meist ist es ein Zeichen dafür, dass es einer Person dreckig ging oder geht. Und das sollte man niemandem dann immer wieder vor Augen führen. Es hilft wirklich viel mehr, wenn einfach jemand da ist – ohne zu viel Fragerei, aber auch ohne das Ganze zu ignorieren. Ohne zu viel Drama zu machen, aber auch ohne alles herunterzuspielen. Mit so jemandem an der Seite kann man nämlich auch miese Phasen im Leben vielleicht irgendwann ohne diese Art von Schmerz-Outsourcing durchstehen.

Weiterführende Infos, Anlaufstellen und Adressen

Triggerwarnung für alle verlinkten Inhalte: Beschreibung von SVV, psychischen Störungen

Allgemeine Infos zu SVV bei Rote Linien
Allgemeine Infos zu SVV verschiedener Berufsverbände/Fachgesellschaften für u.a. Psychiatrie und Psychotherapie
Gesammelte Anlaufstellen bei Rote Linien
Seite für Angehörige psychisch Kranker
Kontaktmöglichkeiten für Online-Beratung
Bücher zum Thema SVV
Erfahrungsberichte von Betroffenen und Angehörigen

  • http://knitterfee.de/ Knitterfee

    Und vor allem bitte nicht andere fragen. In einer früheren Beziehung erzählte mir mein Freund mehrfach, dass er von anderen gefragt worden war, „ob es mir denn gut ginge“ und so weiter.
    Ich hab dann irgendwie oft keine Lust mehr gehabt, mich mit Kollegen oder neuen Bekannten von ihm zu treffen, weil ich keine Lust hatte, dass später wieder sowas kommt.
    Aufhören ist mir damals (vor 12 Jahren) relativ leicht gefallen, aber da bin ich vermutlich ein Einzelfall.

  • Stella

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich finde mich in vielen deiner Beschreibungen wieder. Ein schönes Gefühl zu wissen, dass man nicht alleine ist. <3

  • Ohne Namen

    Danke liebe Gastautorin für diesen persönlichen und wichtigen Text! Ich selbst bin auch betroffen und auch ich bin schon lange erwachsen. Ich war sogar schon erwachsen als ich anfing mit dem SVV, ich war über 20. Ich weiß nicht was meine Ursache oder mein Auslöser war, vielleicht war es ein kurz vorher erlebter Übergriff, vielleicht waren es meine Depressionen. Was es auf jeden Fall nicht war: Irgendeine Emo-Teenie-Laune wegen Liebeskummer oder schlechter Noten oder irgendein Modetrend. Es war auch kein Mittel um Aufmerksamkeit zu erlangen, denn ich wollte nie, dass jemand meine Narben sieht. Noch heute trage ich, egal zu welcher Jahreszeit, Klamotten die die Narben überdecken. Ich wünschte, ich würde mich trauen auch kürzere Klamotten zu tragen, aber das schaff ich (noch?) nicht. (Ich hatte mal einen Sommer, wo ichs kurz konnte, aber leider hat das nicht länger angehalten, heute verstecke ich wieder).
    Ich finde die gesellschaftliche Verharmlosung und Stigmatisierung von SVV sehr gefährlich und schädigend. Sei es durch Hashtags die suggerieren, es wär nur so eine leichte schlechte Angewohnheit, die man durch ein paar Tipps von nicht-betroffenen Laien in den Griff kriegt, sei es ein unterirdischer Artikel aus der SZ von letzter Woche der SVV wieder als „das machen Teenies wenn die Hormone bisschen überschwappen und alles doof ist“ dastellt oder seien es noch so viele Beispiele mehr. SVV wird in unserer Gesellschaft nicht ernst genommen als das was es ist: Ein Symptom zugrundeliegender schwerwiegender psychischer Probleme, in den meisten Fällen psychischer Erkrankungen. Es gibt auch keine Möglichkeit (außerhalb von Selbsthilfeforen oder ähnlichem) offen über SVV zu sprechen. Ich spreche sehr offen über vieles stigmatisierte in meinem Leben, aber über das SVV kann ich nicht offen sprechen. Das stört mich zum Einen, weil ich es nicht mag Bereiche in meinem Leben zu haben über die ich schweigen *muss* (denn es ist bei mir kein selbstbestimmtes schweigen) und zum Anderen, weil es so wichtig wäre, dass wir gesamtgesellschaftlich mehr über dieses Thema reden, nicht-Betroffene noch mehr lernen, Menschen endlich kapieren dass es kein „hihi diese Emoteenies“-Ding ist.
    Noch eine Sachen, die bei mir ein bisschen anders ist als bei dir:
    – Ich habe prinzipiell kein Problem damit darauf angesprochen zu werden. Es hängt nur davon ab von wem bzw mit welcher Intention die Person kommt. Wenn sie ein ernsthaftes Interesse daran hat, ohne Verurteilungen zu hören, was es mit meinen Narben auf sich hat, find ich das sogar eher positiv. Es durchbricht ein bisschen dieses Problem des schweigen *müssen*. Außerdem find ich es sehr befremdlich, wenn Menschen meine Narben sehen und sie komplett ignorieren. Das fühlt sich für mich eher an, wie ein weiteres schweigen müssen oder wie ein „es ist mir gleichgültig, was mit dir ist“. Klar gibt es auch Momente in denen ich nicht drüber sprechen möchte, und gerade wenn es Momente sind in denen ich mich nicht bewusst dazu entschieden habe, die Narben zu zeigen (also z.B. beim intim werden mit neuem Partner) kann es schon echt unangenehm sein. Aber bei einer feinfühligen, sensiblen Person ist mir drauf ansprechen doch noch lieber als ignorieren. Es sollte halt nicht zwischen Tür und Angel passieren und nicht als Vorwurf.

    Ich habe es mittlerweile geschafft seit einem Jahr (von zwei kleinen Rückfällen) „clean“ zu sein. Also es geht. Ob es für immer so hält, kann ich nicht beurteilen. Ich nehme aber an, dass es wie bei anderen Süchten ist, man ist „trocken“, aber nicht „geheilt“. Die Rückfallgefahr bleibt immer. Und ich habe auch ab und an noch den Druck, aber es ist viel seltener geworden, und ich schaffe es mittlerweile eher ihm nicht nachzugeben.

    Eine Sache die mir noch zum Thema einfällt, die mich auch furchtbar nervt: Diese Gleichsetzung von Borderline mit SVV in der gesellschaftlichen Wahrnehmung, aber auch bei vielen „Professionellen“. Jede_r der sich mal ein bisschen mit Psychologie beschäftigt hat, sollte eigentlich wissen, dass das nicht das gleiche ist. Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, mit neun möglichen Symptomen (von denen man mind fünf haben muss um diagnostiziert zu werden), von denen nur ein (!) mögliches Symptom SVV ist. Aber auch nicht alle Borderliner haben dieses Symptom. Genauso wie andersrum nicht alle Menschen die sich selbstverletzen Borderline haben.
    Ich habe kein Borderline. Mich nervt diese Gleichsetzung nicht deswegen, weil ich mich von Borderline-Erkrankten distanzieren will, das auf keinen Fall. Mich nervt es deswegen, weil ich schon oft die falsche Behandlung bekommen habe oder mit mir anders, nicht zu meiner Krankheit (Depressionen) passend, umgegangen wurde, weil ich in der „Borderline-Schublade“ drin steckte. Irgendwann habe ich angefangen, Therapeuten und Ärzten mein SVV so lange wie möglich zu verheimlichen, damit sie unvoreingenommen sich mit meinen eigentlichen Problemen und meiner eigentlichen Erkrankung beschäftigen. Das hat auch geholfen. Psychologen die sich nur einen Moment zeit nehmen übers SVV hinweg zu sehen und sich meinen sonstigen Symptomen annehmen, kommen nie auf die Idee Borderline zu diagnostizieren.

    Das war jetzt ein ziemlich langer Kommentar, das tut mir Leid. Aber es ist wirklich schwer Räume dafür zu finden, über SVV zu sprechen.

  • Robert

    Danke. Danke für diesen Artikel. Ich finde mich darin 1:1 wieder. Geht mir bis heute nicht anders.

  • Lotte

    Sehr guter Artikel. Ich bin in genau der gleichen Lage – und kann auch nur empfehlen: nicht direkt auf die Narben ansprechen, aber fragen, ob alles ok ist oder so ist einfach nett&aufmerksam. Und wenn ich dann sage: nee, alles klar, auch wenn das offensichtlich nicht stimmt: das bedeutet dann, dass ich nicht darüber reden möchte. Und die Angebote mit dem „ruf mich doch lieber an“ kenne ich auch, die sind so lieb gemeint, aber sie helfen meistens nicht. Wirklich interessant finde ich den Aspekt, SVV als Teil meines Stresscopings zu sehen, den ich vielleicht nie loswerde. Ist bei mir mit meiner Depression so, ich hab das einfach als Teil meines Lebens akzeptiert, das gehört zu mir und ich werde es niemals loswerden, aber ich kann alles versuchen, damit ich nicht zu oft wirklich krank bin. Ich sehe es als chronische Krankheit, die ich eben habe, die aber nicht immer Symptome zeigen muss. Und vielleicht ist es mit SVV genauso.

  • grüner Tiger

    Vielen Dank für diesen sehr persönlichen Artikel! Auch wenn ich selbst nicht mehr betroffen bin, finde ich mich in vielen deiner Beschreibungen zumindest rückblickend wieder. Damit gibst du mir das Gefühl doch nicht ganz so kaputt zu sein, wie ich mir oft einrede. Danke dafür!

  • Matthias

    Mal ein Kommentar als Psychoanalytiker und Psychophysiologe: Mitgefühl hilft jedem Menschen. Mitleid und Gleichgültigkeit sind dagegen kontraproduktiv. Im übrigen weisen viele Menschen eine Art SVV auf, nicht auf physischer Ebene, sondern auf emotionaler Ebene, z.B. in Beziehungen. Da wirkt der gleiche Mechanismus, der neurologisch sogar messbar ist, mit nur einem kleinen Unterschied: Viele wissen es nicht, da es anders als auf physischer Ebene, idR nicht absichtlich und unbewusst geschieht und dann der/die Partner/in dafür verantwortlich gemacht wird. Bei der physischen Ebene, der „Artefakthandlung“ ist es eine seelische Last die nach außen getragen werden will. Die natürlichen körpereigenen Reaktionen auf den seelischen Schmerz werden durch unbewusste Regulation kaum registriert und so soll dann ein „künstlicher Schmerz“ am Körper erzeugt werden, um vor dem ersten als zu stark empfundenen Impuls wegrennen zu können (psychologischer Teil) und die mangelnde Registrierung (somatischer Teil) auszugleichen.
    2 Lösungsschritte, sofern überhaupt gewollt.
    Schritt 1, wenig überraschend: Ursprung rauskriegen (und zwar den Echten, nicht irgendwelche Schein-Ursachen, was durch falsche Beurteilung leider viele tun). Schritt 2: Die natürliche Kooperation zwischen Körper und Geist wieder herstellen und stabilisieren. Da gibts jetzt ne ganze Reihe von Möglichkeiten die wirklich sehr effektiv sind. Reden kann zwar helfen, aber es sollte immer auch die Praxis her, was „klassische Therapien“ leider schonmal gerne vergessen. Vor allem will man ja auch wieder autark auf den Beinen stehen und nicht ständig auf vorübergehende Stützen zurückgreifen. Therapien die dafür Jahre brauchen ohne wirkliche Nachhaltigkeit, sind mit Verlaub, meist nicht wirklich gelungen. Auch sind Aussagen von Therapeuten, das es schwierig sei davon loszukommen, schon relativ dreist. Hat die Therapeutin bei sich selbst mal ein SVV erlebt oder woher weiß sie das? Da muss man aufpassen, denn hier wird oft einfach nur blind Statistiken geglaubt, ohne aber tiefer schauen zu wollen und Methoden zu hinterfragen. Solche Pauschalaussagen sind als Profi haarsträubend. Genau das ist bedenklich, denn dadurch können sich Betroffene in ihrer Ohnmacht oder Schwermütigkeit sogar noch bestärkt sehen.
    Mal universelle Methoden spontan am Rande, die teils leider noch viel zu unbekannt sind: Biofeedback, Neurofeedback, Emotionsregulation, mind-cleansing. Es kann grob erklärt, erlernt werden, mittels operanter Selbstkontrolle, unbewusste Regulationsvorgänge zu verbessern um so eine stärkere Balance zwischen Geist und Körper zu erzeugen. Ob man z.B. auf etwas mit Stress reagiert oder nicht, dafür muss nicht erst die Hoffnung herhalten, auch wenn diese landläufig ja immer zuletzt stirbt, was in der westlichen Gesellschaft aber häufig auch nur ein Komfort-fauxpas des fehlenden Bewusstseins ist. Das sind jetzt alles Felder der Bewusstseinserweiterung. Das schöne und die gute Nachricht daran ist, das es idR Einbahnstraßen sind. Ähnlich wie bei Kippbildern: Einmal die alte und junge Dame erkannt und vorbei ists mit dem Unwissen das dort nur eine Dame zu sehen ist. Das ist bei unbewussten Regulationen genauso, einmal erkannt…. Hier gibts dann auch keine Rückfälle mehr, es sei denn man möchte es ganz bewusst so haben.
    Die „schlechte Nachricht“, die aber eigentlich keine ist: Wie es jetzt bei vielen echten Methoden und Praktiken schonmal ist, gerade bei Konfrontation, kann es sein dass man je nach Kodierungsgrad des eigenen Zustandes ordentlich ins Schwitzen gerät. Davor scheuen viele, ist aber völlig unnötig, denn gerade das ist ein gutes Zeichen. Außerdem wird die endgültige Befreiung gerade dann am ekstatischsten erlebt. Bei Konfrontation wird z.B. gezielt der Reiz erzeugt, der wiederum den Willen erzeugt sich selbst zu verletzen, um dann aber genau den echten seelischen Schmerz tief konzentriert und bewusst ins Auge zu sehen. Das kann sehr hart sein. Das soll es auch, denn es ist sehr effizient, da man so lernen kann die Aversion des Schmerzes nach und nach zu verlieren und ihn dann später sogar bewusst in Entspannung umwandeln kann. Dann kontrolliert der Betroffene den Schmerz und nicht mehr der Schmerz das Verhalten des Betroffenen, denn die Kontrolle, welche Betroffene häufig angeben zu haben, ist ein Trugschluss. Das liegt daran, um es sehr vereinfacht zu erklären, denn neurologisch wäre das jetzt unnötig kompliziert, das der „unreine, beschriebene“, vom Körper degenerative Teil des Geistes Oberhand gewonnen hat und der „reine Teil“ in den Hintergrund gedrückt wird. Und idR wird man auch merken, dass desto mehr Klarheit in den Geist auftaucht, desto näher werden sich dann auch Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit kommen und desto weniger werden Schmerzen auftauchen, bis zur kompletten Eliminierung. Diese Umkehrung geht nicht von heute auf morgen, das ist klar, wobei ich schon recht flotte Ergebnisse erlebt habe. Hatte mal einen schwer betroffenen Patienten, der als ich ihn kennen lernte, insbesondere an einer bestimmten Region und mit unterschiedlichen Größen und Formen (was im übrigen auch nochmal ein nützlicher Hinweis sein kann, der von „Experten“ gerne übersehen wird), Wunden hatte, der jetzt seit 6 Jahren befreit ist und mir heute noch freudestrahlend in die Arme fallend von seinem „neuen Leben“ erzählt. Dabei ist das Ergebnis allein sein Werk. Seine Aussage, nicht wortwörtlich zitiert: „Ich hab das Gefühl, dass ich die Dinge im Leben die sich leicht anfühlen, damals nur als schwer empfunden habe, da ich mir unbewusst und fortwährend die Schwere ausgesucht habe. Ich empfand an sehr schlechten Tagen die Schweren (Zwänge, SVV) als leicht zugänglich und die Leichten (Freiheitsgefühl) als extrem schwer.“
    Soviel mal von einem Betroffenen. Die Therapie + Training ging damals übrigens knapp 2 Monate, nach 12 Jahre langer Betroffenheit und vielen anderen sehr lang dauernden und letztlich gescheiterten Therapien. Vielleicht mal als kleiner Lichtblick, bei dem schweren Ballast der hier an Erfahrungen in Worten rumfliegt.
    Herzlichst und alles Gute
    Matthias

    • Gastautorin_SVV

      Hallo Matthias,

      vielen Dank für die ausführliche Antwort von jemandem vom Fach.
      In meinem Fall kann ich nur sagen, dass die Ursache immer noch nicht wirklich geklärt ist, ich aber auch nicht sicher bin, ob das möglich ist oder nicht (wenn es zB etwas familiäres ist, kann ich eventuell nie den genauen Grund herausfinden). Für mich persönlich war es immer sehr anstrengend und trotzdem ohne Ergebnis, weswegen es für mich besser war, Strategien zu entwickeln, die in einer stressigen Situation angewendet werden können. Wenn ich zuhause bin o.Ä. fahre ich damit auch gut (Sport oder so hilft da sehr gut), aber wenn ich gerade nicht aus der Situation weg kann, ist es leider schwieriger.
      Ich denke, dass es auch da vermutlich verschiedene Ansätze gibt – je nach Ausbildung und Schwerpunkt der/des Therapeut_in.

      Und könnst Du eventuell nochmal näher erläutern, was Du mit dem unreinen und reinen Teil des Geistes meinst? Da bin ich nicht mehr so ganz hinterher gekommen =) und hast Du eventuell Empfehlungen für Literatur zu Bio-/Neurofeedback und mind-cleansing? Ich würde mich da gerne ein wenig einlesen.

      Abgesehen davon denke persönlich ich nicht, dass meine Therapeutin eine zu pauschale Aussage getroffen hat. Ich sehe das ja auch bei anderen Menschen in meinem Umfeld, die trotz Therapie in schweren Zeiten wieder in alte Muster zurückfallen. Und ich weiß nicht, ob man solche Probleme wirklich ein für alle Mal klären und ausräumen kann.

      Viele Grüße von der Gastautorin =)

      • Matthias

        Ok. Da kann man jetzt wieder ne ganze Menge zu sagen, zumal man auch in deiner Wortwahl schon relativ viel Ohnmacht raushört. Ich gehe ganz bewusst nicht zu genau auf Sachen ein, denn das würde hier fast schon zu einer öffentlichen Sitzung führen :) . Unten mal 2 links, letzterer mehr für Fortgeschrittene von Methoden, aber auch nicht zwingend. Meine Empfehlung für Anfänger wäre, erst Biofeedback, dann Vipassana. Unter dem link zu BF findet man im Hauptmenü auch eine Liste der Therapeuten in Deutschland die Mitglieder der DGBfb sind, nicht alle davon bieten allerdings auch selbst eine an, daher genau informieren.
        Ja der Weg zur Befreiung kann ein langer sein, aber nach meiner Erfahrung und das meiner Kollgegen ists fast nie oder nur in den seltensten Fällen wirklich unmöglich. Und dann meist auch nur wenn eine neurologisch irrversible Krankheit vorliegt. Wobei sich sogar auch hier Ärzte und Wissenschftler schonmal kräftig irren. Es kommt hier vielmehr auf die Hingabe zur Veränderung an. Viele belassen es bei einer Therapie und vielleicht ein paar Therapeuten und glauben bei ausbleibenden Auswirkungen dann, das der Weg schon zu Ende sei. Genau deswegen sind Aussagen über den Schwierigkeitsgrad immer gefährlich. Genauso bedenklich wäre es, wenn jemand sagen würde, „ach, das kriegt man ganz einfach hin, das ist easy.“ Als Experte, der vor allem nicht persönlich davon betroffen war, sollte man sich bei solchen Dingen immer zurückhalten. Die Schwerfälligkeit mentaler oder emotionaler Blockaden sind idR relativ. Auch sucht man sich selbst meist unbewusst, Leute mit ebenfalls „schweren Erfahrungen“, oder richtet seine Aufmerksamkeit auf das „Schwere“, um sich nicht allein zu fühlen. Auch ist „die Zeit“ z.B. genaugenommen ja nicht schwer. Sie hat ja auch keine Masseeinheit :D . Das wäre genauso wie ein leiser Geruch oder ein aromatischer Ton. Hier werden Wahrnehmungsebenen vermischt bzw. verknüpft. Das was als „schwer“ empfunden wird, ist das Gefühl der Blockade. Die Beurteilung der Wahrnehmung führt dann häufig unnötigerweise zu einer Bewertung, die dann das Leidenskonstrukt erschafft und aufrecht erhält, anstatt das erlebte Gefühl zu transformieren. Trauer ist z.B ja nicht schlecht, sondern fühlt sich nur schwer an. Die Zeit dagegen bleibt immer gleich, nur kommt sie einem dann häufig länger vor, da man mit voller Aufmerksamkeit gerade dabei ist. Genauso wie z.B. oft auch beim ersten Kuss oder anderen Dingen die man zum ersten mal erlebt und einem länger vorkommen. Hinfahrten kommen einem daher häufig auch länger als die Rückfahrt vor, obwohl der selbe Weg. Geteilte Aufmerksamkeit hilft, daher lenkt Sport z.b. auch ab und dient gleichzeitig der heimlich verzweifelten Suche nach einer Intensivierung der Wahrnehmung des Körpers. Das ist für den Körper zwar netter, aber der Mechanismus bleibt dabei derselbe: Abhauen und Körper Wahrnehmung „von Außen“ verstärken. Nichts gegen Sport, denn ich selbst liebe Triathlon, aber das nur als reine Kompensation zu nutzen ist auf Dauer nicht die Lösung. Zumal wie du ja selbst auch schon erkannt hast, nicht immer die Gelegenheit dazu da ist, die Tunrschuhe oder der gleichen auszupacken. Dein lieber Körper möchte dir ja auch etwas mitteilen, der möchte nämlich eigentlich auch garnicht das du wegläufst. Es gilt Körper und Geist wieder als Einheit der Liebe zusammen zu finden und nicht gegeneinander auszuspielen, denn genau das tun Mechanismen die man sich irgendwann mal selbst beigebracht hat um mit übernommenen herzlosen Konzepten besser klarzukommen. Viele Menschen haben auch oft nicht wirklich gelernt oder es verlernt sich selbst liebevoll zu handhaben und genau deswegen wird häufig auch erwartet erst Liebe gezeigt zu bekommen anstatt sie selbst zuerst zu zeigen. Ein sehr bekanntes Konzept ist da z.B. die Erwartung, die psychoanalytisch nichts anderes ist als Selbstflucht. Häufig wird dann auch gelehrt das es ja garnicht anders ginge, obwohl einfach nur nicht gewusst wird wie es anders geht. Das ist überheblich. Stell dir mal vor du würdest z.B. die Energie die du sonst immer in Erwartungen steckst, umleiten zur reinen Leidenschaft an der Tätigkeit des psychischen Zustandes. Das geht, alles ne Frage des Trainings. Core-Transformation. Arbeit am Geist kann Spaß machen, wird leider auch oft vergessen und so wird die Therapie schnell als lästig empfunden. Therapeuten die dann auch noch sehr trocken und klinisch zu Werke gehen, tragen dann noch den Rest dazu bei. Ich kann daher auch fernöstliche Verfahren sehr empfehlen, die hier leider eher selten Beachtung finden, trotz ihrer Effektivität. Die Methode Biofeedback z.B. ist erst Mitte der 90er wissenschaftlich herausgebracht worden. Dabei ist diese Methode eigentlich nichts anderes als eine Adaption von Regulationspraktiken die von indischen Asketen seit Jahrzenten generationsübergreifend ausgeübt wird, und das vollkommen ohne Maschine! Ich war in einem indischen Dorf wo ich gleich mehrere Leute traf die über 100 Jahre alt und körperlich wie geistig topfit waren. Die meisten Leute dort leben in beschaulichen Verhältnissen, dennoch vollkommen glückliche und zufriedene Menschen. Man darf nie vergessen das es Ecken auf diesem Planeten gibt, wo man psychische Krankheiten + Symptome die im Westen immer mehr zum Volkssport werden garnicht kennt.
        Viel Spaß mit den Infos und alles Liebe
        Ciao
        http://www.dgbfb.de/index.php/de/bioundneurofeedback
        http://www.dvara.dhamma.org/index.php?L=1

        • Gastautorin_SVV

          Hallo =)

          ja zu einer öffentliche Sitzung soll das hier auf keinen Fall werden. Daher mag ich gerade auch nicht zu sehr im Detail auf alles nochmal eingehen – da können wir vermutlich sehr lange weiter diskutieren. Vielen Dank auf jeden Fall nochmal für die vielen Infos und die links. Ich werde mich da mal einlesen.

          Viele Grüße von der Gastautorin!