Aber ich will doch gar nicht heiraten!

Foto , CC BY-SA 2.0 , by aaaaavry

Der Kampf für die Öffnung der Ehe für Homosexuelle, die so genannte „Homo-Ehe“, ist augenblicklich so präsent wie selten zuvor: In Frankreich stimmte im Februar die Nationalversammlung für die Öffnung (mit einhergehendem Adoptionsrecht), in Großbritannien wurde im Februar ein ähnlicher Gesetzesentwurf vom House of Commons angenommen, in den USA wird mit Spannung ein Grundsatzurteil vom Obersten Gerichtshof zu diesem Thema erwartet, in Deutschland liebäugelte sogar die CDU einige Zeit mit der Öffnung und auf Facebook, Twitter & Co springen einem seit einigen Tagen rote Gleichheitszeichen entgegen, die diesem Kampf symbolische Unterstützung geben sollen.

Ich hingegen habe bei diesem Thema immer ein mulmiges Gefühl im Bauch. Mehr Rechte für Homosexuelle? Ja, immer, gerne. Aber können wir bitte auch einmal über die Problematik der Institution Ehe an sich sprechen? Ich finde die Ehe an sich nämlich ganz und gar nicht unterstützenswert, denn sie schließt Menschen, die nicht der Norm entsprechen bzw. nicht entsprechen wollen, auf gesetzlich legitimierter Basis aus. Sie festigt die Geschlechterdichotomie männlich/weiblich in entsetzlicher Weise und zwingt alle, die ihre Vorteile (und seien es nur steuerliche) genießen wollen, sich dieser Dichotomie anzupassen. So werden beispielsweise intersexuelle Menschen oder Menschen, die sich einfach keinem Geschlecht klar zuordnen wollen, diskriminiert. Außerdem ist die Ehe eine klare Bevorzugung einer festen Zweierbeziehung und deshalb schließt sie Menschen aus, für die diese einfach kein erstrebenswerter Lebensentwurf ist – Menschen, die in offenen Beziehungen oder in Polyamory leben und vor allem Menschen, die überhaupt keine Beziehung führen können oder wollen.

Das ist nur ein kleiner, unvollständiger Anteil des diskriminierenden Potentials der Institution Ehe. Den nehmen wir anscheinend bereitwillig in Kauf, wenn wir für die Öffnung und damit die Stärkung der Ehe eintreten, obwohl er bereits ausreicht, um für eine Schließung der Ehe zu plädieren. Für alle. Wäre die Ehe bei uns angestellt, hätten wir sie schon längst wegen sexistischen, diskriminierenden und ausschließenden Verhaltens gefeuert. In der Realität wollen wir ihr stattdessen eine Beförderung geben. Der Grund dafür liegt in dem Stellenwert, den der Einsatz für die Öffnung der Ehe für Homosexuelle im Diskurs der Schwulen- und Lesbenbewegung bekommen hat. Die Öffnung der Ehe ist symbolisch so aufgeladen worden, dass sie mittlerweile mit der Schwulen- und Lesbenbewegung gleichgesetzt wird. Für die Rechte von Homosexuellen eintreten bedeutet für die Öffnung der Ehe sein und umgekehrt – das ist ein rotes, fettes Gleichheitszeichen, das ziemlich alarmierend ist. Es ist doch geradezu absurd, dass es der heterosexistische, konservative Lebensentwurf „Ehe“ ist, der zu diesem omnipräsenten Symbol wurde. Mit der einen Hand wehren wir Politiker_innen ab, die die Ehe mit angeschlossener Familie als Keimzelle der Gesellschaft bezeichnen und mit der anderen Hand pflanzen wir uns dieses Bild in den Kopf, indem wir selbst unbedingt diesem Club der Privilegierten beitreten wollen.

Ich möchte mein Selbstwertgefühl aber nicht von der Mitgliedschaft in diesem Club abhängig machen. Niemand hat das Recht mich oder andere aufgrund meiner privaten Lebenssituation zu bewerten und zu verurteilen – und damit meine ich vor allem das stumme Entsetzen, das einem entgegenschlägt, wenn man in etwas anderem als in einer „Romantischen Zweierbeziehung“ (unter Kenner_innen mit „RZB“ abgekürzt) lebt oder diese Lebensform für nicht erstrebenswert hält. Wenn man es nicht für natur- oder gottgegeben hält, dass man erst ein kompletter, lebenswerter Mensch ist, wenn man in einer solchen Beziehung lebt, die dann in Ehe (und möglicherweise Familie) mündet. Ich verurteile allerdings umgekehrt auch niemanden, der_die das möchte – ich möchte nur nicht, dass mir dieser Lebensentwurf ständig mit einer Selbstverständlichkeit übergestülpt wird, die mich zu ersticken droht. Vor allem kann ich nicht verstehen, dass dieser Lebensentwurf staatlich gefördert, bevorzugt und institutionalisiert wird – warum hat der Staat überhaupt eine Meinung zu irgendwas, was Beziehungsformen von Menschen angeht? Aus dem Gewicht, den der Einsatz für die „Homo-Ehe“ innerhalb der Lesben- und Schwulenbewegung bekommen hat, lässt sich erahnen, wie stark mittlerweile die konservativen Kräfte innerhalb der Community geworden sind (auch genannt: Backlash). Kräfte, die sich solche Fragen nicht mehr so häufig stellen.

Im Grunde ist es mal wieder der alte Kampf zwischen Pragmatismus und Radikalismus in der Lesben- und Schwulenbewegung. Der Pragmatiker in mir sagt: „Es ist doch völlig utopisch in unserer Zeit ernsthaft die Ehe abschaffen zu wollen. Wir müssen kleine Schritte gehen und erst irgendwann, in vielen Generationen, wenn die Institution Ehe noch aufgeweichter ist, können wir ernsthaft darüber sprechen sie abzuschaffen.“ Der Radikalist in mir sagt: „Ist doch sowieso alles Quatsch und stinkt bis zum Himmel. Alles abschaffen! Je früher, desto besser!“. Und beide sprechen gleichzeitig. Ich kann mich auch nicht dem symbolischen Wert des Einsatzes für die Ehe-Öffnung entziehen – auch ich stand mit aufgemalter Regenbogenflagge im Gesicht auf der Place de la Bastille in Paris und habe für das Gesetz demonstriert. Ich hatte sowohl ein schönes als auch ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ein schönes Gefühl, weil ich so viel Zusammenhalt, Zuspruch und Solidarität vor allem auch von Nicht-Homosexuellen selten spürte und es sich beim Ausschluss von homosexuellen Paaren in der Ehe nun einmal um eine bestehende Ungerechtigkeit im Rechtssystem handelt, für deren Abschaffung es sich zu kämpfen lohnt. Ein mulmiges Gefühl, weil diese Ungerechtigkeit nur Ausgeburt einer noch viel größeren zu sein scheint, ein kleines Problem innerhalb des großen Problems: der Ehe. All diese Ressourcen, die für die Öffnung der Ehe eingesetzt werden – was könnten sie erreichen, wenn sie sich stattdessen mit dem größeren Problem beschäftigten?

Es gibt auch andere Stimmen innerhalb der Community; Stimmen, die nicht gerne gehört werden, weil sie nicht ins Bild passen. Das Kollektiv Against Equality, das sich gezielt als queere Gegenstimme zur Öffnung der Ehe versteht, gehört beispielsweise dazu und in den letzten Tagen las ich auch andere kritische Artikel dazu. Ich möchte niemandem vorverurteilen, weil er_sie sich für die Öffnung der Ehe einsetzt oder die Ehe für die Vollendung seines persönlichen Lebensglücks benötigt – allerdings benötigt dieser Einsatz dringend mehr Reflektion als rote Gleichheitszeichen auf Facebook. Im fruchtbaren Kampf zwischen Pragmatismus und Radikalismus gibt es derzeit einen Etappensieg des Pragmatismus’ und wir brauchen dringend wieder Stimmen, die mehr fordern. Alles fordern. Ryan Conrad, einer der Gründer von Against Equality, beschreibt es im Einstiegszitat eines (sehr lesenswerten) Interviews auf wewhofeeldifferently.info sehr treffend:

„Die Leute nennen Against Equality utopisch. Aber warum weniger als das sein? Warum sich niedrige Ziele setzen oder seine Vision beschränken? Utopia ist kein Ort, an den wir irgendwann kommen werden; es ist ein Prozess, eine Art, sich eine Zukunft vorzustellen. Es ist wichtig das nicht aus den Augen zu verlieren. Die Leute wollen pragmatisch sein und die Ehe als die gewinnenswerte Sache begreifen, aber das scheint mir ideologisch lächerlich zu sein. Warum sollte man eine Vision der Welt, in der man leben möchte, für Krümel von einem Tisch beschränken, an dem man gar nicht sitzen will? Das ganze Konzept des schwulen Pragmatismus frustriert mich, als ob wir immer pragmatisch sein und in schrittweise Veränderung investieren müssten. Schrittweise Veränderung hin zu was? Einer Welt, die scheiße ist? Einer Welt, die völlig klassistisch und rassistisch und von einer Hetero-Hegemonie geprägt ist? Darauf arbeite ich nicht hin.“
(Originalzitat auf Englisch, holprige Übersetzung von mir)

Ich kann seine Frustration sehr gut verstehen und teile sie oft genug auch. Dann denke ich an die letzten hundert Jahre und an das, was schrittweise Veränderung schon alles bewirken konnte. Es schlagen in dieser Frage zwei Herzen in meiner Brust, das sollte deutlich geworden sein. Die derzeitige Debatte wird aber zu unkritisch geführt und wir sollten nicht von vornherein weniger verlangen, als uns zusteht. Wir sollten nicht die Aufnahmekriterien des Clubs Ehe verändern, sondern den elitären Club ganz abschaffen wollen – oder zumindest seinen Status als eingetragenen Verein. Außerdem mieft es im Clubhaus Ehe ganz schön, es müsste mal ordentlich gelüftet und renoviert werden.

  • Michelle

    Führ doch mal bitte näher aus, in welcher Weise die Institution Ehe an sich die Geschlechterdichotomie männlich/weiblich festigt. Nur weil man verheiratet ist, ist man keiner klassischen Rollenverteilung unterworfen. Sowohl privat als auch im Umgang mit diversen Behörden ist man fast überall extrem flexibel darin welcher Ehepartner was macht, wo auftaucht, usw.
    Zudem gab es in letzter Zeit Überlegungen, die steuerlichen Vorteile von Ehepaaren in Deutschland abzuschaffen. Die Institution weicht also in der Tat bereits gehörig auf, und das ist ja im Prinzip auch gut so. Das eigentliche Ziel des Staates ist es doch gewesen, mit der Institution Ehe das Weiterbestehen der Bevölkerung zu „sichern“, d.h. vor allem mit finanzieller Hilfe zu befördern, dass die Paare sich artig vermehren. Da das 1. bei verheirateten Paaren mittlerweile nicht mehr unbedingt der Fall ist und 2. auch sehr viele Unverheiratete Kinder bekommen oder sich um sie kümmern, ist die Bevorteilung von Eheleuten langsam aber sicher für den Staat sinnlos geworden (abgesehen davon, dass sich an der ein oder anderen Stelle etwas Bürokratie sparen lässt, bspw. bei gemeinsamer Steuererklärung etc.).
    Was will ich damit nun sagen? Vor allem, dass der Nutzen der Ehe anzweifelbar und daher auch deine Kritik berechtigt ist, ob eine Öffnung der Ehe überhaupt erstrebenswert sein kann. Andererseits möchte ich festhalten, dass ein Staat nun einmal auch gewisse Ziele verfolgt und in manchen (!) Angelegenheiten m. E. gerechtfertigterweise nicht bloßes Gutmenschentum, oder wie man es nennen möchte, zu seiner obersten Priorität machen kann. Was wollen Homosexuelle oder Menschen mit anderen Beziehungsvorstellungen als der „RZB“ denn (dass natürlich nicht alle das Gleiche wollen, ist mir bewusst)? Gesellschaftliche Achtung? Wenn es das ist, ist die Öffnung der Ehe wohl der richtige Schritt, denn die Ehe IST gesellschaftlich geachtet. Aber die allgemeinen Ansichten der Gesellschaft krempelt man nicht mit Gesetzen um, das sollte auch klar sein (ich weiß, DIR ist es klar).
    Nur um eins klarzustellen: Ich verfolge die ganze Debatte nur nebenbei und bin in der Thematik nicht gerade tief drin, aber nicht zuletzt, weil ich selbst verheiratet bin, hoffe ich doch v.a. auf eine Antwort auf meine Eingangsfrage…

    • daniel doublevé

      mit geschlechterdichotomie meine ich nicht die ‚klassische rollenverteilung‘, sondern eher, dass nach dem derzeitigen modell die ehe nur zwischen ‚mann‘ und ‚frau‘ möglich ist – dabei gibt es ja noch so viel dazwischen (wie im text bereits gesagt). aber für das dazwischen gibt es keinen platz – auch nicht, wenn das modell auf ‚mann‘/‚mann‘ bzw. ‚frau‘/‚frau‘ erweitert wird. jede_r, der_die die vorteile der institution ehe nutzen will, muss sich also dieser dichotomie unterordnen – auch wenn mensch das gar nicht möchte.

      diese geschlechterkriterien lassen sich natürlich abschaffen – und besser wär’s! was dann immer noch bleibt, ist meine oben gestellte frage: warum muss der staat überhaupt eine beziehungsform bevorteilen? klar könnte man die ehe noch auf andere beziehungsformen ausweiten wie die polyamory, trotzdem würde man damit noch immer diejenigen benachteiligen, die keine (wie auch immer geartete) partnerschaft haben (bzw. haben können), denn die rechnung ist einfach: ein staat, der partner bevorteilt, diskriminiert alleinstehende – deshalb müsste man diese auch in die vorzüge einer (wie auch immer gearteten) ehe 2.0 kommen lassen. und dann käme man schnell zu dem schluss: eine ehe für alle ist eigentlich eine ehe für keinen. es geht dabei nicht um gesellschaftliche anerkennung, sondern um völlige gesellschaftliche gleichbehandlung.

      dass das ‚weiterbestehen der weltbevölkerung‘ das ziel des staates ist, halte ich für fadenscheinig und das sagst du ja auch selbst auch, denn kinder gibt es auch außerhalb von ehen genug. fortpflanzung von menschen gab es schließlich schon ohne ehe- und staatskonzepte und hat da auch schon ziemlich gut funktioniert. die ehe ist ja nicht mit uns von den bäumen gestiegen. fortpflanzung ist also nur ein scheinargument. viel eher ließe sich davon sprechen, dass die institution ehe über jahrhunderte machtstrukturen sicherte, die dem weltbild der mächtigen entsprach – allen voran die völlige entrechtung von frauen, die als sklavinnen gehalten wurden. die zeiten haben sich gottseidank geändert, wenngleich diese dunklen rollenbilder noch immer subtil die gesellschaftliche vorstellung einer ehe formen. da wir das so nicht mehr mitmachen, sollte uns es eigentlich umso misstrauischer machen, dass so vehement an der ehe als bevorzugter lebensentwurf festgehalten wird.

      (weiterhin spielen noch privilegien eine rolle: dass es vor allem weiße leute aus der mittel- und oberklasse sind, die von der ehe profitieren. das kannst du aber wesentlich kompetenter erklärt in anderen blogs [z. b. den verlinkten beiträgen] nachlesen.)

      • Michelle

        Alles klar, jetzt verstehe ich, was du meinst. Im Grunde ist ja tatsächlich jegliche Geschlechtszuordnung in allen Facetten des öffentlichen Lebens unnötig. Aber ist es nicht so, dass eine Öffnung der Ehe zumindest bedeuten würde, dass die Dichotomie in gewisser Weise aufgehoben wird? Würde man denn wirklich gezwungen sich in eines der Konzepte Frau/Mann, Mann/Mann, Frau/Frau einzuordnen? Wenn die Ehe für Paare jeder Geschlechterkombination wirklich offen wäre, dann sollte es konsequenterweise auch keine Rolle spielen, womit man sich nun identifiziert. Das einzige, was bevorzugt und vorgegeben würde, wäre, wie du richtig sagst, dieses eine, monogame Beziehungsmodell.

        Ich gebe dir auch recht, dass eine solche Bevorzugung unsinnig ist. Ich wollte mit dem Argument ‚Weiterbestehen der Bevölkerung‘ auch nicht sagen, dass dieses besonders schlagkräftig ist, sondern eher, dass dies zumindest historisch betrachtet wohl das Hauptargument für die finanziellen u.a. Vorteile des staatlichen Ehestatus war. Dass das mittlerweile nicht mehr vertretbar ist, habe ich ja auch bereits angedeutet.

        Dass Ehe noch immer so einen Sonderstatus genießt, liegt sicherlich nicht zuletzt an dem jahrhundertelangen Einfluss der Kirche, aber mit diesem Verein fangen wir am besten gar nicht erst an…

        Ein interessantes Thema jedenfalls. Man sollte sich vielleicht allem voran erst einmal fragen, welche Vorteile die Ehe eigentlich bringt, welche davon überhaupt noch „genutzt“ oder benötigt werden, welche sinnigerweise auf alle möglichen Beziehungstypen ausgedehnt werden sollten und welche ganz abgeschafft gehören, etc.

        Ich kann jedenfalls aus eigener Erfahrung sagen, dass Verheiratetsein manchmal ein bisschen ist wie Cheaten im Computerspiel – du kannst an der ein oder anderen Stelle ordentlich was sparen, nur weil du dich einmal dieser bürokratischen Prozedur (um es mal ganz emotionslos zu formulieren) unterzogen hast, obwohl viele andere Paare im Prinzip genauso leben wie du und dein Partner, diese Vorteile aber nicht genießen können, weil ein gewisses Papier fehlt… Gerechtigkeit ist das wirklich nicht. -.-

      • Yorick Altland

        Auf Deine Frage, Daniel: „Warum muss der Staat überhaupt eine Beziehungsform bevorteilen?“
        Er ist dazu verpflichtet, weil er auf der anderen Seite den Ehepartner auch Verpflichtungen auferlegt, die Nichtverheiratete nicht haben (Verpflichtung zum gegenseitigen Unterhalt, Haftungsgemeinschaft für Geschäfte des täglichen Lebens und weiteres). Mit dem Vertrag der Ehe übernehmen nämlich Leute für einander insbondere monetäre Verantwortung, die anders als etwa Eltern und Kinder bisher nichts miteinander verbunden hat. Und tatsächlich ist die Ehe weder im Grundgesetzt noch im Bürgerlichen Gesetzbuch als eine Verbindung von Mann und Frau definiert. Insofern könnte man meines Erachtens sogar ohne Gesetzesänderung ab morgen davon sprechen, dass die Ehe eine Einstands- und Beistandsgemeinschaft von zwei Personen ist, die nicht mit einander verwandt sind.

        Deinen geschlechtsbezogenen Einwand halte ich im überigen für überaus zutreffend. Das ist in der ganzen Diskussion etwas untergegangen. Deine übigen Argumente weisen aber für mich auf eine Diskussion hin, die erst im Anschluss – und zwar gerne unmittelbar – auf die Gleichstellung von Zweierpartnerschaften geführt werden kann, aber dann auch geführt werden sollte. Die Gegner der sog. „Homo“-Ehe sehen im übrigen diese Diskussion bereits aufkommen, weshalb sie diese bereits in diesem frühen Stadium ersticken wollen.

  • Kristian Köhntopp

    Link relevant

    http://qntm.org/gay

  • Ralf Bendrath

    Ich finde es irgendwie schräg, dass in einem Text über die Ehe das Wort „Liebe“ nicht einmal auftaucht. Oder bin ich damit schon retro/backlash/heteronormativ/staatstragend? Wenn man all die Privilegien weg reformiert (ja, ich bin auch für Ehegattensplitting splattern! etc.), dann bleibt dennoch am Ende ein Residuum. Und das ist für viele Menschen einfach mal ein echtes Committment plus Romantik und fetter Party, weil es einfach mal was zu feiern gibt. Lebenswelt statt System sozusagen. Kann auch gerne der Schamane deiner Wahl zeremonieren. Der Debate wäre es aber zuträglich, wenn die Ebenen auseinandergehalten werden würden ohne komplett auf einer Ebene sich zu verabschieden.

  • http://twitter.com/phwampfler Philippe Wampfler

    Sehr schöner Text – formuliert besser, was ich ähnlich auch schon gesagt habe: http://philippe-wampfler.com/2013/03/29/zwei-gedanken-zu-marriage-equality/

  • Damina

    Ich glaube ich verstehe, was du sagen willst. Das Problematische an der ganzen Sache ist meiner Meinung nach, dass es viele (auch durchaus miteinander verwobene) Ebenen gibt. Eine historische, eine pragmatische, eine ausgrenzende, eine „fundamentalistische“, ect., aber eben auch eine emotionale Ebene. Das macht die Diskussion so schwierig.

    Für mich persönlich ist die Ehe unabhängig von allem einfach auch ein enormer Liebes- und Vertrauensbeweis an meinen Partner. Mir ist aber durchaus bewusst, dass das nicht für jeden Menschen gilt. Mein Traum wäre, dass jeder Mensch den Lebens- und Liebesweg gehen kann, den er wünscht. Und dass jeder dieser Wege als gleichwertig wahrgenommen werden würde.

    Allerdings haben wir da noch einen weiten Weg vor uns. Nicht nur gesellschaftlich, auch politisch und rechtlich (Aufenthaltsrecht, Strafrecht etc). Da gibt es durchaus Aspekte, die ich mir als Laie kniffelig vorstelle.

  • Giliell

    Da sagst du ganz viele richtige und wichtige Dinge zum Thema „Ehe“.
    Ich bin selbst, als nicht besonders große Freundin der Institution, schließlich hat sie ihren Ursprung in einem Kaufvertrage zwischen Vater und Ehemann, verheiratet.
    Dass dies unglaubliche Vorteile mit sich bringt kann ich nicht leugnen, und ich rede nicht mal von den Steuern. Und vieles davon wird in Zukunft anders geregelt werden müssen, denn egal wie sehr die Ehe geöffnet wird, es kann mit den veränderten Lebenswirklichkeiten nicht mithalten. Viele Menschen übernehmen heutzutage Verantwortung füreinander ohne eine Familien- oder romantische Beziehung miteinander zu haben, das zu regeln hilft weder Homo- noch Polyehe.

    Bei aller Skepsis gegenüber der Ehe, die ich so teile gehöre ich dennoch zu den vehementen Unterstützerinnen der Öffnung der Ehe für alle.
    1) Kann ich nicht von anderen verlangen das Opfer zu bringen auf die Ehe zu verzichten weil ich Ehe an sich für doof finde. Nicht nur, dass ich ja selbst verheiratet bin, auch wenn ich’s nicht wäre würde ich ja ein „Opfer verlangen“ das für mich persönlich keines ist. Ich kann mir nicht anmaßen besser zu wissen was gut für die Leute ist als sie selbst.
    2) Es hat natürlich einen großen symbolischen Wert. Es ist momentan DAS Schlachtfeld zwischen Menschen die eine offene und gleichberechtigte Gesellschaft wollen und den ewig gestrigen bigotten Moralaposteln. Weshalb es wichtig ist „Utopia“ im Auge zu behalten und die Schlacht trotzdem zu führen. Sonst wird es ein Phyrrussieg und später wird gesagt „was wollt ihr denn noch, ihr dürft doch heiraten!“ (ähnlich wie „was wollt ihr Frauen denn noch, ihr dürft doch wählen!“). Es geht nicht nur um Ehe, sondern um unterschiedliche Gesellschaftsentwürfe.

  • spicollidriver

    @ Daniel
    der Punkt ist doch nicht zwangsläufig ein Glorifizieren der Ehe, sondern eher die Bestrebung, daß andere – in diesem Fall homosexuelle – Beziehungen bzw. Beziehungsformen die gleiche Anerkennung bekommen.

    um mal eine Parallele zu einem anderen Thema ziehen: man muß bzw. mußte eben kein Freund der Bundeswehr sein, um es dennoch für richtig zu halten, daß Frauen erst einmal grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten offen stehen sollten (auch in dem Fall habe ich mehr als einmal die Meinung gelesen anstatt einer Öffnung für Frauen sollte man lieber die staatliche Armee abschaffen).

    • http://twitter.com/sannaweh sanna werth

      Ich finde das ein super Argument! Es zeigt, dass man mit der Forderung nach Abschaffung (Ehe, Bundeswehr), denjenigen, die diese Einrichtung jedoch wollen, wiederum die eigenen Werte aufdrückt. Daher müssen wir die Diskussion über die Werte, von der Diskussion über die Gleichberechtigung aller Menschen trennen um nicht, einfach einander vor den Kopf zu stoßen.

  • Miria

    Sehr schön geschrieben! Bin so ziemlich der gleichen Meinung. Die
    staatliche Zweierehe ist nicht das, was wünschenswert ist. Habe dazu
    auch auf meinem Blog einen Artikel verfasst, in dem ein Vorschlag
    gemacht wird, wodurch man die Ehe ersetzten könnte und womit alle
    zufrieden sein könnten und alle die gleichen Rechte hätten:
    http://nur-miria.blogspot.de/2013/04/statement-gegen-die-homo-ehe.html

    Du
    schreibst weiterhin: „Vor allem kann ich nicht verstehen, dass dieser
    Lebensentwurf staatlich gefördert, bevorzugt und institutionalisiert
    wird – warum hat der Staat überhaupt eine Meinung zu irgendwas, was
    Beziehungsformen von Menschen angeht?“

    Ich glaube das liegt an
    der Verbindung von Staat und Kirch in Deutschland. Leider gibt es die
    vielbeschworene Trennung der beiden hier nicht. Die Kirche ist es, die
    dieses Ehebild propagiert, der Staat übernimmt es für sich.

  • Robert Niedermeier

    Homo-Ehe? Nö, es geht um die Aufhebung des Ehe-Verbots für LGBT-Paare: http://reiserobby.de/ehe-ist-doch-doof-wider-der-anpassung-ans-falsche/