CoderDojo Berlin ist da – Der Programmier-Club für Kids fand erstmals in Berlin statt

Foto , CC BY-NC-ND 2.0 , by Morgan Roderick

Dies ist ein Beitrag aus unserer Rubrik kleinergast, in der wir alle Gastartikel veröffentlichen. Dieses Mal kommt er von Tiffany und ist die deutsche Version ihrer englischen Posts, die ihr hier und hier nachlesen könnt.

Tiffany ist Interaction Designerin, Frontend-Entwicklerin und Gin-Liebhaberin, sie hat We are all awesome gestartet und organisiert die JSConf EU mit.

@theophani

Fast zwei Jahre nach den ersten Überlegungen CoderDojo nach Berlin zu bringen, war es endlich soweit! Damit folgen wir dem Vorbild von München und Würzburg, die auch schon Dojos in Deutschland veranstalteten.

Das erste Event am 23. November war als Testlauf gedacht, um überhaupt abschätzen zu können, wie viel Interesse an so einem Verein in Berlin besteht – sowohl was die Kinder als auch die ehrenamtlichen Mentor_innen angeht. Ohne große Ankündigungen oder Pressearbeit fanden sich aber bereits über 30 Programmierer_innen im Alter von 5 bis 15 Jahren und dazu meldeten sich 12 Mentor_innen.

Es lässt sich also durchaus von einem starken Interesse sprechen. Aufgrund des Erfolgs der ersten Veranstaltung, wird es am 18. Januar 2014 direkt die zweite geben und danach wird sie hoffentlich zu einer monatlichen werden.

Was genau ist eigentlich CoderDojo?

CoderDojo ist ein internationaler und lose organisierter Verein von ehrenamtlichen Helfer_innen, die Kindern von 5 bis 17 Jahren einen Raum bieten, um sich zu treffen und mit ganz viel Spaß Programmieren zu lernen. Was genau sie lernen und wie oft sie sich treffen, liegt dabei ganz im Ermessen der Ehrenamtlichen vor Ort.

Und was machen die Kids da?

Was sie wollen! ;) Für den Einstieg schlug ich Projekte vor, die eine Einführung in HTML/CSS/Javascript Programmierung boten sowie einen Anfänger_innenkurs in Programmierungskonzepte, bei dem Comic-Roboter gesteuert werden müssen und den es auch in mehreren Sprachen, inklusive Deutsch und Englisch, gibt. Ein Kind brachte anderen bei wie man Scratch benutzt, zwei andere programmierten Bilder mit dem Canvas Playground der Khan Academy, wieder andere bastelten an einem HTML5-Canvas Spiel.

Die letzten 15 Minuten der dreistündigen Veranstaltung nutzten wir für ein kleine Demonstrationsrunde. Die Kinder konnten nach vorne kommen und der restlichen Gruppe kurz zeigen, was sie gemacht hatten. Wir mussten ganz still sein, um die schüchternen Stimmen zu hören, die stolz erzählten wie sie HTML geschrieben, Roboter kontrolliert, Grafiken programmiert oder Spiele gestaltet hatten.

Die Auftaktveranstaltung wurde großzügigerweise durch Soundcloud ermöglicht, die uns den Gemeinschaftsraum ihres Berliner Hauptsitzes zur Verfügung stellten. Der Raum war dafür perfekt ausgestattet: Mehrere Tische an denen 40 bis 50 Menschen sitzen und programmieren konnten, stabiles WiFi, ausreichend Steckdosen, eine Küche als Sammelpunkt für kaffeetrinkende Eltern, ein Couchbereich zum ausruhen und natürlich Tischfußball und Tischtennisplatten, um den jungen Hirnen auch etwas Ablenkung zu gönnen, wenn sie diese brauchten.

Der Ort war perfekt, aber wenn der Club weiterhin so ein Riesenerfolg bleibt, brauchen wir bald etwas Größeres, oder wenigstens eine zweite Gruppe in Berlin. Falls ihr da Ideen habt, meldet euch bitte bei mir.

Warum CoderDojo?

Warum nicht eine der anderen Organisationen unterstützen, die Programmieren für Kinder anbieten? CoderDojo ist eine erfahrene Organisation mit erprobten Strukturen und Netzwerken, wo sich die ehrenamtlichen Helfer_innen in Foren austauschen können und sie auch bei der Ankündigung ihrer Veranstaltungen unterstützt werden. CoderDojo spricht mit sehr wenig Aufwand bereits ein sehr breites Altersspektrum an.

Außerdem war vielen Leuten in Berlin das CoderDojo-Konzept bereits bekannt. Einige Helfer_innen vor Ort waren schon bei CoderDojo-Treffen in anderen Städten mit dabei und der Mitgründer James Whelton ist mittlerweile auch mit einigen von ihnen befreundet.

Einen Raum zum Lernen schaffen

Ich brach beinahe in Tränen aus als ich vor diesem Raum voller Kids, ihren Eltern und den ehrenamtlichen Mentor_innen stand, die sich alle zum ersten CoderDojo Berlin zusammengefunden hatten.

Von dem Augenblick an, als ich entschied “Ich organisiere ein CoderDojo”, bis zu dem Moment als ich eben da vorne vor allen stand, konnte ich nicht aufhören darüber nachzudenken, wie viel mir das eigentlich bedeutete. Meinen Gefühlsausbruch konnte ich dann immerhin in Form von Lachen ausdrücken.

Vor ein paar Wochen fragte mich ein Freund, ob ich von irgendwelchen Vereinen wüsste, die einem 13-Jährigen helfen könnten, Coden zu lernen und dabei auch für Kinder und Jugendliche passen würden. Mir fiel direkt etwas Passendes ein – CoderDojo – aber, obwohl einige Leute in Berlin schon mal darüber sprachen, hatte bisher noch niemand den Schritt gewagt, es hier auch tatsächlich zu organisieren. Auf Twitter fragte ich rum, ob hier ein entsprechender Verein existierte und bekam viele Vorschläge für passende Organisationen, aber keine von ihnen organisierte bisher Veranstaltungen in Berlin.

Seit 2011 sprachen die Leute in der Berliner JavaScript Community darüber, Kindern Programmieren beizubringen, nachdem dem sie den Talk von CoderDojo-Mitgründer James Whelton bei der JSConf EU gesehen hatten. Ich selbst war damals auch bei seinem Vortrag und wischte mir die Tränen weg. Ich kann gar nicht mal sagen, warum mich das so sehr rührte. Aber das Gefühl war sehr stark und trotzdem hatte ich zwei Jahre später immer noch nichts getan, um die Idee auch umzusetzen.

Jede_r kann das machen, diese Person bist du

Auf der “Start a dojo”-Seite von CoderDojo findet man fünf einfache, kurze Videos. Zusammengenommen sagen sie: Ein Dojo vor Ort zu gründen ist einfach. Jede_r kann das machen. Diese Person bist du. Ich folgte der simplen Anweisung: Such dir ein Datum aus, such dir einen Veranstaltungsort, mach Werbung dafür, bitte um Hilfe.

Genau einen Monat nachdem ich die Entscheidung gefällt hatte, ein CoderDojo in Berlin zu starten, stand ich dann auch schon vor 50 erwartungsfrohen Gesichtern. Mein Deutsch ist nicht so gut und mit Kindern habe ich sonst auch nicht so viel zu tun. Trotzdem ich also in einer Stadt lebe, deren Sprache ich nicht spreche und auch kaum Erfahrung mit Kindern habe, war es überhaupt nicht schwer, all diese Leute zusammenzutrommeln. Deutschsprachige Freund_innen übersetzten die Veranstaltungshinweise und -Tweets, Freund_innen und Freund_innen von Freund_innen verbreiteten die Infos an Familien.

Einen Raum zu schaffen, wo Kinder und Jugendliche Spaß haben, während sie Programmieren lernen – wenn das auch nur ein bisschen danach klingt, als würdest du gerne Teil davon sein, dann habe ich jetzt eine simple Botschaft für dich: Ein Dojo vor Ort zu gründen ist einfach. Jede_r kann das machen. Diese Person bist du.

Die unmittelbare Welle der Unterstützung, die ich aus der Berliner Coding Community erfuhr, gab mir das Selbstvertrauen, um diesen Sprung zu wagen. Danke an: Jede_n, die_der Mentor_in werden wollte, alle, die meine Ankündigung retweetet oder anders geteilt haben, alle Eltern, die ihr Kind anmeldeten, alle, die Schilder aufgestellt haben, Gemüse schnippelten, Kakao machten, Laptops ausborgten, geduldig zuhörten, Konzepte erklärten und natürlich auch allen Programmierer_innen, die da waren. Ich hätte das alles nicht ohne euch tun können und würde das alles nicht ohne euch machen wollen.

Willst du auch mithelfen?

Schreib mir eine Mail. Ich veranstalte bald ein Treffen für Mentor_innen und Organisator_innen auf dem wir uns dann weiter austauschen können. Für Ankündigungen könnt ihr auch @CoderDojoBerlin auf Twitter folgen.

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